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Anhänger von Juan Guaido in der Hauptstadt Caracas.

Venezuela-Krise

Wer will was im Venezuela-Konflikt?

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In Venezuela herrscht Chaos – und so mancher Staat verfolgt in der aktuellen Situation handfeste eigene Interessen.

Europa für Wahlen
Die Formel der 28 EU-Staaten heißt: Neuwahlen. Das venezolanische Volk solle in der Lage sein, frei über seine Zukunft zu entscheiden, sagt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Ebenso äußerte sich etwa Kanzlerin Angela Merkel. Eine anfangs diskutierte Acht-Tage-Frist wurde abgeschwächt. EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagt, sollten „in den nächsten Tagen“ keine Wahlen angekündigt werden, würden „weitere Maßnahmen“ ergriffen, darunter auch eine mögliche Anerkennung Guaidós. An diesem Punkt bremsen Österreich, Griechenland und die Osteuropäer. 

USA drohen
Per Twitter bewirken die USA heute, wozu man früher Kanonenboote brauchte. US-Sicherheitsberater John Bolton sandte eine düstere Botschaften an Maduro und dessen Militärs: Die USA würden „jede Form von Gewalt oder Einschüchterung“ gegenüber Juan Guiadó oder dem Parlament mit einer „erheblichen Reaktion“ beantworten. Im Klartext: Washington droht mit Militärintervention. In US-Talkshows wird bereits diskutiert, ob der angeschlagene Präsident Donald Trump auf diese Art sein eigenes tief gespaltenes Land wieder einen könnte. Das liberale Lager in den USA sieht die Menschenrechte, das rechte Lager die Ölvorräte in Venezuela im Vordergrund. 

Russland warnt
Formulierungen aus dem Kalten Krieg werden in Moskau wieder gern genutzt. So warnte das russische Außenministerium zuletzt im Sound der Siebziger vor einer Einmischung der USA „in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staats“. Moskau selbst allerdings zeigt sich seinerseits sehr interessiert an Venezuela. Einnahmen aus Maduros Ölgeschäften flossen in immer neue Rüstungsaufträge, die an Russland vergeben wurden. Im Dezember ließ Maduro erstmals zwei schwere russische Nuklearbomber (Typ Tu-160, „Weißer Schwan“) in Venezuela landen – und provozierte damit die USA. Unklar ist, ob die „Schwäne“ auch Atombomben an Bord hatten. 

China will Öl
Ebenso wie Russland warnt auch China derzeit den Westen täglich vor einer Einmischung in Venezuela. Wie Moskau ist auch China in dem Land stark engagiert, allerdings eher ökonomisch als militärisch. Neben dem Öl ist für China auch der High-Tech-Rohstoff Coltan von Bedeutung. Die größte Coltanerz-Anlage Lateinamerikas wurde erst im vorigen Herbst in Venezuela in Betrieb genommen. Größter Kreditgeber aller neueren Investitionen in Venezuela ist China. Die Regierung in Peking setzt darauf, dass Venezuela seine Schulden in den kommenden Jahrzehnten durch Öl und Coltan abträgt.

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Türkei hilft Maduro

Eine Sonderbeziehung zweier starker Männer verbindet seit Langem den Präsidenten der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, mit Maduro. „Ich bin schockiert“, sagte Erdogan, als er von der Entscheidung der USA hörte, Guaidó als Übergangspräsidenten Venezuelas anzuerkennen. „Maduro, mein Bruder, die Türkei steht an deiner Seite.“ Im Dezember waren neue bilaterale Wirtschaftsabkommen in den Bereichen Bergbau, Gold, Chemie und Öl abgeschlossen worden. Während viele westliche Fluglinien Verbindungen nach Venezuela gestrichen haben, fliegt Turkish Airlines weiterhin wacker Caracas an. 

Vermittler Mexiko
Auf einem schmalem Grat ist der neue linke Präsident von Mexiko unterwegs. Andres Manuel Lopez Obrador, erst seit Dezember im Amt, will es sich mit niemandem verderben. Nicht zuletzt geht es ihm auch darum, in seinem eigenen Land Ruhe zu bewahren. Mexiko erkennt „bis auf weiteres“ Maduro immer noch als Präsidenten Venezuelas an, dringt aber auf Verhandlungen – für die es sich selbst als Vermittler anbietet. „Darüber müssen aber die Konfliktparteien einig werden“, sagte Lopez Obrador. „Die Gespräche könnten dann in Mexiko geführt werden.“ 

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