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Frauen protestieren in Texas gegen das neue Abtreibungsgesetz in dem US-Bundesstaat. „Mein Körper - meine Entscheidung“ steht auf einem Plakat.
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Frauen protestieren in Texas gegen das neue Abtreibungsgesetz. (Symbolbild)

USA

Abtreibungsgesetz in den USA: Tiktoker schreibt Code gegen Abtreibungsspitzelei in Texas

  • VonNadja Austel
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Texas greift massiv in das Recht zur Abtreibung ein – über Social Media folgen jetzt Sabotage-Versuche in großem Stil.

Austin – In den sozialen Medien ist am Mittwochabend (01.09.2021) eine virale Bewegung ins Rollen gekommen. Zahlreiche Nutzer:innen riefen zur gezielten Sabotage einer Webseite der Regierung aus Texas auf, die Bürger:innen zur Denunziation von Abtreibungsbefürwortern animiert.

Im US-Bundesstaat Texas trat am Mittwoch ein neues, verschärftes Gesetz zum Verbot von Abtreibungen in Kraft, das Schwangerschaftsabbrüche nahezu unmöglich macht. Das Gesetz im zweitgrößten Bundesstaat der USA beschränkt den Zeitraum, in dem eine Abtreibung gesetzlich erlaubt ist, auf die ersten sechs Schwangerschaftswochen. In diesem Zeitraum wissen die Frauen meist selbst noch nichts von ihrer Schwangerschaft.

Texas steht nicht für alle US-Staaten: Joe Biden ist gegen das Gesetz

In einer Stellungnahme der Regierung machte Präsident Joe Biden bereits klar, dass seine Regierung gegen das seines Erachtens verfassungswidrige Gesetz vorgehen werde. Einen Eilantrag, um das Gesetz vor dem Inkrafttreten zu stoppen, lehnte der Supreme Court zunächst ab. Einspruch gegen das Gesetz und die Prüfung der Verfassungsmäßigkeit an sich sei jedoch nach wie vor möglich und ist zu erwarten. Auch die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, verteidigte die Regierung in einer Pressekonferenz mit klaren Worten.

Zusätzlich zu dem enorm restriktiven Gesetz wurde den Bürger:innen eine Online-Plattform zur Verfügung gestellt, bei der sie anonym Hinweise auf mögliche Verstöße gegen das Abtreibungsverbot übermitteln können. In den sozialen Medien wurde dies heftig kritisiert und von Kopfgeldjagd und Förderung des Denunziantentums gesprochen.

USA: Social Media-Bewegung gegen Abtreibungsgesetz Texas

Einige findige User:innen des Social Media-Kanals TikTok riefen daraufhin zu gezieltem Überlasten der Online-Meldeplattform auf: Die Felder des Formulars müssten lediglich mit erfundenen Daten und unsinnigen Texten befüllt werden. Wenn genügend Menschen dies tun, kommt es zur Überlastung des Systems und die Webseite ist nicht mehr verfügbar.

@black_madness21

Reply to @black_madness21 ##texas ##abortion ##gregabbott

♬ original sound - Sean Black

Daraufhin meldete sich ein weiterer Tiktoker, der sich Sean Black nennt, mit einer noch effizienteren Methode: „Was wäre, wenn jemand, der Ahnung von Technik hat (und gut aussieht), einen Bot erstellen würde, der automatisch Requests an die Webseite schicken würde?“ Die Aufrufe, oder Requests, wie der technische Begriff auf Englisch lautet, erfüllen den gleichen Zweck, nur ohne manuelle Arbeit durch einzelne Personen. 

„Ach warte“, sagt er weiter und zeigt seinen Bildschirm mit einem Programmiercode, „ich hab das schon gemacht.“ Der Code sei zwar nicht so effizient, wie er sein könnte, so der Tiktoker weiter, er könne nur alle 10 bis 15 Sekunden einen Request senden. Aber er plane, das Programm über Nacht laufen zu lassen, um das Ziel zu erreichen.

Abtreibungsverbot in Texas – Tiktoker gibt sich nicht geschlagen

Am Morgen meldete er sich mit einem Update an seine Zuschauer: Leider habe die Webseite seine Zugriffe gesperrt, sodass er keine Möglichkeit mehr hat, selbst die Aufrufe zu senden. Doch auch hierfür fand er schnell eine Lösung: Er schrieb kurzerhand ein weiteres Programm, einen sogenannten Shortcut, den er zum Download bereitstellte. „Ihr fragt euch vielleicht, was macht der Shortcut? Er wählt eine zufällige Postleitzahl aus Texas, befüllt auch die restlichen Pflichtfelder und sendet das Formular automatisch ab.“

Laut der Internetplattform Vice sagte Black: „Weil der Shortcut realistische Informationen verwendet, wird es für sie noch schwieriger, ihre Daten zu analysieren.“ Das Sabotage-Tool funktioniert für das Betriebssystem iOS. Jede Person mit einem iPhone hat daher Zugriff darauf. Black stellt seine Software über einen Link in seiner TikTok-Biografie zur Verfügung (@black_madness21). 

Um die Software herunterzuladen, müssen gegebenenfalls die Sicherheitseinstellungen des Geräts angepasst werden. Danach besucht man lediglich die texanische Webseite und wählt den Shortcut an, der daraufhin alle Felder befüllt. Ein Captcha müsse teilweise ausgefüllt werden, doch sobald das geschehen sei, funktioniere der Shortcut wie gehabt. Doch auch an einer Lösung hierfür arbeite Black laut Vice bereits. Bisher hätten 9.000 Nutzer den Shortcut angeklickt. (Nadja Austel)

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