US-Wahl 2020

Arizona wird ein Swing State - Donald Trump in Umfragen hinter Joe Biden

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Arizona galt in der US-Wahl als Hochburg der Republikaner. Eine sich verändernde Wählerschaft und Donald Trump selbst sorgen für einen blauen Umschwung.

Phoenix - Mit einem Vorsprung von fast vier Prozentpunkten auf Hillary Clinton ging Donald Trump 2016 siegreich aus Arizona hervor. In diesem Jahr zeichnen die Umfragen allerdings ein ganz anderes Bild.

Eigentlich ist der Bundesstaat im Südwesten der USA als republikanische Hochburg bekannt. Seit 1948 konnte lediglich ein Demokrat die US-Wahl in Arizona gewinnen, nämlich Bill Clinton im Jahr 1996. Nun wird der „Grand-Canyon-Staat“ neben Bundesstaaten wie Florida und Pennsylvania zum Swing State. Ein politischer und gesellschaftlicher Wandel ist im Vollzug.

Republikaner:innen in Arizona, die sich für die Wahl des Demokraten Joe Biden einsetzen.

US-Wahl 2020 in Arizona: Von einer Hochburg der Republikaner zum Swing State?

Donald Trump verspricht den Bürger:innen von Arizona, dass sie die größten „Nutznießer“ seiner Mauer zu Mexiko sein würden. „Wir beschützen unsere Grenzen“, teilte der US-Präsident seinem Publikum am 19. Oktober in der Stadt Tucson mit. Etwa 600 Kilometer des Beton- und Stahlwalls sind bereits errichtet. Davon ersetzt vieles bereits bestehende Barrieren.

„Sie wollen eure Polizei zerlegen, eure Grenzen auflösen“, warnte Donald Trump zudem vor den Demokraten um Joe Biden. „Wenn ihr keine Mauer habt, habt ihr kein Land.“ Ob Trumps Worte in Arizona weiter fruchten, ist zweifelhaft. In den jüngsten Umfragen liegt der US-Präsident acht Punkte hinter Biden. Insbesondere die Entwicklung der Corona-Pandemie in den USA trägt zu einem schrumpfenden Zuspruch für Trump in Arizona bei. Sie sei „bald vorbei“, behauptet Trump trotz Rekordanstiegen in weiten Teilen des Landes. „Die Leute haben die Pandemie satt. Wissen Sie das? Sie haben die Pandemie satt“, gab er von sich.

US-Wahl 2020: Arizona wird zum Swing State zwischen Joe Biden und Donald Trump

Ohne die Pandemie gebe es das enge Rennen zwischen Donald Trump und Joe Biden in diesem Jahr nicht, meint Chuck Coughlin, ein republikanischer Stratege aus Arizona. Donald Trump sei das beste Mittel für die Wahlbeteiligung bei Demokraten überhaupt. Beim Kampf um die 11 Wahlmänner gibt sich Trump allerdings weiterhin siegessicher und erwartet, seinen Triumph von 2016 noch zu übertreffen. „Nie gab es mehr Enthusiasmus“ teilte er mit Verweis auf Tausende Zuschauer:innen mit.

