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Urteil

QAnon-Schamane muss wegen Angriff aufs Kapitol lange ins Gefängnis

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
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Ein Bundesrichter in der US-Hauptstadt Washington verhängt eine 41-monatige Haftstrafe gegen den als QAnon-Schamanen bekannt gewordenen Jacob Chansley.

Washington - Er ist eines der bekanntesten Gesichter eines gewalttätigen Ereignisses, das in der USA traurige Geschichte geschrieben hat: Der Angriff auf das Kapitol in Washington am 6. Januar 2021. Der mit seiner Büffelhorn-Fellmütze als „QAnon-Schamane“ bekannt gewordene Jacob Chansley ist zu knapp dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Ein Bundesrichter in der US-Hauptstadt Washington verhängte am Mittwoch eine 41-monatige Haftstrafe gegen den 34-Jährigen. Das entspricht drei Jahren und fünf Monaten Gefängnis. Chansley alias Jake Angeli hatte sich im September der Behinderung eines offiziellen Vorgangs schuldig bekannt.

QAnon-Schamane zeigt sich reumütig

Der Mann aus Phoenix im Bundesstaat Arizona hatte am 6. Januar gemeinsam mit anderen Anhänger:innen des abgewählten Präsidenten Donald Trump das Kapitol gestürmt. Bilder Chansleys mit nacktem Oberkörper voller Tätowierungen, bemaltem Gesicht, einer Fellmütze mit Büffelhörnern und einem Speer mit US-Flagge gingen um die Welt. Chansley ist selbsternannte „Schamane“ und Anhänger der QAnon-Verschwörungstheorie.

Jacob Anthony Chansley, auch bekannt als Jake Angeli, beim Sturm auf das Kapitol.

„Was Sie getan haben, war furchtbar“, sagte Richter Royce Lamberth am Mittwoch an die Adresse des Angeklagten. Chansley zeigte sich reumütig. „Männer mit Ehre geben zu, wenn sie einen Fehler gemacht haben“, sagte der 34-Jährige. „Es war ein Fehler, in das Kapitol einzudringen. Es gibt dafür keine Entschuldigung.“

QAnon-Schamane war wütend auf Mike Pence

In langen Ausführungen sprach Chansley von psychischen Problemen, unter denen er leide, und nahm unter anderem Bezug auf Jesus, Mahatma Gandhi und Buddha. Er betonte: „Ich bin kein Aufständischer. Ich bin sicherlich kein inländischer Terrorist.“
Chansley gehörte nach Angaben der US-Justiz zu den ersten 30 Angreifern, die am 6. Januar in das Innere des Parlamentsgebäudes stürmten. Er drang bis in den Plenarsaal des Senats vor und setzte sich sogar an das Pult, an dem zuvor der damalige Vizepräsident Mike Pence in seiner Rolle als Senatspräsident gestanden hatte.

Laut Anklage bezeichnete Chansley den Vizepräsidenten als „verdammten Verräter“ und schrieb auf einen Zettel: „Es ist nur eine Frage der Zeit. Gerechtigkeit wird kommen!“ Pence hatte die Wut vieler Trump-Anhänger auf sich gezogen, weil er sich weigerte, eine Zertifizierung des Siegs des Demokraten Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl vom 3. November 2020 zu blockieren. Einige Kapitol-Angreifer riefen sogar „Hängt Mike Pence“.

QAnon-Schamane verweigerte in der Haft nicht-organische Lebensmittel

Chansley wurde wenige Tage nach dem Sturm auf das Kapitol verhaftet und saß seitdem in Untersuchungshaft. Dort begann er einen Hungerstreik. Chansley, so sein Anwalt, würde aufgrund seiner religiösen Überzeugung nur Bio-Nahrung zu sich nehmen. Er forderte das Gericht auf, das Gefängnis anzuweisen, ihm „lebenserhaltende Nahrung zur Verfügung zu stellen“ oder seinen Mandanten alternativ bis zu seiner Verhandlung auf freien Fuß zu setzen.

„Wegen seines schamanischen Glaubens ist Jacob Chansley der Überzeugung, nicht-organische Lebensmittel, die unnatürliche Chemikalien enthalten, würden als ‚Objekteinbruch‘ in den Körper wirken und schwere Krankheiten verursachen, wenn er sie essen würde“, schrieb Anwalt Watkins zur Begründung. 

Höchste Gefängnisstrafe im Zuge der Aufarbeitung der Stürmung des Kapitol

Die Staatsanwaltschaft hatte 51 Monate und damit mehr als vier Jahre Gefängnis für ihn gefordert. Theoretisch hätten Chansley bis zu 20 Jahre Haft gedroht. Die nun verhängte 41-monatige Strafe ist - zusammen mit einer Haftstrafe gleichen Umfangs gegen einen anderen Kapitol-Angreifer - die höchste Gefängnisstrafe im Zuge der Aufarbeitung des 6. Januar.

Radikale Trump-Anhänger hatten das Kongressgebäude gestürmt, als dort Bidens Wahlsieg endgültig bestätigt werden sollte. Fünf Menschen starben bei oder am Rande der Gewalt, unter ihnen ein Polizist und eine von der Polizei erschossene Angreiferin.
Im Zuge der weitreichenden Ermittlungen zur Kapitol-Erstürmung wurden nach Angaben des Justizministeriums mehr als 570 Menschen festgenommen. Mehr als 650 Menschen wurden angeklagt. Mit den Hintergründen des Angriffs befasst sich auch ein Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses. (sot mit dpa/afp)

Rubriklistenbild: © Manuel Balce Ceneta/AP/dpa

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