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US-Abtreibungsurteil: Michelle Obama warnt vor Todesfällen

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Von: Delia Friess

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Weltweit reagierten zahlreiche prominente Frauen und Männer auf das Urteil zu Abtreibungen des Obersten Gerichtshofes der USA.

Washington, D.C - Mit der am Freitag (24. Juni) verkündeten Entscheidung des Obersten Gerichts in Washington wurde das liberale Abtreibungsrecht in den USA gekippt. Damit ebnet der Supreme Court den Weg, die Entscheidung über Abtreibungsrechte oder Verbote zurück an die einzelnen US-Bundesstaaten zu geben. Klagen von betroffenen Frauen auf das Recht auf Abtreibung können damit auch leichter abgewiesen werden. Prominente Frauen äußerten sich zu dem Urteil in den USA und reagierten teilweise erschüttert.

Michelle Obama: Statement gegen Abtreibungsurteil in den USA auf Twitter

Michelle Obama, Anwältin, Mutter von zwei Töchtern, ehemalige First Lady der USA und Ehefrau des ehemaligen Präsidenten Barack Obama, äußerte sich bei Twitter. Die US-Sängerin Taylor Swift teilte den Tweet und schrieb: „Nach so vielen Jahrzehnten, in denen Menschen für das Recht von Frauen, über ihren Körper zu bestimmen, gekämpft haben, hat uns diese Entscheidung das wieder weggenommen.“

Supreme Court-Entscheidung zu Abtreibungen: „Düsterer Tag für die Frauen in den USA“

„Heute ist ein wirklich, wirklich düsterer Tag für die Frauen in den USA. Ich sage das nur, weil ich es nicht länger ertragen kann, darüber nachzudenken“, schrieb die Sängerin Billie Eilish auf einem Konzert in Schottland. Auch andere Stars der Popkultur in den USA wie Sängerin Mariah Carey und das Model Hailey Bieber äußerten sich schockiert.

Der ehemalige Präsident Donald Trump jedoch jubelte, dass „Gott entschieden“ habe. Auch der Papst begrüßte das Urteil. Trump und sein Vize Mike Pence wurden im Wahlkampf von den Evangelikalen in den USA unterstützt. Trump nominierte in seiner Amtszeit drei Richter:innen, die alle gegen das Grundsatzurteil „Roe vs. Wade“ von 1973 stimmten. Letztlich stand es 6:3. Zu den von Trump nominierten und vom Senat ernannten Richter:innen auf Lebenszeit zählt auch Brett Kavanaugh, dem sexueller Missbrauch vorgeworfen wird.

Die Demokratin und Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sprach von einem „Schlag ins Gesicht für Frauen“. Sie warnte: Das Urteil sei erst der Anfang, die Republikaner würden ein landesweites Abtreibungsverbot planen. In einigen republikanisch regierten Staaten wie beispielsweise Oklahoma wurden bereits striktere Abtreibungsgesetze beschlossen. Den Demokraten wird jedoch auch vorgeworfen, gleichzeitig Abtreibungsgegner zu unterstützen.

Frauen in den USA demonstrieren gegen die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, das Recht auf Abtreibung einzuschränken.
Frauen in den USA demonstrieren gegen die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, das Recht auf Abtreibung einzuschränken. © MATHIEU LEWIS-ROLLAND / afp

Vereinte Nationen: Abtreibungen finden statt - Illegalität macht sie nur tödlicher

Laut den Vereinten Nationen finden Abtreibungen statt, ob sie nun legal sind oder nicht. Daten zeigten, dass die Einschränkung des Zugangs zur Abtreibung Frauen nicht davon abhält, eine Abtreibung vorzunehmen, sondern sie lediglich tödlicher macht. Die UN befürchten, dass es weltweit zu mehr unsicheren Schwangerschaftsabbrüchen kommen wird, wenn der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen weiter eingeschränkt wird.

Entscheidungen, die die erzielten Fortschritte rückgängig machen, hätten weitreichende Auswirkungen auf die Rechte und Wahlmöglichkeiten von Frauen und Jugendlichen überall. Auch zahlreiche Männer zeigten sich besorgt über das Urteil in den USA, darunter Präsident Joe Biden, ebenfalls Katholik, Ex-Präsident Barack Obama, Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Tedros Adhanom Ghebreyesus, der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Letzterer sagte: „Es treibt nur Mädchen und Frauen dazu, unsichere Methoden zu wählen.“ Laut einer Umfrage des US-Marktforschungsinstituts Gallup stieg in den USA die Pro-Choice-Gruppe zuletzt sogar leicht an und machte die Mehrheit von 55 Prozent aus. Abtreibungsgegner machten hingegen nur 39 Prozent aus. (df)

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