Abtreibungsgegner

US-Wahl 2020: Evangelikale beten für einen Sieg von Donald Trump – „Dämonische Verschwörung“ im Gang

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Weil sich in der US-Wahl seine Niederlage abzeichnet, beten Evangelikale für einen Sieg des US-Präsidenten. Hinter der religiösen Bewegung steckt eine riesige Wählerschaft.

Washington - Donald Trump und das Christentum passen eigentlich nicht ganz zusammen. Doch Umfragen der Statistikseite „FiveThirtyEight“ zeigen, dass 78 Prozent der evangelikalen Protestant:innen den US-Präsidenten unterstützen. Mit vollem Einsatz betet die überwältigende Mehrheit der Bibeltreuen für die Wiederwahl Trumps - ein Mann, der Geld mit Casinos verdiente, zweifach geschieden ist und in einer Affäre mit einer Pornodarstellerin verwickelt war.

„Evangelikale für Trump“ hoffen auf eine Wiederwahl des US-Präsidenten (Florida, Januar 2020).

US-Wahl 2020: Evangelikale beten für die Wiederwahl von Donald Trump

Im Clark County in Nevada werden die Stimmen der US-Wahl noch gezählt. Donald Trump liegt dort nach derzeitigem Stand (7.11.2020) hinten - die Abwahl wird immer wahrscheinlicher. Ein Video zeigt, wie junge Leute vor der Wahlbehörde beten - offenbar damit „Gerechtigkeit eintritt“, wie sie der Journalistin Alyssa Estrada von „CBS News“ mitteilen. Zwei von Ihnen tragen eine rote Kappe - das Markenzeichen von Donald Trump und seiner Kampagne.

Rund ein Viertel der US-Wählerschaft bezeichnet sich als evangelikal - eine wichtige politische Zielgruppe. Die religiöse Strömung steht vor allem für ein traditionelles Familienbild, die Ablehnung der Homo-Ehe und ein klares Verbot der Abtreibung. Allen moralischen Unterschieden zum Trotz kann Donald Trump bei ihnen punkten. Im Januar nahm der Präsident am „March for Life“ in Washington teil, einem jährlich stattfindenden Protest von Abtreibungsgegner:innen. Auch seine Nominierung der streng konservativen Amy Coney Barrett als Richterin für den Supreme Court nahmen die Evangelikalen positiv auf. Mit der Christin am obersten Gerichtshof könnte das Recht auf Selbstbestimmung bei Abtreibungen gekippt werden.

US-Wahl 2020: Evangelikale Abtreibungsgegner unterstützen Donald Trump

Dass Donald Trump sein Amt möglicherweise verliert, lässt die christlichen Fundamentalist:innen verzweifeln. Eine evangelikale Pastorin steht dem US-Präsidenten sehr nahe. Paula White, die Trump als persönliche Priesterin und „spirituelle Beraterin“ dient, leitet eine „Mega-Kirche“ in Florida. Nachdem sie bei seiner Amtseinführung 2017 bereits eine Rede gehalten hat, sorgt sie kurz nach der Wahl erneut für Aufsehen. In einem Stoßgebet spricht sie von „dämonischen Verschwörungen“, die die US-Wahl stehlen und Engeln, die aus Afrika und Südamerika entsendet werden, um Trump noch zu retten. Wiederholt sagt White, dass sie den „Klang des Sieges“ höre.

Auch ein Priester der Calvary Chapel Chino Hills in Kalifornien kann nicht fassen, dass Donald Trump die US-Wahl verlieren könnte. Bei einer Predigt bricht er in Tränen aus: „Gott, du bist ‚pro-Life‘ (pro-Leben: Abtreibungsgegner:innen), und ein Mann (Joe Biden) ist es nicht. [...] Ein Mann ist für Israel, ein Mann ist es nicht. [...] Ein Mann ist für unser Militär und unsere Polizei, der andere nicht“, betet der Priester schluchzend. „Jesus, vergib uns als Volk. Wir haben geschlafen, wenn wir hätten wach sein sollen. Wir haben gespielt, wenn wir hätten beten sollen.“ Weiter bittet der Pastor Gott darum, Joe Biden und seine Vize-Kandidatin Kamala Harris zu „erlösen“. US-Außenminister Mike Pompeo sei hingegen einer der „kostbarsten“ Menschen überhaupt. Auch für den „wundervollen“, streng-religiösen, Vize-Präsidenten Mike Pence hat er nur gute Worte übrig.

US-Wahl 2020: Evangelikale verlieren wegen möglicher Niederlage von Donald Trump die Fassung

Donald Trump selber hat mit Religion allerdings wenig am Hut. Der skandalträchtige US-Präsident ist nicht wirklich das, was man sich unter einem frommen Christen vorstellt. „Die Beziehung zwischen Trump und weißen Evangelikalen kann man nicht moralisch oder religiös bezeichnen“, erklärt der Politologe Christian Lammert dem „Spiegel“. „Das ist einfach eine politische Interessengemeinschaft.“ Trump setzt sich für ihre Ziele ein und erhält im Gegensatz die Unterstützung - eine Art moralischer Freibrief. Dass Trumps „Wundermittel“ gegen Covid-19 etwa mit Zellen eines abgetriebenen Fötus entwickelt wurde, nimmt bei den Evangelikalen auch keiner so genau. Die Pro-Life-Fraktion schweigt. (Lukas Rogalla)

Rubriklistenbild: © JIM WATSON/AFP

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