US-Wahl 2020

„Sozial unerwünscht“: Versteckte Wähler:innen könnten Donald Trump den Sieg bringen

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
    schließen

Wahlexpert:innen sprechen in den USA von einer „versteckten“ und „schüchternen“ Wählerschaft. Kommt es zu einem erneuten Überraschungssieg für Donald Trump?

  • Kurz vor der Präsidentschaftswahl stehen die Umfragewerte zugunsten von Joe Biden.
  • Meinungsforschende sind sich über die Relevanz von „versteckten“ und „schüchternen“ Trump-Wähler:innen für den Ausgang der US-Wahl uneinig.
  • News zur Wahl 2020: Alle Neuigkeiten und Hintergrundinformationen zu den Wahlen in den USA.

Washington D.C - Wenige Tage vor der US-Wahl zeichnet sich Umfragen zufolge ein eindeutiges Bild ab. Joe Biden wird als nächster Präsident der Vereinigten Staaten ins Weiße Haus einziehen - so die Prognosen, auch in den für die Wahl entscheidenden Swing States. Doch der Amtsinhaber zeigt sich siegessicher. Eine Kategorie von Wähler:innen könnte Donald Trump womöglich doch noch den Sieg bescheren.

Die US-Präsidentschaftswahl könnte sich durch „versteckte“ Trump-Wähler:innen entscheiden

US-Wahl 2020: Können „versteckte Wähler:innen“ Donald Trump zum Sieg verhelfen?

Der Sieg von Donald Trump bei der US-Wahl 2016 sorgte bei vielen Amerikaner:innen für einen Schock. Die Umfragen lagen größtenteils zugunsten der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton. Auch ihr Wahlkampfteam war sich des Sieges sicher. Wie akkurat die gängigen Umfragen dieses Jahr sind, wird ausgiebig diskutiert. Manch ein Experte spricht nach 2016 von einem „Weckruf“ für die Unternehmen der Meinungsforschung. Einer von ihnen ist Robert Cahaly. Er ist der Meinung, dass Trumps Unterstützung in diesem Jahr erneut unterschätzt wird. Vor vier Jahren sagte er seinen Sieg voraus. Die meisten Umfragen hätten sogenannten „versteckte Wähler:innen“ nicht genügend Beachtung geschenkt oder gänzlich ignoriert.

„Wird Joe Biden die meisten Wählerstimmen erhalten? Wahrscheinlich“, sagte Cahaly von der „Trafalgar Group“ gegenüber der Nachrichtenseite Politico. Er glaubt jedoch, dass Donald Trump die meisten Wahlleute erhalten wird. In den Umfragen würden die Leute zögern, zuzugeben, für Trump zu stimmen. In den entscheidenden Staaten könne das deutlich mehr Stimmen bedeuten als die Umfragen prognostizieren. Die Befragten würden in einem Land leben, in dem man jede erdenkliche Person anlügt, behauptet Cahaly. Wieso also nicht auch in einer Umfrage am Telefon? Er will den Effekt der „sozialen Erwünschtheit“ in Umfragen vermeiden, also Anonymität garantieren.

US-Wahl 2020: Uneinigkeit über „versteckte Wähler:innen“ für Donald Trump

Die Wählerschaft von Donald Trump versteckt ihre Gesinnung im Vergleich zu moderateren Kandidat:innen eher. Das fand auch eine Studie des Umfrage- und Forschungsunternehmens „CloudResearch“, die eine bestimmte Kategorie als „schüchterne Wähler:innen“ („shy voters“) bezeichnet. Statistisch gesehen würden 10,1 Prozent der Unterstützer:innen Trumps bei einer Telefonumfrage über ihre Intention lügen, im Vergleich zu 5,1 Prozent der Wählerschaft Bidens.

Einer der genannten Gründe für die Falschaussagen waren Sorgen, dass es gefährlich sei, eine Meinung abseits des liberalen Mainstreams zu haben. Dass Trump-Fans öffentlich als „Bösewicht:innen“ deklariert wurden, machte einen signifikanten Teil seiner Wählerschaft vor der US-Wahl 2016 „unsichtbar“, erklärt die Nachrichtenseite „The Hill“. Ein Fehler, der der Demokratischen Partei und ihren Unterstützer:innen erneut unterlaufen könnte. In den Swing States könnten die „versteckten Wähler:innen“ den Ausgang der US-Wahl entscheiden. Denn 2016 gewann Donald Trump in Michigan mit gerade einmal 10.704 Stimmen Vorsprung.

US-Wahl 2020: Viele Wähler:innen von Donald Trump behalten ihre Meinung für sich

Ob die „versteckten Wähler:innen“ einen großen Einfluss auf die US-Wahl haben, ist umstritten. Die Statistik- und Nachrichtenseite „FiveThiryEight“ meldet, dass es nur wenig Belege für die Theorie des „Shy Voters“ gebe. Wenn es sie, sowie die Tendenz der „sozialen Erwünschtheit“ geben sollte, müsste Trump online mehr Unterstützer haben als am Telefon, da man im Internet völlig anonym sein kann, so Wahlanalyst Geoffrey Skelley. Eine Analyse von „Morning Consult“ zeigt, dass sich das Verhältnis zwischen Online- und Telefonumfragen bei Trump-Wähler:innen kaum unterscheidet. Einen „Shy-Voter“-Effekt habe es zwar gegeben, allerdings im Jahr 2015, noch bevor Donald Trump erstmals als Präsidentschaftskandidat feststand.

Wie viele „versteckte Wähler:innen“ von Donald Trump es gibt und ob den Umfragen in diesem Jahr zu trauen war, wird sich am 3. November zeigen. Bereits jetzt haben in den USA 76 Millionen Menschen ihre Stimme abgegeben. (Lukas Rogalla)

Rubriklistenbild: © SCOTT OLSON/AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare