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Ein Beamter der USCP wacht vor dem US-Kapitol.
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Ein Beamter der USCP wacht vor dem US-Kapitol.

USA

Sturm auf das Capitol: Whistleblower macht Polizeiführung Vorwürfe

  • VonMirko Schmid
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Die Vorwürfe wiegen schwer: Ein Whistleblower wirft der Führung der Capitol Police vor, am 6. Januar 2021 absichtlich untätig geblieben zu sein.

Washington D.C. – Ein Schreiben eines Whistleblowers sorgt in den USA aktuell für Aufsehen. Der Mann, der sich zwar gegenüber den Adressaten seines Briefes zu erkennen gab, allerdings darum bat, aus Datenschutzgründen in der Öffentlichkeit anonym bleiben zu dürfen, erhebt darin schwere Anschuldigungen gegen führende Köpfe der US Capitol Police (USCP).

Namentlich handelt es sich dabei um Sean Gallagher, den Einsatzleiter der uniformierten Operationen der USCP, sowie um Yogananda Pittman, Leiterin für Schutz- und Geheimdiensteinsätze und ehemals selbst Einsatzleiterin der uniformierten Operationen.

Beide sollen nach Angaben des Whistleblowers am 6. Januar nicht nur untätig geblieben sein, als der in weiten Teilen rechtsextreme Mob das Parlamentsgebäude stürmte. Vielmehr sollen sie einen essenziellen Geheimdienstbericht zurückgehalten haben, in welchem die zu erwartende Gefahrenlage ausführlich skizziert worden sei.

Whistleblower erhebt schwere Vorwürfe gegen Führung der US Capitol Police

In diesem Papier, das den Namen 21-TD-159 trägt, wurde unter anderem berichtet, dass ein Blog namens „thedonald.win“ eine Karte des Capitol-Campus veröffentlichte. Und dass Kommentatoren auf dieser Website Demonstrant:innen dazu aufforderten, Waffen zu tragen und am 6. Januar Mitglieder des Kongresses anzugehen.

Sollten sich die Anschuldigungen des Whistleblowers verhärten, käme vor allem Pittman in eine äußerst heikle Lage. Der Einsatzleiter hatte nämlich in einer Sitzung des Sonderausschusses zum 6. Januar vor Mitgliedern des Kongresses ausgesagt, dass er das Geheimdienstpapier an eine Gruppe hochrangiger Beamter – zu denen auch der Whistleblower gehörte – weitergegeben habe. Dies sei eine Falschbehauptung, stellt nun der langjährige hochrangige Beamte fest, der seinen Dienst einige Monate nach dem Sturm auf das Kapitol vom 6. Januar quittierte.

Tatsächlich nämlich hätten genau zwei Personen Zugriff auf den Bericht und somit Einblick in die tatsächliche Gefahrenlage gehabt – Gallagher und Pittman. In seinem Brief schreibt der Whistleblower: „Die wichtigsten Geheimdienstinformationen (…) wurden nie an Mitglieder der USCP-Führung weitergegeben. Warum haben sie den Operationsplan für den 6. genehmigt, wenn sie die Geheimdienste kannten?“ Mit „sie“ meint der ehemalige Beamte Gallagher und Pittman sowie den kurz nach dem Aufstand in Washington D.C. zurückgetretenen damaligen Chef der USCP, Steven Sund.

Whistleblower: Führung der USCP soll relevante Geheimdienstberichte zurückgehalten haben

Der fragliche Bericht sei jedoch nicht die einzige Schlüsselinformation gewesen, die nicht allen relevanten Angestellten in der Abteilung zur Verfügung gestanden habe, so der Whistleblower. Gallagher und Pittman sollen auch über Informationen verfügt haben, die zeigten, dass Gruppen, die am 6. Januar Genehmigungen für die Durchführung von Demonstrationen und Kundgebungen rund um das Kapitol erhalten hatten, allesamt Frontoperationen der losen Organisation „Stop the Steal“ gewesen seien.

Bei „Stop the Steal“ handelte es sich eine Bewegung, welche die Verschwörungstheorie verbreitete, wonach angeblich „schändliche Kräfte“ den damaligen Präsidenten Donald Trump um seine Wiederwahl gebracht haben sollen. Die Organisatoren der Bewegung organisierten eine Kundgebung auf der National Mall, die dem Angriff auf das Kapitol vorausging. Der Whistleblower hält diese Information für „banhbrechend“, allerdings hätten aber operative Kommandeure – also die Strafverfolgungsbeamten vor Ort, welche die Polizeiaktivitäten beaufsichtigten – nie davon erfahren.

BehördeUnited States Capitol Police
BehördenleitungJ. Thomas Manger
Stellung der BehördePolizeibehörde / U.S. Federal law enforcement agency
AufsichtsbehördeCapitol Police Board

Nach Ansicht des Whistleblowers hätten Gallagher und Pittman über alle erforderlichen Informationen verfügt, um die Forderung nach Verstärkung durch die Nationalgarde zu rechtfertigen, die Türen zum Kapitol zu schließen und am Morgen des 6. Januar härtere, wenn auch nicht tödliche Waffen einzusetzen. Diese Informationen seien laut dem Whistleblower seitens Gallagher und Pittman absichtlich nicht „mit den richtigen Leuten geteilt“ worden, stattdessen sei ein „erbärmlich unzureichender Sicherheitsplan“ genehmigt worden. Dies habe unmittelbar zu Todesopfern – darunter ein Polizist – geführt.

