US-Wahl 2020

Donald Trump gegen Joe Biden: Wer in Ohio gewinnt, wird US-Präsident

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Noch nie gewann ein Republikaner die US-Wahl, ohne Ohio für sich zu entscheiden. Doch die Unterstützung für Donald Trump schwindet dahin.

Sogenannte „Swing States“ entscheiden über den Ausgang einer US-Präsidentschaftswahl. Während der Großteil der Bundesstaaten als sicher demokratisch oder republikanisch gilt, wird in den „Schlachtfeldstaaten“ hart um die Stimmen gekämpft. Als besonders wichtig gilt neben Florida auch Ohio, im Norden der USA. Auch Arizona und Pennsylvania sind 2020 Swing States, aber seit 1964 gilt: Wer Ohio gewinnt, gewinnt die US-Wahl.

Ein Wahlhelfer sammelt Briefwahl-Stimmen in Cleveland, Ohio.

US-Wahl: Wer in Ohio gewinnt, wird US-Präsident

Seit 1803 ist der Bundesstaat Ohio Teil der Vereinigten Staaten. Ein Jahr später nahm Ohio das erste Mal an einer Präsidentschaftswahl teil. Etwa die Hälfte der Einwohner Ohios verteilt sich auf die drei Metropolregionen Cincinnati, Columbus und Cleveland. In ländlichen Regionen und kleineren Ortschaften wird überwiegend republikanisch gewählt. Die Arbeiter in den Städten tendierten traditionell zu den Demokraten - bis 2016. Als Teil des amerikanischen „Rust Belt“ („Rostgürtel“) wurden die industriellen Zentren Ohios schwer von einem wirtschaftlichen Rückgang getroffen. Die Arbeitslosigkeit schoss in die Höhe.

Donald Trump versprach, die Arbeitsplätze zurück nach Ohio zu bringen. Er setzte sich letztlich mit einem deutlichen Vorsprung von acht Prozentpunkten gegen Hillary Clinton durch. In diesem Jahr könnten die Republikaner den „Rosskastanienstaat“ allerdings wieder verlieren. „Wenn Trump Ohio nicht gewinnt, ist es vorbei“, erklärt Politikwissenschaftler David Cohen in der „New York Times“. Im September trat der US-Präsident mehrfach in Ohio auf - ein Hinweis darauf, dass er um die Stimmen der Arbeiter fürchtet. Sein Versprechen hielt Trump nicht ein.

US-Wahl 2020: Unterstützung für Donald Trump schwindet in Ohio

„Wenn man darüber nachdenkt, wieso verbringt er im September überhaupt Zeit in Ohio, einem Staat, in dem er mit acht Prozentpunkten gewann?“, so Cohen. Die einzige Antwort darauf sei: Donald Trump und sein Wahlkampfteam wissen, dass sie in Schwierigkeiten sind. Vor allem in den Vororten schwindet seine Unterstützung dahin.

Für Donald Trump und die Republikaner hatte sich in Ohio eine Wählerschaft mit höheren Bildungsabschlüssen aufgestellt - diese hatte Hillary Clinton zutiefst misstraut. In diesem Jahr sieht es allerdings ganz anders aus, berichtet die „New York Times“. Die Umfragen mit Akademiker:innen zeigen, dass Donald Trump klar hinter Joe Biden liegt. In den Vororten Ohios gewann Trump 2016 mit 20 Punkten, wie die Daten der „Exit Polls“ belegten. In Umfragen von „Fox News“ befindet sich Joe Biden dort nun mit 10 Punkten vorne. Insgesamt könnte die Wahl durch die Stimmen von Nichtweißen in Ohio entscheiden werden, bei denen Biden einen Vorsprung von 75 Prozentpunkten hat. Stellt sich die Frage: Wie reagiert Donald Trump, wenn er die Wahl verliert?

US-Wahl 2020: Donald Trump wackelt in Ohio - ein Indikator für den Wahlausgang

Seit Beginn des Zweiparteiensystems, wie es in den USA heute bekannt ist, hat ein Republikaner noch nie die US-Wahl gewonnen, ohne Ohio für sich zu entscheiden - und seit 1960 auch kein Demokrat. Ohio ist einer der 48 Staaten, in denen das „Winner takes all“-Prinzip bei den Wahlmännern gilt. Das bedeutet, dass alle 18 Wahl-Stimmen Ohios dem siegreichen Kandidaten zustehen, egal wie knapp diese Mehrheit ausfällt.

WahljahrKandidat der RepublikanerKandidat*in der DemokratenSieg in OhioSieg gesamt
2020Donald TrumpJoe Biden??
2016Donald TrumpHillary ClintonRepublikanerRepublikaner
2012 Mitt RomneyBarack ObamaDemokratenDemokraten
2008John McCainBarack ObamaDemokratenDemokraten
2004George W. BushJohn KerryRepublikanerRepublikaner
2000George W. BushAl GoreRepublikanerRepublikaner
1996Bob DoleBill ClintonDemokratenDemokraten
1992George H. W. BushBill ClintonDemokratenDemokraten
1988George H. W. BushMichael DukakisRepublikanerRepublikaner
1984Ronald ReaganWalter MondaleRepublikanerRepublikaner
1980Ronald ReaganJimmy CarterRepublikanerRepublikaner
1976Gerald FordJimmy CarterDemokratenDemokraten
1972Richard NixonGeorge McGovernRepublikanerRepublikaner
1968Richard NixonHubert HumphreyRepublikanerRepublikaner
1964Barry GoldwaterLyndon B. JohnsonDemokratenDemokraten
1960Richard NixonJohn F. KennedyRepublikanerDemokraten

Seit dem 6. Oktober dürfen die Wähler:innen in Ohio ihre Stimme im „Early Voting“ bereits abgeben. Stimmzettel, die per Briefwahl eingereicht werden, können schon vor dem Tag der Präsidentschaftswahl am 3. November geöffnet und registriert werden. Daher werden die ersten Ergebnisse aus Ohio deutlich früher erwartet als aus anderen Bundesstaaten (der Zeitplan der US-Wahl im Überblick). Im Rennen zwischen Donald Trump und Joe Biden dürfte es hier äußerst knapp werden (Hier können Sie nachlesen, wie Sie die US-Wahl im TV verfolgen können). Und wenn die Ergebnisse der US-Präsidentschaftswahl 2020 bekannt sind ist auch klar, ob der Satz „Wer Ohio gewinnt, gewinnt die US-Wahl“ weiter Gültigkeit hat. (Lukas Rogalla)

Rubriklistenbild: © DUSTIN FRANZ/AFP

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