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Ehefrau von Supreme-Court-Richter Clarence Thomas wollte Joe Bidens Wahlsieg verhindern

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Von: Johanna Soll

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Ihr Mann Clarence (l.) diskutiere seine Arbeit nicht mit ihr, behauptet Virginia Thomas (Archivbild).
Ihr Mann Clarence (l.) diskutiere seine Arbeit nicht mit ihr, behauptet Virginia Thomas (Archivbild). © Getty Images via AFP

Die rechte Aktivistin Ginni Thomas ist mit dem rechten Verfassungsrichter Clarence Thomas verheiratet. Nach der US-Wahl 2020 versuchte sie, Einfluss auf den Wahlausgang zu nehmen.

Washington, D.C. – Virginia „Ginni“ Thomas ist die Ehefrau von Clarence Thomas, einem politisch äußerst rechtsgerichteten Richter am Supreme Court, dem Obersten Gerichtshof der USA. Normalerweise ist es irrelevant, was die Ehefrau eines Richters tut, doch bei Ginni Thomas ist es anders: Die rechte Aktivistin und Anhängerin von Ex-US-Präsident Donald Trump unternahm den Versuch, nach der Präsidentschaftswahl 2020 den Wahlsieg von Joe Biden irgendwie zu verhindern.

Dazu versuchte Ginni Thomas in den besonders umkämpften US-Bundesstaaten, den „Battleground States“ Arizona und Wisconsin, auf Politiker:innen per E-Mail Einfluss zu nehmen. Dies berichtet die Washington Post. Die US-Zeitung hatte bereits aufgedeckt, dass die Richtergattin an 29 Lokalpolitiker:innen in Arizona E-Mails im November und Dezember 2020 versendet hatte – an manche von ihnen gleich zweimal.

Ginni Thomas schickte zahlreiche E-Mails an Politiker:innen in Arizona und Wisconsin

Sie forderte sie auf, Joe Bidens Stimmenmehrheit aufzuheben und statt der demokratischen deren eigene – republikanische – Wahlleute „auszuwählen“, die dann im Wahlleutegremium den Präsidenten wählen. Ginni Thomas wollte, dass sich die Volksvertreter:innen über den Willen des Volkes und das Wahlgesetz in Arizona hinwegsetzen.

Neue E-Mails zeigen nun, dass Ginni Thomas auch zwei republikanische Politiker:innen im Landesparlament von Wisconsin anschrieb: Kathy Bernier, Senatorin im Landessenat und den Landesabgeordneten Gary Tauchen. Beide erhielten die entsprechenden E-Mails fast zeitgleich wie die Politiker:innen in Arizona. Ginni Thomas nutzte für den E-Mail-Versandt eine Online-Plattform, mit der vorgefertigte E-Mails zeitgleich an mehrere Amtsträger:innen versendet werden können.

„Bitte halten Sie dem Druck der Medien und der Politik stand“, heißt es in den E-Mails, die sie verschickte, nachdem Joe Biden als Wahlsieger verkündet wurde. „Bitte denken Sie über die weitreichende Befugnis nach, die Ihnen unsere Verfassung gewährt. Und dann ergreifen Sie bitte Maßnahmen, um sicherzustellen, dass eine saubere Liste von Wahlleuten für unseren Bundesstaat ausgewählt wird.“

Clarence Thomas über seine Ehefrau Ginni Thomas: „Beste Freundin“

Der politische Aktivismus von Ginni Thomas ist für die Ehefrau eines Richters am Supreme Court äußerst ungewöhnlich und wirft seit Jahren Fragen zu potenziellen Interessenkonflikten für ihren Ehemann auf. Sie teilte mit, dass die beiden Berufs- und Privatleben trennen. Die Glaubwürdigkeit dieser Behauptung ist allerdings zweifelhaft. Ginni – ebenfalls Juristin – und Clarence Thomas sind seit 1987 verheiratet und ein Ehepaar, das sich sehr nahesteht. In seinen Memoiren schrieb Clarence Thomas, dass sie „ein Wesen – ein Amalgam“ seien und nannte sie seine „beste Freundin“. Sie spricht in ähnlichen Worten vom ihrem Ehemann.

Die öffentliche Empörung nahm zu, als bekannt wurde, dass Ginni Thomas vom parlamentarischen Untersuchungsausschusses des US-Kongresses zum Angriff auf das Kapitol am 6. Januar 2021 vorgeladen worden war, weil sie John Eastman, einem ehemaligen Rechtsanwalt und mutmaßlichen Mitverschwörer von Donald Trump, per E-Mail in Kontakt stand. Berichten zufolge zeigten die E-Mails, dass ihre Bemühungen, das Wahlergebnis zu kippen, größer waren als bisher bekannt. John Eastman war seinerzeit als Referendar für ihren Ehemann tätig.

Ginni Thomas hält es nicht für nötig, vor dem Kongress auszusagen

Ginni Thomas stand auch, wie die Washington Post und CBS News berichteten, nach der US-Wahl 2020 per Textnachricht mit Mark Meadows, dem ehemaligen Stabschef Donald Trumps in Kontakt. Sie forderte Meadows wiederholt auf, weiter dafür zu kämpfen, die Wahlergebnisse zu revidieren. Nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 brachte sie gegenüber Mark Meadows ihre Wut auf den damaligen Vizepräsidenten Mike Pence zum Ausdruck, der sich geweigert hatte, Donald Trump illegal im Amt zu halten. „Wir erleben, was sich wie das Ende Amerikas anfühlt“, schrieb Thomas vier Tage später an Meadows.

Bisher hat Ginni Thomas nicht vor dem Untersuchungsausschuss ausgesagt. Ihr Anwalt teilte dem Ausschuss schriftlich mit, es gebe keine „ausreichende Grundlage“ für ihre Aussage.

Wegen der Kontakte und Aktivitäten seiner Ehefrau, forderten Politiker:innen der Demokraten, Clarence Thomas solle sich in allen Fällen im Zusammenhang mit der Wahl 2020 für befangen erklären und nicht mit seinen acht Kolleg:innen abstimmen. Clarence Thomas hat keine Anzeichen dafür gezeigt, dieser Forderung nachzukommen.

Clarence Thomas stimmte als einziger am Supreme Court für Donald Trumps Antrag

Alle acht Verfassungsrichter:innen lehnten den Antrag Donald Trumps ab, Ermittler:innen des Kongresses daran zu hindern, Zugang zu Aufzeichnungen des Weißen Hauses zu erhalten, die Aufschluss über die Ereignisse vom 6. Januar 2021 geben könnten. Thomas war der einzige Richter, der anderer Meinung war und sich auf die Seite von Trump stellte.

In diesem Jahr lehnten acht Richter:innen des Obersten Gerichtshofs Trumps Antrag ab, Ermittler des Kongresses daran zu hindern, Zugang zu Aufzeichnungen des Weißen Hauses zu erhalten, die Aufschluss über die Ereignisse vom 6. Januar 2021 geben könnten. Clarence Thomas vertrat als Einziger eine abweichende Meinung und stellte sich auf die Seite von Donald Trump. (Johanna Soll)

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