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QAnon in den USA

Radikale Milizen verbünden sich – und haben einen gemeinsamen Feind

  • Marcel Richters
    vonMarcel Richters
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Bei der Stürmung des Kapitols in Washington haben auch radikale Milizen in den USA auf sich aufmerksam gemacht. Es könnte noch größere Gefahr von ihnen drohen.

  • In den USA vermischen sich zunehmend rechte Milizen und Verschwörungstheoretiker wie Anhänger der QAnon-Bewegung.
  • Verbindungen zur etablierten Politik sind spätestens durch Donald Trump deutlich geworden.
  • Fachleute warnen vor einer gefährlichen Kombination aus Waffen und Ideologie.

Atlanta – Rechtsextreme Milizen in den USA bereiten sich darauf vor, noch weiterzugehen, als bei der Erstürmung des Kapitols am 6. Januar. Auch die QAnon-nahe Abgeordnete Marjorie Taylor Greene spielt dabei eine Rolle.

Recherchen des Magazins „Atlanta Jorunal-Constitution (AJC)„ haben ergeben, dass sich Milizen im US-Bundesstaat Georgia zusammenschließen. Dabei kommen auch Gruppen zusammen, die zuvor im Konflikt miteinander standen. Unter anderem sind die „Three Percenter“, die „American Patriots USA“ und die „American Brotherhood of Patriots“ zusammengeschlossen.

Für Milizen in den USA hat sich nach Donald Turmp „alles verändert“

Sie alle eint die Ablehnung des aktuellen Präsidenten Joe Biden und der Glaube an Verschwörungstheorien, wie die von der gestohlenen Wahl. Das erklärte vorläufige Ziel der Gruppen ist die Loslösung des Bundesstaates Georgia vom Rest der USA. Entweder durch einen Zusatz in der Verfassung oder durch „den Kollaps des amerikanischen Experiments“, wie es Justin Thayer von den „Georgia Three Percenter Martyrs“ ausdrückt.

„Die Dinge sind jetzt anders. Alles hat sich verändert“, sagt auch Chester Doles von den „American Patriots USA“. Er ist sicher, dass Donald Trump der letzte Präsident der republikanischen Partei war. Man habe es so gut wie möglich mit demokratischen Mitteln versucht, aber das funktioniere nicht.

Verbindungen zwischen Milizen, QAnon und Politik in den USA immer deutlicher

Forschungen zur extremen Rechten in den USA haben ergeben, dass die vergangenen Jahre dazu geführt haben, dass Gruppen auch über ideologische Gräben hinweg miteinander kooperieren und ihre Fühler bis in die Mainstream-Politik ausstrecken. Amy Iandiorio vom Extremismuszentrum des Instituts „Anti-Defamation League“ sieht einen gemeinsamen Feind – die Liberalen in den USA – und einen gemeinsamen Opfermythos als verbindendes Element. Von losen Verbünden wie QAnon über „traditionelle“ Milizen bis zu rechtsradikalen Randgruppen käme es zu „taktischen Allianzen“.

Zahlreiche Milizen vereinigen sich in den USA. Die Aufnahme zeigt einen Trump-Anhänger vor dem Kapitol. (Archivfoto)

Immer offensichtlicher werden dabei auch die Verbindungen zwischen den bewaffneten Rechtsradikalen und der etablierten Politik. So stellten Mitglieder der „Georgia Three Percenter Martyrs“ Sicherheitsleute für die QAnon-Anhängerin Marjorie Taylor Greene während deren Kandidatur für das Repräsentantenhaus. Die Republikanerin posierte auf Fotos mit den Miliz-Angehörigen und sprach davon, dass diese sie vor Morddrohungen beschützen würden.

Wiederholte Warnung vor weiterer Gewalt durch Milizen und QAnon in den USA

Auch Chester Doles von den „American Patriots USA“ hatte bereits in der Vergangenheit seine Unterstützung für Marjorie Taylor Greene zum Ausdruck gebracht. Von einer Kundgebung in Georgia war er allerdings von Mitgliedern der Martyrs entfernt worden. Inzwischen haben Doles und Thayer aber nach Angaben von AJC wieder zusammengefunden. „Wir arbeiten am selben Ziel in unterschiedlichen Organisationen“, so Thayer im Gespräch mit dem Magazin. Er vergleicht die Allianz mit der zwischen der IRA und der Sinn Féin in Irland. Während die Sinn Féin wie auch die „American Patriots USA“ politisch agieren, stellt die IRA bzw. die Martyrs den paramilitärischen Arm.

Hampton Stall vom „Armed Conflict Location and Event Data Project“ warnt gegenüber AJC vor den Milizen und deren Verbindungen zu QAnon und zu noch extremeren Gruppen. „Ich denke, wir werden eine Menge dieser Koalitionsbildung mit einigen ziemlich fiesen Leuten sehen“, so Stall. In vielen Fällen dienten Verschwörungstheorien als Einstieg in sektenartige Strukturen, in denen sich auch eine immer brutalere Rhetorik bemerkbar mache. Die größte Sorge bereite ihm dabei die Kombination aus Feuerkraft der Milizen mit den verworrenen Weltbildern der Verschwörungsigläubigen. Möglich, dass aus dieser Gewalt schon in naher Zukunft weitere Gewalt entsteht. Davor hatten Sicherheitsbehörden in den USA bereits gewarnt. (Marcel Richters mit AJC)

Rubriklistenbild: © David Alonso/Nordphoto/Imago Images

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