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„Pro-Life“-Republikaner sollen für Abtreibungen gezahlt haben

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Von: Johanna Soll

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Herschel Walker, republikanischer Senatskandidat für den US-Bundesstaat Georgia: Abtreibung sei Mord
Herschel Walker, republikanischer Senatskandidat für den US-Bundesstaat Georgia: Abtreibung sei Mord © Hyosub Shin/Imago

Die meisten Republikaner behaupten, Abtreibung strikt abzulehnen. Doch manche sind anderer Ansicht, wenn sie eine Frau geschwängert haben und das Kind nicht wollen.

USA – Kürzlich und immer noch sorgt in den USA der republikanische Senatskandidat für den US-Bundesstaat Georgia, Herschel Walker, für Kontroversen: Er soll seine damalige Freundin zu einer Abtreibung gedrängt und auch für den Eingriff gezahlt haben. Allerdings behauptet der rechtsextreme Schützling des früheren US-Präsidenten Donald Trump, er sei „pro life“, also Abtreibungsgegner, und halte den Abbruch einer Schwangerschaft für Mord.

Mit dieser Heuchelei ist Walker innerhalb der republikanischen Partei nicht allein. Mike Erickson kandidiert bei den Midterm-Wahlen für die rechtsextreme Partei für einen Sitz im Repräsentantenhaus, wo er Oregons 6. Kongresswahlbezirk repräsentieren möchte. Der Vorstand eines Logistikunternehmens ist erklärter Abtreibungsgegner. Eine Frau behauptete, der Republikaner habe ihr 2001 insgesamt 300 US-Dollar gegeben und sie zu einer Arztpraxis gefahren. Die Frau, die sich Tawnya nennt, und Mike Erickson geben übereinstimmend an, sie hätten im Jahr 2000 ein paar Monate lang Dates gehabt, seien aber nicht fest liiert gewesen. Über die Abtreibung gehen die Schilderungen auseinander.

Abtreibungsgegner unter den Republikanern: Verbot soll nur für andere gelten

Tawnya teilte mit, sie habe ihn gefragt, ob er sicher sei, dass er kein Baby wolle, und Mike Erickson habe den Kopf geschüttelt. Sie habe laut weinend das Auto verlassen und sei in die Klinik gegangen. Nach Ericksons Version der Situation habe er nicht gewusst, um was für einen Arzttermin es sich handelte. „Sie hatte finanzielle Probleme. Sie bat um etwas Geld, um zu einem Arzttermin zu gehen“, sagte er. „Was auch immer passiert ist, ist passiert, denke ich. Ich wusste nicht einmal, dass sie abgetrieben hat.“ Er sagte, sie habe während der Autofahrt keine Emotionen gezeigt. Über den Vorfall berichtete erstmals 2008 der Oregonian, als Mike Erickson damals erfolglos kandidierte.

Mit der Auffassung, dass Abtreibungen verboten sein sollten, außer in Fällen, in denen man möglicherweise selbst betroffen ist, gibt es außer Herschel Walker und Mike Erickson noch mindestens ein weiteres prominentes republikanisches Beispiel: Scott DesJarlais, Kongressabgeordneter aus Tennessee. 2012 wurden Tonaufnahmen publik, die belegen, dass er seine damalige Geliebte zu einer Abtreibung gedrängt hatte. Auch seine Exfrau hatte zwei Schwangerschaftsabbrüche vornehmen lassen. Dennoch ist Scott DesJarlais, wie er behauptet, „100 Prozent gegen Abtreibung“.

Gott habe ihm vergeben, so Scott DesJarlais – genau das behauptet auch Herschel Walker und bestreitet gleichzeitig die Vorwürfe seiner Exfreundin. Scott DesJarlais wurde 2010 erstmals in den US-Kongress gewählt und wird seitdem alle zwei Jahre wiedergewählt. Nach den Midterm-Wahlen am 8. November wird sich zeigen, ob die Wähler:innen in Georgia auch derart nachsichtig mit Herschel Walker sind, oder den demokratischen Amtsinhaber Raphael Warnock wiederwählen. (Johanna Soll)

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