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Kelly Knight Craft war bislang nur als US-Botschafterin in Kanada im Einsatz.

USA

UN-Botschafterin von Trumps Gnaden

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Kelly Knight Craft vertritt die USA künftig als Botschafterin vor den UN - ohne viel Erfahrung.

Ob sie den Klimawandel für real halte, wurde Kelly Knight Craft kurz nach ihrem Amtsantritt als US-Botschafterin in Kanada im Oktober 2017 gefragt. Die frischgebackene Diplomatin wand sich. „Ich glaube, es gibt Wissenschaftler auf beiden Seiten, die richtig liegen.“ Der Reporter hakte nach. „Ich glaube, beide Seiten haben eigene Ergebnisse aus ihren Untersuchungen. Und ich respektiere beide Seiten“, antwortete Craft. Künftig wird Craft die USA bei den Vereinten Nationen vertreten, also jener Organisation, die sich in einer Rahmenkonvention vor 25 Jahren der Bekämpfung der Erderwärmung verschrieben hat. Das stört Präsident Donald Trump nicht. Im Gegenteil – schließlich hat er das Pariser Klimaschutzabkommen aufgekündigt. „Kelly hat (in Kanada) einen großartigen Job gemacht“, twitterte Trump am Wochenende: „Ich bin sicher, dass sie unser Land auf höchstem Niveau vertreten wird.“ 

Trumps Anerkennung für die neue UN-Botschafterin speist sich wahrscheinlich nicht nur aus deren Arbeit. Die ehemalige Unternehmensberaterin ist in dritter Ehe mit Joe Craft verheiratet, dem drittgrößten Kohleproduzenten im östlichen Amerika. Der Mann ist Milliardär, was ihm gemeinsam mit seiner Frau ermöglichte, rund zwei Millionen Dollar für Trumps Wahlkampf und seine Amtseinführung zu spenden. Den früheren Chef der Umweltbehörde EPA, Scott Pruitt, lud Joe Craft schon mal in seine private Basketballloge ein. Und zu Mitch McConnell, dem republikanischen Mehrheitsführer im Senat, unterhält er beste Kontakte. Beide stammen aus dem Kohlestaat Kentucky. McConnell soll sich bei Trump für Kelly Knight Craft stark gemacht waren. Die erste Wahl des Präsidenten ist die 57-Jährige nämlich nicht. Erst hatte er Nikki Haley nach New York geschickt. Doch die angesehene Diplomatin erklärte im vorigen Oktober überraschend ihren Rücktritt. 

Dann nominierte Trump die bisherige Sprecherin des State Departments, Heather Nauert. Doch die sagte vor einer Woche plötzlich aus familiären Gründen ab. Tatsächlich dürfte das laut Medienberichten illegal beschäftigte Kindermädchen den Ausschlag für den Sinneswandel gegeben haben. An der Nachfolge hatte offenbar auch Richard Grenell, der umstrittene US-Botschafter in Berlin, Interesse. Laut „New York Times“ hielt er sich in der vorigen Woche im Weißen Haus auf. Ex-Sprecher Sean Spicer soll für ihn als UN-Botschafter geworben haben. Doch Trump entschied sich für Craft. 

Dass die Frau anders als ihre Vorgänger keine lange Karriere im diplomatischen Dienst vorweisen kann, ist in Zeiten von Trump kein Problem. Der Präsident hält ohnehin wenig von internationalen Organisationen. Bislang genoss der amerikanische UN-Botschafter den prestigeträchtigen Rang eines Kabinettsmitglieds. In US-Medien wird erwartet, dass Craft in der Hierarchie herabgestuft wird.

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