Nach US-Wahl 2020

Donald Trump vermutet Komplott beim Impfstoff: „Keinen Mut vor der Wahl gehabt“

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Biontech und Pfizer verkünden einen Fortschritt in Sachen Corona-Impfstoff. Donald Trump sieht in der Meldung kurz nach der US-Wahl ein politisches Vorhaben gegen ihn.

Washington D.C. - Diese Woche war für Donald Trump gleich doppelt bitter. Wenige Tage nach Bekanntwerden seiner Niederlage in der US-Wahl gibt es Nachrichten von den Unternehmen Biontech und Pfizer, die einen Fortschritt in der Entwicklung eines möglichen Corona-Impfstoffs melden. Trump wittert eine Verschwörung.

Donald Trump ahnt bei den Nachrichten zu einem möglichen Corona-Impfstoff einen politischen Hinterhalt.

Durchbruch bei möglichem Corona-Impfstoff nach US-Wahl 2020: Donald Trump wütend

Wie Biontech und das Partnerunternehmen Pfizer am Montag (9.11.2020) bekanntgaben, ist ihr Impfstoff gegen das Coronavirus zu mehr als 90 Prozent wirksam. In den USA wollen sie eine Notfallzulassung bei der Arzneimittelbehörde FDA beantragen, frühestens ab nächster Woche.

Donald Trump unterstellt den Unternehmen und der FDA deshalb politisch motiviertes Handeln. „Wie ich schon lange sagte, würden Pfizer und die anderen erst nach der Wahl einen Impfstoff verkünden, weil sie nicht den Mut hatten, es davor zu tun“, schrieb der US-Präsident auf Twitter. „Auch die FDA hätte es eher bekannt geben sollen, nicht für politische Zwecke, sondern um Leben zu retten!“

Minuten später legte Trump nach: „Die FDA und Demokraten wollten nicht, dass ich einen Impfstoff-SIEG einfahre, vor der Wahl, also kam es stattdessen fünf Tage später - wie ich die ganze Zeit sagte!“ Zugleich griff er Joe Biden an. Wenn er US-Präsident wäre, würde es in den nächsten vier Jahren überhaupt keinen Impfstoff geben, so Trump. „Die Bürokratie hätte Millionen von Leben zerstört!“

Möglicher Corona-Impfstoff kurz nach der US-Wahl 2020: Donald Trump greift Unternehmen an

Erst am Samstag hatten Medien verkündet, dass Joe Biden die US-Wahl gewonnen hat. Im Wahlkampf hatte Trump wiederholt versprochen, dass es Anfang November einen Impfstoff geben werde - kurz bevor Millionen an die Wahlurnen treten. Der Sohn des US-Präsidenten, Donald Trump Jr., glaubt ebenfalls, dass der Zeitpunkt der Nachricht über den Corona-Impfstoff seinem Vater schade und meldete sich auf Twitter zu Wort. „Das Timing ist wirklich unglaublich“, reagierte er sarkastisch auf die Meldung. „Überhaupt nichts schändlich über das Timing, richtig?“ Joe Biden zeigte sich über die Nachricht hingegen erfreut: „Ich gratuliere den brillanten Frauen und Männern, die geholfen haben, diesen Durchbruch zu erzeugen und uns einen Grund zur Hoffnung geben“, hieß es in einer Stellungnahme.

Das Unternehmen Pfizer hat bereits mitgeteilt, dass die Trump-Regierung mit der „Operation Warpgeschwindigkeit“ nicht in der Entwicklung des Impfstoffs involviert war, nachdem Vize-Präsident Mike Pence den Erfolg bereits für das Weiße Haus beanspruchte. Die finanziellen Mittel stammen aus Deutschland, wie die Nachrichtenseite „Bloomberg“ berichtet.

Corona-Impfstoff: Donald Trump wirft Pfizer und der FDA politisch motiviertes Handeln vor

Den Impfstoff hatte Donald Trump im Wahlkampf dringend nötig. Daten der Johns Hopkins University zufolge haben sich in den USA mehr als 10 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Rund 235.000 Menschen sind an den Folgen von Covid-19 gestorben. Die grassierende Corona-Pandemie hat maßgeblich zu seiner Niederlage in der US-Wahl beigetragen.

Zwar behauptet Trump, alles richtig gemacht und Millionen von Menschenleben gerettet zu haben, Wissenschaftler:innen zeigen sich über sein Handeln in der Corona-Pandemie jedoch weitestgehend entsetzt. So habe er, Mitschnitten des Journalisten Bob Woodward nach, von der Gefahr des Virus gewusst, sie vor dem Volk allerdings heruntergespielt. (Lukas Rogalla)

Rubriklistenbild: © Evan Vucci/AP/dpa

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