US Wahlen 2020

Parteitag der Republikaner: Donald Trumps konservatives Gruselkabinett

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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Donald Trump ist der große starke Mann bei den Republikanern. Auf dem Parteitag treten einige von seinen treuen Unterstützern in Erscheinung.

  • Donald Trump lässt sich auf dem Parteitag der Republikaner feiern
  • Zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl in den USA will Trump den Rückstand auf Joe Biden aufholen
  • Die Liste der Rednerinnen und Redner liest sich teilweise wie ein Gruselkabinett

Washington/Charlotte– Donald Trump lässt sich in dieser Woche auf dem Parteitag der Republikaner so richtig feiern. Das ist auch recht einfach, denn republikanische Trump-Kritiker sind ja nur beim Parteitag der Demokraten in Erscheinung getreten, bei den Republikanern sind dagegen nur echte Trump-Fanatiker im Einsatz. Die Auftritte der Frauen und Männer auf dem Parteitag besitzen ein hohes Maß an Absurdität.

Vorneweg marschiert natürlich ein großer Teil der Trump-Familie, auch wenn ja nicht alle vom Präsidenten so ganz begeistert scheinen. Seine Schwester Maryanne hat ihn gerade erst in einem Tonbandmitschniit als unfähig bezeichnet, und auch Ehefrau Melania soll über ihren Ehemann und die Söhne gelästert haben. 

Melania Trump hält Lobrede auf Donald Trump

Aber das hält die First Lady natürlich nicht davon ab, trotzdem ein Loblied auf Donald Trump zu singen, den sie in ihrer Rede am zweiten Abend des Parteitags glattweg als Musterbeispiel eines ehrlichen, aufrechten Menschen dargestellt hat – und das, obwohl Trump laut „Washington Post“ nachgewiesenermaßen sich mehr als 20.000 Mal die Wahrheit nach eigenem Gutdünken zurechtgebogen hat. Aber das sind wahrscheinlich alles nur „alternative Fakten“, wie Trumps Bald-Nichtmehr-Beraterin Kellyanne Conway gern zu sagen pflegt.

Donald Trump und Mike Pence glauben an ihre Wiederwahl.

Doch das Gruselkabinett der Republikaner besteht auch aus anderen Typen, hier ein paar Beispiele:

  • Kimberly Guilfoyle, die Freundin von Donald Trump Jr. schreit voller Inbrunst in einen leeren Saal
  • Patricia und Mark McCloskey: Das Ehepaar in Missouri bedrohte mit Waffen „Black Live Matters“-Demonstranten
  • Cissie Graham Lynch wettert gegen trans Menschen und beschwert sich, dass Joe Biden „Jungs zwingen will, Mädchensport zu machen“
  • Nicholas Sandmann: Der 18-Jährige ist ein neues Gesicht der Abtreibungsgegner und Medienkritiker
  • Pam Bondi, einst beteiligt am Betrugsskandal rund um die Trump Universität, packt Verschwörungstheorien zu Joe Biden aus
  • Mary Ann Mendoza wird in letzter Minute wegen antisemitischer Tweets ausgeladen

Ganz extrem war natürlich der Auftritt vom Kimberly Guilfoyle. Die Freundin von Präsidentensohn Donald Trump Jr. hielt eine lautstark-brüllende Rede, mit der sie überall Eindruck hinterließ – nur nicht im Saal, denn der war ja verwaist. Doch auch der Inhalt war nicht ohne, denn Guilfoyle wollte wohl den Zuschauern Angst vor einem Wahlsieg der Demokraten machen. „Sie wollen dieses Land zerstören und alles, wofür wir gekämpft haben und was uns lieb ist“, sagte sie. „Sie wollen kontrollieren, was Sie sehen und denken und woran Sie glauben - damit sie (die Demokraten) kontrollieren können, was Sie denken.“

Patricia und Mark McCloskey loben Donald Trump und warnen vor sozialistischen Demokraten

Eine Hauptattraktion gleich am ersten Tag war ein Ehepaar aus St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Patricia und Mark McCloskey waren Ende Juni in den USA berühmt geworden, als sie Demonstranten der „Black Lives Matter“-Bewegung mit Waffen bedrohten, er mit einem Sturmgewehr, sie mit einer Pistole. „Ich hatte Angst, dass wir innerhalb von Sekunden ermordet werden, unser Haus niedergebrannt und unsere Haustiere getötet werden. Wir standen ganz alleine einem wütenden Mob gegenüber“ , sagte Mark McCloskey damals im lokalen TV-Sender KMOV4. Und es sei doch nun mal ihr gutes Recht, ihren Besitz zu verteidigen.

