1. Startseite
  2. Politik

Ron DeSantis: Rassismusvorwürfe wegen Lehrplanänderung in Florida

Erstellt:

Von: Johanna Soll

Kommentare

Ron DeSantis, ultrarechter republikanischer Gouverneur des US-Bundesstaates Florida
Ron DeSantis, ultrarechter republikanischer Gouverneur des US-Bundesstaates Florida © Paul Hennessy/Imago

Floridas Gouverneur Ron DeSantis hat eine „Anti-Woke-Agenda“: Er will den Schulunterricht über LGBTQ-Themen verhindern. African American studies sind ihm nun auch zuwider.

Tallahassee – Die Regierung des US-Bundesstaates Florida verbietet fortan, an Highschools das Schulfach African American studies zu unterrichten. Darin geht es um die Geschichte und die Kultur von Afroamerikaner:innen. Die Schulbehörde stützt sich bei ihrem Verbot auf ein Gesetz des republikanischen Gouverneurs Ron DeSantis, das dieser erlassen hat, um den Unterricht über race (ethnische Herkunft) und Rassismus einzuschränken.

Bei African American studies handelt es sich um Advanced-Placement-Kurse, die ältere Schüler:innen belegen können, um Credit Points zu erwerben – Punkte, die bei einem später aufgenommenen Hochschulstudium als Studienstunden angerechnet werden. Floridas Bildungsministerium zufolge verstoße der Kurs „auf unerklärliche Weise gegen das Gesetz von Florida und es fehle ihm erheblich an pädagogischem Wert“. Näher wird das Verbot nicht erläutert.

Ron DeSantis erließ 2022 den „Stop WOKE Act“

Das Bildungsministerium des inzwischen überwiegend republikanisch geprägten Bundesstaates nennt nicht das Gesetz, gegen den der Kurs angeblich verstößt. Allerdings wurde 2022 in Florida der „Stop WOKE Act“ verabschiedet, ein Gesetz, das den Unterricht über angeblich „spalterische Konzepte“ wie systemischen Rassismus und white supremacy (weißes Überlegenheitsdenken) in Schulen und bei beruflichen Fortbildungen verhindern soll.

Der „Individual Freedom Act“ verbietet Schulen und Arbeitgebern Unterricht, der bei Schüler:innen und Angestellten „Schuldgefühle, Angst oder andere Formen psychischer Belastung für Handlungen auslöst, an denen er oder sie nicht beteiligt war“. Auf Bundesebene blockierte ein Richter 2022 Teile dieses Gesetzes, bezeichnete es als „dystopisch“ und an George Orwells Roman „1984“ erinnernd.

Demokratischer Senator in Florida: „Politischer Extremismus und Angriff auf die schwarze Geschichte“

Shevrin Jones, ein Senator der Demokraten im Parlament von Florida und selbst Afroamerikaner, wies auf Twitter darauf hin, dass die Schulen in Florida Kurse in europäischer Geschichte sowie in japanischer, deutscher, italienischer und spanischer Sprache und Kultur anbieten. „Es ist verrückt, dass African American studies auf der Abschussliste landet.“

In einem weiteren Tweet schrieb Jones: „Dieser politische Extremismus und sein Angriff auf die schwarze Geschichte und die Schwarzen wird eine ganze Generation schwarzer Kinder hervorbringen, die sich überhaupt nicht in ihrer Schulbildung oder in ihrem eigenen Bundesstaat wiederfinden können.“

Bereits im März 2022 hatte Ron DeSantis eine heftige Kontroverse ausgelöst, als er ein umstrittenes Gesetz mit dem inoffiziellen Titel „Don’t Say Gay“ bill („Sag nicht schwul“-Gesetz) unterzeichnete. Es verbietet den Unterricht über sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität im Kindergarten bis zur dritten Klasse. Kürzlich sorgte der rechtsradikale Politiker und potenzielle Präsidentschaftskandidat der Republikaner für Empörung, als er verfügte, dass in Florida Daten von transsexuellen Studierenden erhoben werden sollen. (Johanna Soll)

Auch interessant

Kommentare