1. Startseite
  2. Politik

Joe Biden auf Asien-Reise: Suche nach Verbündeten

Erstellt:

Von: Felix Lill

Kommentare

Wollen enger zusammenarbeiten: Südkoreas Präsident Yoon (links) und US-Präsident Biden. Foto: SAUL LOEB / AFP.
Wollen enger zusammenarbeiten: Südkoreas Präsident Yoon (links) und US-Präsident Biden. © AFP

US-Präsident Joe Biden wirbt in Ostasien für Kooperation – er will ein Signal gegen den Einfluss Chinas und Russlands in der Region setzen.

Seoul/Tokio – Auf seiner ersten Asienreise als US-amerikanischer Präsident ist Joe Biden auf großer Mission unterwegs. Inmitten des Ukraine-Kriegs und seit Jahren zunehmender Spannungen zwischen westlich orientierten Staaten auf der einen Seite und China oder Russland auf der anderen will er so viele Länder wie möglich strategisch an die USA und deren Partner binden – und damit de facto den regionalen Einfluss Russlands und Chinas, an deren Seite sich auch Nordkorea wähnt, reduzieren.

Nach der Ankunft in Seoul am Freitag (20. Mai) trifft der US-Präsident zunächst am Samstag mit dem erst seit einer guten Woche amtierenden südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk-yeol zusammen. Zu Beginn der Woche reist Biden dann nach Tokio, um den ebenfalls erst seit einigen Monaten regierenden japanischen Premierminister Fumio Kishida zu treffen. Dort findet zudem ein Treffen der Verteidigungsallianz „Quad“ statt, zu der neben Japan und den USA auch Indien und Australien zählen.

Joe Biden in Japan und Südkorea: Wirtschaftliche Strahlkraft

Der US-Präsident trifft in Asien also mit seinen wichtigsten strategischen Partnern der Region zusammen. Und bei den Gesprächen wird es um die beiden klassischen Themenbereiche US-amerikanischer Geopolitik gehen: Militär und Sicherheit, Handel und Wirtschaft. Südkoreas Präsident Yoon ist beides recht. Vor dem Hintergrund der zuletzt häufigeren Raketentests aus dem kommunistisch regierten Ein-Parteien-Staat Nordkorea hat der Konservative Yoon mit einer Aufstockung des südkoreanischen Militärs geworben. Dies dürften auch die USA begrüßen, die in Südkorea einen wichtigen Militärstützpunkt unterhalten.

Mehr regionale Strahlkraft dürfte allerdings die wirtschaftspolitische Dimension von Bidens Asienreise haben. In Seoul soll Biden an diesem Wochenende seine Vision eines transpazifischen Handelspakts präsentieren. Das „Indo-Pacific Economic Framework“ (Ipef) soll möglichst viele Staaten im indo-pazifischen Raum durch bevorzugte Behandlung in Handelsfragen verbinden. Biden betont hierbei die Bedeutung grüner Energien, Infrastrukturinvestitionen und das Versprechen solider Lieferketten.

Es ist ein offensichtliches Signal gegen den Einfluss Chinas und Russlands in der Region. Schließlich investiert auch China seit mehreren Jahren im Zuge seines Projekts der Neuen Seidenstraße in die Infrastruktur diverser Staaten, um damit bevorzugten Zugang zu Handelsrouten zu erhalten. Russland wiederum liefert militärische Ausrüstung in mehrere Staaten. Diese Verbindungen sind offenbar ein Grund, warum sich viele asiatische Staaten auch schwertun, den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu verurteilen.

Joe Biden steht in Südostasien noch Überzeugungsarbeit bevor

Als die Vereinten Nationen zuletzt über Sanktionen gegen Russland abstimmten, votierten auf dem asiatischen Kontinent ungefähr so viele für die Sanktionen wie es Enthaltungen und Gegenstimmen gab. Das Resultat zeigte einmal mehr, wie hin- und hergerissen viele Staaten Asiens sind, wenn die Großmächte der Welt in Konflikt geraten. Die zumeist kleineren Länder etwa Südostasiens hängen meist sowohl von westlich orientierten Staaten wie den USA, Japan und Südkorea ab wie auch von China und Russland.

Südkoreas Präsident Yoon hat bereits angekündigt, sich dem Indo-Pacific Economic Framework anschließen zu wollen. Auch Japan, Thailand und Singapur haben Interesse bekundet. Die Hoffnung ist, dass sich in Kürze weitere Staaten für einen Beitritt entscheiden. Allerdings gilt das Konzept für den Handelspakt als eher schwach und kaum weitreichend, weil es sich nicht um ein vollwertiges Freihandelsabkommen handelt, das die Märkte weitgehend öffnen und Zölle senken würde.

Joe Biden steht besonders in südostasiatischen Ländern noch Überzeugungsarbeit bevor, die die Vorzüge gegenüber einer stärkeren Bindung an China und Russland erklären müsste. Zunächst aber trifft der US-Präsident nur auf jene Regierungschefs, die er ohnehin auf seiner Seite weiß. (Felix Lill)

Auch interessant

Kommentare