Patricia und Mark McCloskey wollen nur ihren Besitz verteidigen.

Das wiederholte das Ehepaar nun auch in einem Video, das im Rahmen des Eröffnungsprogramms des Parteitags ausgestrahlt wurde. Die Demokraten sähen den Schutz einfacher Bürger nicht mehr als Aufgabe der Regierung, sagte Mark McCloskey. Ihnen gehe es vielmehr darum, „Kriminelle vor ehrlichen Bürgern zu schützen“, behauptete er. „Machen Sie sich nichts vor: Wo auch immer Sie mit ihrer Familie leben, wird es nicht mehr sicher sein in einem Amerika der radikalen Demokraten“, sagte Patricia McCloskey. Die Demokraten wollten alle Vorstädte zunichte machen und den Sozialismus einführen.

Früher wäre ein solcher Auftritt bei einem Parteitag undenkbar gewesen. Doch unter Donald Trump ist alles möglich. Viele Republikaner wiederum sahen das Ehepaar als Helden, die das Recht auf Waffenbesitz ehren. „Präsident Trump wird das von Gott allen Amerikanern gegebene Recht, ihre Häuser und Familien zu verteidigen, beschützen“, so Mark McCloskey. In einem Amerika der Demokraten hingen sei niemand mehr sicher, weswegen Präsident Trump die Wahl gewinnen müsse.

Cissie Graham Lynch verbreitet Transphobie auf dem Parteitag der Republikaner

Für Transphobie zuständig war Cissie Graham Lynch. Die Enkelin des verstorbenen Evangelisten Billy Graham lobte Trump als Verfechter der Religionsfreiheit und machte die Demokraten für alle unchristlichen Übel dieser Welt verantwortlich. Und warum? Weil Obama und Biden den Glauben regelrecht attackieren würden.

Cissie Graham Lynch hat mit trans Menschen nichts am Hut.

Noch schlimmer aber in den Augen der Anti-LGBT+-Aktivistin: Biden wolle es Jungs ermöglichen, im Mädchensport mitzumachen und die Umkleideräume der Mädchen zu nutzen. „Das sind die Fakten.“ Das war einen Breitseite gegen die Inklusion von trans Kindern in Schulen. Denn Cissie Graham Lynch bezog sich dabei auf trans Mädchen, die in einer Sportmannschaft spielen wollen, die ihrer Geschlechtsidentität entspricht. Doch das sei ein Unding, zum Glück habe Donald Trump die von der Obama-Regierung erlassenen Richtlinien zurückgezogen, „die unsere kleinen Mädchen gefährdet haben“. Ihre Aussage über „kleine gefährdete Mädchen“ zeichnet trans Menschen quasi als Raubtiere.

Nicholas Sandmann kämpft mit MAGA-Kappe gegen Medien und Abtreibungen

Ein Jungstar unter den Rednern war Nicholas Sandmann. Der 18-Jährige aus Kentucky ist ein neues Gesicht der Abtreibungsgegner und Medienkritiker. Im Januar 2019 war er durch ein Video bekanntgeworden, das zu beweisen schien, er habe einen Ureinwohner rassistisch beleidigt. Dies war aber nicht der Fall.

Nun sagte Sandmann auf dem Parteitag, dass die „volle Kriegsmaschine der Mainstream-Medien in den Angriffsmodus übergegangen“ sei, ohne alle Fakten zu kennen. Er sei der Meinung , dass die Nachrichtenagenturen bei der Berichterstattung über den Vorfall von „anti-christlichen, anti-konservativen, anti-Donald-Trump Vorurteilen“ getrieben worden seien. Das war natürlich Musik in den Ohren Donald Trumps, der ja fast alle Medien grundsätzlich als Fake News bezeichnet.

