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Abtreibungsverbote beschränken Zugang zu wichtigen Medikamenten

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Von: Johanna Soll

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Methotrexat kann bei rheumatisch bedingten Schmerzen helfen – und eine Eileiterschwangerschaft beenden
Methotrexat kann bei rheumatisch bedingten Schmerzen helfen – und eine Eileiterschwangerschaft beenden. © Thorsten Gutschalk/Imago

Seit dem Anti-Abtreibungsurteil des Supreme Courts haben Frauen Probleme, an Medikamente zu kommen, wenn diese auch für Abtreibungen eingesetzt werden können.

Washington, D.C. – Das Urteil des Supreme Courts, des Obersten Gerichtshofs der USA, mit dem das Grundsatzurteil zum Abtreibungsrecht Roe v. Wade von 1973 aufgehoben wurde, hat weitreichende Konsequenzen. Es sorgt nicht nur dafür, dass es nun den einzelnen US-Bundesstaaten offensteht, das Recht auf Abtreibung bis zum Komplettverbot einzuschränken. Für Patientinnen kann der Zugang zu bestimmten Medikamenten, die auch bei Schwangerschaftsabbrüchen zum Einsatz kommen können, erheblich erschwert sein.

Die Abtreibungsverbote in Bundesstaaten, in denen die Republikaner die Parlamente dominieren, haben einen Nebeneffekt: Viele Apotheken sowie Ärztinnen und Ärzte sind gezwungen, Patientinnen den Zugang zu wichtigen Medikamenten zu erschweren oder zu verweigern, wenn diese eine Abtreibung herbeiführen können. Eines dieser Medikamente ist Methotrexat. Bei rheumatischer Arthritis eingesetzt, hilft es, Schmerzen und Schwellungen der Gelenke zu lindern, damit Erkrankte ihren Alltag bestreiten können. Seit 60 Jahren werden fast 60 Prozent der Menschen, die unter dieser Erkrankung leiden, mit Methotrexat behandelt.

Methotrexat ist vielseitig einsetzbar

Rund fünf Millionen Menschen in den USA nutzen das preisgünstige Medikament neben der Behandlung von rheumatischer Arthritis auch zur Behandlung von anderen Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn, Lupus und Schuppenflechte. Weil es bestimmte Zellfunktionen hemmt, wird Methotrexat außerdem zur Behandlung einer Vielzahl von Krebsarten eingesetzt, darunter Leukämie, Brust-, Lungen- und Lymphdrüsenkrebs.

Methotrexat wird in Kombination mit anderen Medikamenten allerdings auch bei der Behandlung von Eileiterschwangerschaften eingesetzt, bei denen sich eine befruchtete Eizelle außerhalb der Gebärmutter in einem Eileiter eingenistet hat. Stirbt der Embryo – der bei einer Eileiterschwangerschaft ohnehin nicht lebensfähig ist – nicht von selbst ab, kann dies für die betroffene Frau tödlich enden. Die einzige Behandlungsmöglichkeit ist ein Schwangerschaftsabbruch.

Aufgrund der vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von Methotrexat stuft die Weltgesundheitsorganisation, das Medikament als „essenzielle Medizin“ ein. Doch das Anti-Abtreibungsurteil des Supreme Courts hat den Zugang dazu eingeschränkt – selbst für Patientinnen, die nicht schwanger sind und das Medikament zur Behandlung anderer Erkrankungen benötigen. Zahlreiche Gesundheitsorganisationen haben Berichte bestätigt, dass Methotrexat Frauen in den USA verweigert wurde, seit das bundesweite Recht auf Abtreibung abgeschafft wurde.

Ärztinnen und Ärzten sowie Apothekenpersonal fürchten Strafverfolgung

Es gibt Berichte von Ärztinnen und Ärzten, dass sich seitdem einige Apotheken weigern, Methotrexat und bestimmte andere wichtige Medikamente zu führen. Und einige Mediziner:innen weigern sich, diese Medikamente Patientinnen zu verschreiben, die schwanger werden könnten, weil sie fürchten, strafrechtlich belangt zu werden.

Patientinnen, die Methotrexat einnehmen, müssen in entsprechenden Bundesstaaten jeden Monat aufs Neue ihren Ärztinnen und Ärzten sowie Apothekenpersonal versichern, dass sie nicht schwanger sind oder vorhaben, schwanger zu werden. Neben der Verletzung ihrer Intimsphäre droht ihnen außerdem, dass die Abgabe von Methotrexat und anderen Medikamente, die eine Schwangerschaft beenden könnten, künftig vollständig verweigert wird. (Johanna Soll)

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