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Zurück in die Zukunft: Joe Biden, damals US-Vize, und Putin im März 2011 in Moskau. „Die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern entwickelt sich gut“, sagte Putin damals.
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Zurück in die Zukunft: Joe Biden, damals US-Vize, und Putin im März 2011 in Moskau. „Die Beziehung zwischen unseren beiden Ländern entwickelt sich gut“, sagte Putin damals.

Putin und Biden

Biden und Putin: Birgt das Telefonat eine echte Chance für die Beziehung zwischen USA und Russland?

  • Stefan Scholl
    VonStefan Scholl
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Ob der Anruf von Biden eine Entschuldigung ist, weil er Putin einen „Mörder“ nannte? In Russland versteht man den Anruf des US-Präsidenten als einen Erfolg der eigenen Stärke.

Moskau - „Biden hat um ein Gespräch gebeten.“ Der Moderator des Staatssenders „Rossija 24“ grinste nach Kräften: „Der gleiche Biden, der Putin noch vor ein paar Wochen einen Mörder nannte.“

Die russischen Medien feiern das Telefonat zwischen US-Präsident Joe Biden und seinem russischen Kollegen Wladimir Putin am Dienstagabend wie einen Sieg. „Eine völlige Überraschung für alle“, wie die Zeitung „Kommersant“ schreibt. Vor allem, weil der Amerikaner Putin ein persönliches Treffen in den kommenden Monaten vorgeschlagen hatte.

Russische Zeitung berichtet über möglichem Treffen von Putin und Biden - Rubel steigt sofort

„Die Gefahr eines Krieges im Donbass hat sich stark verringert“, titelt das Massenblatt „Komsomolskaja Prawda“ selten friedfertig. Und der Rubelkurs stieg binnen drei Stunden um 1,4 Prozent; nach Ansicht von Fachleuten muss sich der russische Finanzmarkt jetzt viel weniger vor neuen US-Sanktionen fürchten. Vorher hatte in Moskau regelrechte Vorkriegsstimmung geherrscht.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu verkündete am Dienstag, die Nato konzentriere 40 000 Soldatinnen und Soldaten nahe den russischen Grenzen. Die militärischen Aktivitäten der Allianz seien für sein Land bedrohlich. Damit meinte er offenbar das Manöver „Defender Europe 2021“, an dem 28 000 Militärangehörige teilnehmen. Das ist aber hauptsächlich in Bulgarien und Rumänien geplant; beide Länder haben keine gemeinsame Grenze mit Russland.

Schon seit Wochen beschweren sich russische Militärs und Politiker:innen über Nato-Flugzeuge und Schiffe in Grenznähe, ebenso über die diplomatische Rückendeckung des Westens für die Ukraine angesichts der Eskalation im Donbass.

Politologe: Biden plante „Akt der Normalisierung“, davor habe USA Russland gezielt unter Druck gesetzt

„Bidens Anruf als Akt der Normalisierung war wohl vorausgeplant“, sagt der Politologe Boris Meschujew. „Die amerikanische Administration hat vorher systematisch versucht, Russland unter Druck zu setzen, um es für die folgenden Verhandlungen in eine Position der Schwäche zu drängen.“ Dazu gehörten die türkische Intervention in Berg-Karabach genau wie die Donbass-Krise.

Die USA seien auch zu militärischen Aktionen bereit gewesen, Moskau aber habe Härte gezeigt und die USA deshalb eingelenkt. Biden rief Putin an, was nicht nur Meschujew als russischen Erfolg betrachtet. „Die Einladung zum Treffen ist auch ein Signal an Washingtons Verbündete, dass der russische Führer für die US-Regierung jemand ist, dem man die Hand schütteln kann“, sagt der Amerika-Experte Wladimir Wassiljew.

Beziehungen zwischen USA und Russland: Möchte sich Biden für „Mörder“-Bezeichnung entschuldigen?

Andere Fachleute interpretieren diese Einladung sogar als unausgesprochene Entschuldigung Bidens für sein Killerzitat. Auf jeden Fall ist man in Russland erleichtert, dass der US-Demokrat Biden wieder Geschäfte wie üblich machen will. Als Themen eines nun wieder möglichen Gipfels werden vor allem atomare Abrüstung, das iranische Atomprogramm, die Ukraine und Afghanistan genannt.

Aber russische Zeitungen zitieren auch aus der Erklärung des Weißen Hauses, laut der die USA weiter entschlossen auf russische Aktionen reagieren werden, die die eigenen nationalen Interessen bedrohen, etwa auf Cyberangriffe und Wahleinmischung. Wesentliche Eingeständnisse erwartet kaum jemand in Moskau. „Ich würde nicht von einem Neustart oder einer Erwärmung der Beziehungen reden“, sagt Politologe Meschujew. „Sondern von einer gewissen Deeskalation.“

US-Botschafter nach Russland zitiert: Neue Drohungen auf mögliche Sanktionen stehen schon im Raum

Gestern wurde US-Botschafter John Sullivan in den Kreml zitiert. Wie die Staatsagentur RIA Nowosti berichtete, drohte bei dem Treffen Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow, sein Land werde im Falle neuer US-Sanktionen „in allerentschiedenster Form“ reagieren. Nach wie vor scheinen Uschakow und sein Chef nicht viel Vertrauen in den guten Willen der USA zu haben. (Stefan Scholl)

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