Whistleblower über USCP-Führung: „Mit Absicht und Bosheit untätig geblieben“

Selbst, so schreibt es der Whistleblower, habe er während des Angriffs Stunden im Kommandozentrum der USCP mit Pittman und Gallagher verbracht. Diese hätten „wenig getan, um die Gewalt zu stoppen“. Die Anwesenheit des Whistleblowers in der Kommandozentrale am 6. Januar wurde von zwei weiteren Polizeibeamten und einer dritten Person, die während des Angriffs anwesend war, bestätigt.

„Was ich beobachtet habe, war, dass sie [Gallagher und Pittman] meistens da saßen und stumpf auf die Fernsehbildschirme schauten, die Echtzeitaufnahmen von Offizieren und Beamten zeigten, die für den Kongress und ihr Leben kämpften“, schrieb der Whistleblower. Bei diesen Einsatzkräften handelte es sich unter anderem um Aquilino Gonell, Michael Fanone, Daniel Hodges und Harry Dunn, die vor dem Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses von schrecklichen Gewaltszenen berichtet und den Angriff auf das Kapitol als „Terrorismus“ des „Trump-Volkes“ bezeichnet hatten. Alle vier wurden während ihres Einsatzes schwer verletzt, in mindestens einem Fall sogar lebensgefährlich.

Der Whistleblower vermutet eine absichtliche Untätigkeit: „Meine Behauptung ist, dass diese beiden sich mit Absicht und Bosheit dafür entschieden haben, nicht zu versuchen, den Beamten und Beamten zu helfen. Sie wollten andere für die Fehler verantwortlich machen und diesen Vorfall für ihre eigenen persönlichen Beförderungen nutzen.“ Sie hätten zugesehen, „meistens mit den Händen im Schoß“, fügte er hinzu, und „versuchten nicht, einzugreifen oder zu helfen, als Offiziere und Beamte buchstäblich füreinander, ihr Leben und den Kongress kämpften.“

Whistleblower wirft Politik vor, nicht gegern USCP-Führung zu handeln, um eigene Fehler zu vertuschen

Die beiden Polizeibeamten, die die Anwesenheit von Pittman und Gallagher in der Kommandozentrale bestätigten, bestritten die Behauptung, wonach ihre Vorgesetzten die Angriffe passiv beobachtet hätten. Laut diesen Beamten habe sich Gallagher darauf konzentriert, die Nationalgarde zu unterstützen, Pittman hingegen habe sich auf die Evakuierung und den Schutz von Kongressmitgliedern und dem damaligen Vizepräsidenten Mike Pence konzentriert.

Dieser Schilderung widerspricht der Whistleblower vehement. Beamte und Offiziere seien massenhaft aus der Abteilung zurückgetreten, da Pittman und Gallagher für das, was an diesem Tag passierte, im Anschluss nicht zur Rechenschaft gezogen wurden und nur Behördenchef Steven Sund zurückgetreten sei. „Diese konzertierte Anstrengung, jene beiden Mitglieder der Abteilung ohne Rückfragen zu stützen, welche die größte Verantwortung für die tragischen Ereignisse vom 6. Januar tragen, ist abstoßend“, so der Whistleblower.

Die für die USCP zuständige Kongressführung kritisiert der ehemalige Beamte dafür, Gallagher und Pittman in ihren Führungsrollen in der Polizeibehörde belassen zu haben, selbst dann noch, als ein neuer Chef die Capitol Police übernahm: „Es ist der Kongressleitung und den Mitarbeitern immens peinlich, dass sie die beiden Personen ausgewählt haben, die am meisten Verantwortung an den Vorfällen des 6. Januar tragen“, heißt es in seinem Fazit. „Vor allem, da sie ohne einen Backgroundcheck ausgewählt wurden. Um sie zur Rechenschaft zu ziehen, müssten dieselbe Leute zugeben, dass sie sich geirrt haben.“

USCP reagiert mit einem Statement auf Vorwürfe durch Whistleblower

Die Leitung der USCP reagierte umgehend auf die umfassenden Anschuldigungen des ehemaligen hochrangigen Beamten. Ein Sprecher der Polizeibehörde erklärte in einem Statement: „Seit dem 6. Januar hat sich viel geändert. Obwohl es noch mehr zu tun gibt, wurden viele der im Brief beschriebenen Probleme angegangen.“ Die Kritik habe man Ernst genommen, viele der im insgesamt 16-seitigen Brief des Whistleblowers aufgeführten Empfehlungen seien bereits zuvor umgesetzt worden und würden aktuell umgesetzt. Außerdem habe man den pensionierten Generalleutnant Russel Honoré sowie den internen Generalinspekteur auf eine eingehende Fehleranalyse angesetzt.

„Der Brief des ehemaligen Mitarbeiters spiegelt die durchdachten Empfehlungen in diesen Berichten wider“, heißt es weiter in dem Statement der USCP. „Die USCP-Führung unter dem neuen Chief Tom Manger verpflichtet sich, aus früheren Fehlern zu lernen und unsere tapferen Offiziere zu schützen, die am 6. Januar aufopferungsvoll gekämpft haben, damit wir die verantwortungsvolle Aufgabe der Abteilung weiterhin erfüllen können. Die Männer und Frauen dieser Abteilung sind dieser verantwortlichen Aufgabe verpflichtet. Unser Ziel ist es, als Team zu arbeiten, voranzukommen und jede Arbeit zu verrichten, welche das US-Kapitol und die Menschen, die hier arbeiten, schützt.“ (Mirko Schmid)

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