WahljahrKandidat der RepublikanerKandidat:in der DemokratenSieg in ArizonaSieg gesamt
2020Donald TrumpJoe Biden??
2016Donald TrumpHillary ClintonDonald TrumpDonald Trump
2012Mitt RomneyBarack ObamaMitt RomneyBarack Obama
2008John McCainBarack ObamaJohn McCainBarack Obama
2004George W. BushJohn KerryGeorge W. BushGeorge W. Bush
2000George W. BushAl GoreGeorge W. BushGeorge W. Bush
1996Bob DoleBill ClintonBill ClintonBill Clinton
1992George H. W. BushBill ClintonGeorge H. W. BushBill Clinton
1988George H. W. BushMichael DukakisGeorge H. W. BushGeorge H. W. Bush
1984Ronald ReaganWalter MondaleRonald ReaganRonald Reagan
1980Ronald ReaganJimmy CarterRonald ReaganRonald Reagan
1976Gerald FordJimmy CarterGerald FordJimmy Carter
1972Richard NixonGeorge McGovernRichard NixonRichard Nixon
1968Richard NixonHubert HumphreyRichard NixonRichard Nixon
1964Barry GoldwaterLyndon B. JohnsonBarry GoldwaterLyndon B. Johnson
1960Richard NixonJohn F. KennedyRichard NixonJohn F. Kennedy
1956Dwight D. EisenhowerAdlai StevensonDwight D. EisenhowerDwight D. Eisenhower
1952Dwight D. EisenhowerAdlai StevensonDwight D. EisenhowerDwight D. Eisenhower
1948Thomas E. DeweyHarry S. TrumanHarry S. TrumanHarry S. Truman

In den letzten 30 Jahren hat sich die Bevölkerung von Arizona fast verdoppelt. Viele junge Leute und Lateinamerikaner:innen sind neu zugezogen oder eingewandert. Laut der Nachrichten- und Statistikseite „FiveThirtyEight“ sind mittlerweile 31 Prozent der Bewohner:innen des Bundesstaats Latinx, doch viele von ihnen sind nicht zu einer Stimmabgabe in der US-Wahl berechtigt.

US-Wahl 2020: Mittlerweile ein Swing State - Wählerschaft in Arizona verändert sich

Einerseits tragen die Latinx, sowie die Zugezogenen aus dem benachbarten, liberal gesinnten Kalifornien dazu bei, Arizona politisch in Richtung der Demokraten zu verschieben, andererseits hat Donald Trump seine Chancen mit Angriffen auf den verstorbenen Senator John McCain möglicherweise verspielt. Über den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner und Kriegsgefangenen sagte Trump, dass er ihn nie gemocht habe. Auch sei McCain kein Kriegsheld, betonte Trump. Er bevorzuge nämlich „Leute, die nicht gefangen genommen wurden“. John McCain genießt in Arizona auch nach seinem Tod ein hohes Ansehen.

Die Gruppierung „Republikaner, die daran glauben, Andere mit Respekt zu behandeln“ setzt sich gegen die Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump ein. Ihnen gehe es vor allem darum, welche Person ihr Land regiert und nicht welche Partei. „Wollen wir, dass unsere Kinder und Enkelkinder wie diese Person wird?“, heißt es in einer Stellungnahme auf der Website. Umfragen in Arizona zeigen vor der US-Wahl eine große Veränderung bei Senior:innen. 2016 hatte Donald Trump in der Altersgruppe von über 65 Jahren noch mit 13 Prozentpunkten Vorsprung gewonnen, 2020 liegt Joe Biden mit einem Prozentpunkt vorne.

Seit dem 7. Oktober dürfen Wähler:innen ihre Stimme in Arizona bereits abgeben. Ob die veränderte Wählerschaft Joe Biden zum Sieg in der US-Wahl verhelfen kann, oder ob Donald Trump mit seiner klaren Kante gegen Einwander:innen aus Mexiko eine zweite Amtszeit antreten wird, entscheidet sich am 3. November (hier finden Sie den Zeitplan der US-Wahl und Informationen, wie Sie die US-Wahl aus Deutschland im TV verfolgen können. Dann zeigt sich auch, ob der Spruch „Wer Ohio gewinnt, gewinnt die US-Wahl“ weiter gilt. Sollte Donald Trump die US-Wahl verlieren, wird auch die Frage beantwortet, wie er reagiert. (Lukas Rogalla)

Am 3. November 2020 finden in den USA insgesamt drei Wahlen statt. Die Ergebnisse der Wahl zum US-Präsidenten, die Ergebnisse der Senats-Wahl und die Ergebnisse der Wahl des Repräsentantenhauses dürften die Politik in den USA verändern - egal, wie sie ausfallen.

Rubriklistenbild: © ROBYN BECK/AFP

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