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US-Wahl 2020: Donald Trump gegen Joe Biden - Swingstate Pennsylvania könnte alles entscheiden

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Schon vor dem 3. November galt Pennsylvania als wichtigster Bundesstaat bei der US-Wahl 2020. Bei einem Sieg im Swing State würde Joe Biden gewinnen.

  • Die Präsidentschaftswahl wird jetzt hauptsächlich im „Swing State“ Pennsylvania entschieden.
  • Bei der US-Wahl 2016 gewann Donald Trump in Pennsylvania mit weniger als einem Prozentpunkt.
  • Joe Biden, in Pennsylvania geboren, liegt bei der Auszählung derzeit knapp zurück, holt aber immer mehr auf.

Harrisburg - Nach einem knappen Ergebnis 2016 versprach die US-Wahl 2020 wieder ein spannendes Rennen im Swingstate Pennsylvania. Vor vier Jahren setzte sich Donald Trump mit 44.292 Stimmen - weniger als einem Prozentpunkt - vor Hillary Clinton durch und gewann alle 20 Wahlleute des Staates im Nordosten der USA. Ob der Demokratischen Partei nach der schweren Niederlage von damals ein Comeback gelingt, ist derzeit aber noch offen.

Noch immer liegt Joe Biden bei der Auszählung der Stimmen hinter Donald Trump, holt aber in Riesenschritten auf. Mit einem Sieg in Pennsylvania würde Biden die Wahl gewinnen - unabhängig davon, was in den noch ausstehenden Bundesstaaten Alaska, Arizona, Georgia, Nevada und North Carolina auch geschehen wird.

US-Wahl 2020: Donald Trump gegen Joe Biden im Swingstate Pennsylvania

Als Teil des „Rostgürtels“ der USA haben weite Teile von Pennsylvania mit einem wirtschaftlichen Niedergang zu kämpfen, ähnlich wie der Swing State Ohio. Insbesondere mit dem Abbau der Kohle- und Stahlindustrie wurden Tausende arbeitslos. Mit seinem Versprechen, Jobs zurückzuholen, beziehungsweise zu kreieren, gewann Donald Trump vor vier Jahren 56 von 67 Countys. Erstmals seit 1988 gewann wieder ein Republikaner im „Keystone State“.

Neben ländlichen Gebieten und oftmals verfallenden Kleinstädten befinden sich in Pennsylvania auch die Metropolregionen Pittsburgh und Philadelphia mit insgesamt rund 3,8 Millionen Einwohnern. Innerhalb Pittsburghs gewann Clinton damals deutlich, doch mit 50,2 Prozent ist die gesamte Region um die Stadt die zweitgrößte, in der Trump siegte (nach Dallas-Fort Worth in Texas). Ein Faktencheck zur Amtszeit von Donald Trump von „Politifact“ und „The Philadelphia Inquirer“ zeigt, dass vor der Corona-Pandemie zwar Jobs in Pennsylvania geschaffen wurden, jedoch nicht so viele, wie Vize-Präsident Mike Pence behauptet hatte.

Jede Stimme zählt - darauf pochen auch die Menschen in Pennsylvania.

US-Wahl 2020: Swingstate Pennsylvania wurde republikanisch

Die jüngsten Umfragen aus dem Swingstate Pennsylvania waren wie fast überall zu optimistisch für Joe Biden: Sein Vorsprung auf Donald Trump betrug im Durchschnitt etwa acht Prozentpunkte (Stand 26.10.2020). Die Demokraten waren fest davon überzeugt, dass ihnen mit dem in Pennsylvania geborenen Kandidaten ein Comeback gelingen würde.

Die Nachrichten- und Statistikseite „FiveThirtyEight“ betonte stets die Wichtigkeit von Pennsylvania in der US-Wahl und gab Donald Trump eine 84-prozentige Chance auf einen Sieg, sollte er sich dort gegen Joe Biden durchsetzen. Bei einem Sieg von Biden lag dessen Chance, der nächste US-Präsident zu werden, sogar bei 96 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass Pennsylvania der alles entscheidende Staat wird, betrug 31 Prozent.

US-Wahl 2020: Republikaner und Donald Trump versprechen Arbeitsplätze in Pennsylvania

Die Entwicklung von Pennsylvania zu einem ausschlaggebenden Swing State in der US-Wahl war nur bedingt abzusehen, war der Bundesstaat doch lange „blau“ geneigt. Die Arbeiter hatten sich mit der Wirtschaftskrise immer weiter von der Demokratischen Partei abgewandt, sie aufgrund ihrer Handels- und Umweltverordnungen für den Rückgang der Industrie verantwortlich gemacht. Auch bei der afroamerikanischen Wählerschaft sank die Unterstützung für die demokratische Kandidatin Hillary Clinton 2016 im Vergleich zu Barack Obamas zweiter Wahl von 96 auf 89,9 Prozent.