Sandmann hatte damals an einem Anti-Abtreibungsmarsch in Washington teilgenommen und sich anschließend eine rote „Make America Great Again“-Kappe gekauft und aufgesetzt. „Weil unser Präsident Donald Trump sich als der lebensfreundlichste Präsident in der Geschichte unseres Landes ausgezeichnet hat.“ Deshalb zog er auch bei seinem virtuellen Auftritt auf dem Parteitag wieder eine MAGA-Kappe auf. Und sagte noch: „Obwohl noch viel getan werden muss, freue ich mich darauf bis zu dem Tag, an dem die Medien wieder zu einer ausgewogenen, verantwortungsvollen und rechenschaftspflichtigen Berichterstattung zurückkehren. Ich weiß, dass Präsident Trump auch darauf hofft. “

Pam Bondi verbreitet Verschwörungstheorien über Joe Biden

Und dann ist da noch Pam Bondi. Als ehemalige Justizministerin von Florida schien sie am besten geeignet, Joe Biden der Vetternwirtschaft zu bezichtigen. Doch in ihrer sechsminütigen Rede betätigte sich Bondi vielmehr als Verschwörungstheoretikerin, die längst widerlegte Behauptungen wiederkäute.

Zunächst kritisierte sie, dass Bidens Sohn Hunter Biden im Aufsichtsrat des ukrainischen Gasunternehmens Burisma saß. „Obwohl er keine Erfahrung mit der Ukraine oder dem Energiesektor besaß, bekam er Millionen, um nichts zu tun“, sagte Bondi. „Er hatte eine Qualifikation, die wichtig war: Er war der Sohn des Mannes, der dafür zuständig war, US-Hilfe für die Ukraine zu verteilen.“

Bondi warf Joe Biden ein „vorsätzliches Verhaltensmuster“ vor. „Es gab zahlreiche Presseberichte, die gezeigt haben, dass andere enge Familienmitglieder von Joes 47-jähriger politischen Karriere profitiert haben.“ Belege dafür führte Bondi nicht an. Sie sagte auch nicht, um welche Familienmitglieder es sich gehandelt haben soll.

Antisemitische Verschwörungstheorie: Parteitags-Rednerin Mary Ann Mendoza gestrichen

Ebenfalls für Verschwörungstheorien zuständig ist Mary Ann Mendoza. Doch auch bei den Republikanern ist nicht alles erlaubt. Weil sie am Tag ihrer Rede antisemitische Botschaften im Internet weiterverbreitet hatte, wurde sie kurzfristig aus dem Programm gestrichen. Mendoza hatte ihre mehr als 40.000 Twitter-Follower aufgefordert, einen von ihr weiterverbreiten Twitter-Thread zu lesen, bei dem es nach einem Bericht der Nachrichtenseite „Daily Beast“ um eine jüdische Verschwörung zur Versklavung der Welt ging. „Tut euch einen Gefallen und lest diesen Thread“, schrieb sie über die von der rechten Bewegung QAnon versandten Botschaften.

Mendoza sollte beim Parteitag der Republikaner als Unterstützerin des harten Kurses von Präsident Donald Trump in der Einwanderungspolitik auftreten. Ihr Sohn, ein Polizist im Bundesstaat Arizona, war 2014 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, in den ein betrunkener Einwanderer ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung verwickelt war.

Mendoza gehört einer umstrittenen rechten Gruppe namens „Angel Moms“ (Engel-Mütter) an, in der Mütter aktiv sind, deren Kinder von illegal ins Land gekommenen Einwanderern getötet wurden. Sie löschte ihren Tweet später. In einem weiteren Tweet schrieb sie, sie habe einen sehr langen Thread weiterverbreitet, ohne die Nachrichten dort im Einzelnen zu lesen. Sie entschuldige sich dafür. „Das spiegelt in keiner Weise meine Gefühle oder persönlichen Gedanken wider.“ (Christian Stör) First Daughter auf dem Parteitag der Republikaner: Ivanka Trump sorgt für Wirbel wegem Weißen Haus aus Lego

Rubriklistenbild: © afp

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