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US-Botschafter Richard Grenell (M) spricht in der Clausewitz-Kaserne mit Soldaten der US-Armee.

Truppenabzug

US-Soldaten in Deutschland: Arbeitgeber und Ärgernis

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  • Jan Jüttner
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Was ein Abzug der US-Truppen für Deutschland bedeuten könnte.

Das Verhältnis ist angespannt: US-Präsident Donald Trump besucht Europa in den nächsten Wochen zweimal. Um Deutschland macht er dabei aber einen Bogen. Erneut droht sein Botschafter in Berlin, Richard Grenell, US-Truppen aus Deutschland abzuziehen. Was würde das bedeuten? „Es ist wirklich beleidigend, zu erwarten, dass der US-Steuerzahler weiter mehr als 50 000 Amerikaner in Deutschland bezahlt, aber die Deutschen ihren Handelsüberschuss für heimische Zwecke verwenden“, so Grenell. Die US-Botschafterin in Polen hatte zudem für eine Stationierung dieser US-Truppen in Polen geworben. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie viele US-Soldaten befinden sich in Deutschland und wo sind sie stationiert?
Nirgends in Europa sind so viele US-Truppen stationiert wie bei uns. Insgesamt sind es rund 35 000. Hinzu kommen 17 000 amerikanische und 12 000 deutsche Zivilisten, die für die Armee arbeiten. Die wichtigsten Standorte: Ramstein (Rheinland-Pfalz), Grafenwöhr (Bayern) und das Hauptquartier der US-Truppen in Europa mit Sitz in Stuttgart.

Welche Rolle spielt Deutschland für die US-Truppen?
Deutschland ist von hoher strategischer Bedeutung für das US-Militär. Im Krieg gegen Irak und Afghanistan dien(t)en die Stützpunkte als wichtige Drehscheibe für den Transport von Soldaten und Kriegsgerät.

Wer zahlt für die US-Truppen?
Die Bundesregierung trägt 30 Prozent der Stationierungskosten, den Rest übernehmen die US-Steuerzahler, wie Präsident Donald Trump immer wieder klagt. Die betroffenen Kommunen beteiligen sich nicht direkt mit Geld: „Wir tragen vor Ort Verantwortung für ausreichende Infrastruktur, stellen Areale zur Verfügung und ertragen den Flug- und Bodenlärm“, sagte Ralf Hechler, Bürgermeister von Ramstein-Miesenbach auf Anfrage.

Was sagt der Bürgermeister von Ramstein zu der Ankündigung?
Ralf Hechler hält nichts von einem Abzug: „Bei uns leben 50 000 Amerikaner inklusive zivilem Gefolge. Sie stellen 25 Prozent der Bevölkerung in der Region.“ Insgesamt würden in Ramstein „zwei Milliarden Dollar, unter anderem Löhne und Gehälter, als Wirtschaftsfaktor im Jahr“ umgesetzt. Das US-Militär sei ein „wichtiger direkter und indirekter Arbeitgeber“.

Wie reagieren deutsche Politiker?
Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag sieht die Drohung Grenells positiv: „Die Bundesregierung sollte dieses Angebot unbedingt annehmen und mit den USA einen Plan für den Truppenabzug besprechen“, sagte Dietmar Bartsch. „Der US-Botschafter hat Recht: Die Steuerzahler in den USA sollten nicht für US-Truppen und die Atomwaffen in Deutschland zahlen müssen.“ SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider sprach von einer „Feldherrenpose“ des US-Botschafters. „Deutschland lässt sich nicht erpressen“, sagte er dem „Spiegel“. Die Union zeigte dagegen Verständnis für die Verärgerung der US-Amerikaner.

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