Donald Trump will in Pennsylvania insbesondere das Fracking vorantreiben, eine Methode zur Förderung von Erdöl und -gas. Er verspricht Arbeitsplätze und Millionen von Dollar, die in den Bundesstaat fließen werden. Gleichzeitig warnt er vor Joe Biden, der in der finalen TV-Debatte ankündigte, die Ölindustrie nach und nach dichtmachen zu wollen bis eine alternative Energiewirtschaft umgesetzt wird. Biden behauptet weiterhin, dass er Fracking nicht gänzlich verbieten will.

WahljahrKandidat der RepublikanerKandidat:in der DemokratenSieg in PennsylvaniaSieg gesamt
2020Donald TrumpJoe Biden??
2016Donald TrumpHillary ClintonDonald TrumpDonald Trump
2012Mitt RomneyBarack ObamaBarack ObamaBarack Obama
2008John McCainBarack ObamaBarack ObamaBarack Obama
2004George W. BushJohn KerryJohn KerryGeorge W. Bush
2000George W. BushAl GoreAl GoreGeorge W. Bush
1996Bob DoleBill ClintonBill ClintonBill Clinton
1992George H. W. BushBill ClintonBill ClintonBill Clinton
1988George H. W. BushMichael DukakisGeorge H. W. BushGeorge H. W. Bush
1984Ronald ReaganWalter MondaleRonald ReaganRonald Reagan
1980Ronald ReaganJimmy CarterRonald ReaganRonald Reagan
1976Gerald FordJimmy CarterJimmy CarterJimmy Carter
1972Richard NixonGeorge McGovernRichard NixonRichard Nixon
1968Richard NixonHubert HumphreyHubert HumphreyRichard Nixon
1964Barry GoldwaterLyndon B. JohnsonLyndon B. JohnsonLyndon B. Johnson
1960Richard NixonJohn F. KennedyJohn F. KennedyJohn F. Kennedy
1956Dwight D. EisenhowerAdlai StevensonDwight D. EisenhowerDwight D. Eisenhower
1952Dwight D. EisenhowerAdlai StevensonDwight D. EisenhowerDwight D. Eisenhower
1948Thomas E. DeweyHarry S. TrumanThomas E. DeweyHarry S. Truman

US-Wahl 2020: Swing State Pennsylvania könnte alles zwischen Joe Biden und Donald Trump entscheiden

Im Zuge der US-Wahl hatten schon vor dem Wahltag mehr als 1,5 Millionen Wähler:innen aus dem Swingstate Pennsylvania ihre Stimme bereits abgegeben. Mit einem Beschluss des Obersten Gerichts werden Briefwahlstimmen auch dann noch akzeptiert, wenn sie bis zu drei Tage nach dem 3. November eintreffen.

Unterstützer:innen von Joe Biden und Kamala Harris in Philadelphia, Pennsylvania.

Der Grund des Urteils: Mit dem kaum getesteten Verfahren der Briefwahl in Pennsylvania will man Wähler:innen versichern, dass ihre Stimmen auch ankommen. Die Republikaner wollen gegen den Beschluss vorgehen. Er würde dazu „einladen“, eine Stimme erst nach dem Wahltag zu vergeben, so ein Anwalt der Republikanischen Partei. Der Beschluss könnte den Ausgang der US-Wahl beeinflussen, sollte das Rennen zwischen Donald Trump und Joe Biden ähnlich knapp ausfallen wie noch 2016 zwischen Trump und Clinton. (Lukas Rogalla)

Wie wird die US-Wahl 2020 ausgehen? Neben Pennsylvania sind vor allem die Swing States Florida und Arizona interessant. Hier finden Sie den Zeitplan der US-Wahlnacht und einen Überblick, wie Sie die US-Wahl von Deutschland aus im TV verfolgen können. Die Ergebnisse der US-Präsidentschaftswahl, die Ergebnisse der Senats-Wahl und die Ergebnisse der Wahl zum Repräsentantenhaus werden die USA politisch verändern - egal, wie sie aussehen. Die Frage bleibt, wie sich Donald Trump verhält, sollte er die Wahl verlieren.

Rubriklistenbild: © afp/SPENCER PLATT

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