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Stadträte in Los Angeles sorgen mit diskriminierenden Äußerungen für Skandal

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Von: Johanna Soll

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Demonstrierende in Los Angeles fordern den Rücktritt der Stadtratsmitglieder, die mit diskriminierenden Äußerungen für einen Skandal sorgten
Demonstrierende in Los Angeles fordern den Rücktritt der Stadtratsmitglieder, die mit diskriminierenden Äußerungen für einen Skandal sorgten © Mario Tama/AFP

Im Stadtrat von Los Angeles kommt es kurz vor den Midterm-Wahlen zu einem Skandal bei den Demokraten. Es geht um Rassismus, Antisemitismus und Homofeindlichkeit.

Los Angeles – In der zweitgrößten Stadt der USA, Kaliforniens Metropole Los Angeles, gibt es kurz vor den Midterm-Wahlen am 8. November einen politischen Rassismus-, Antisemitismus- und Homofeindlichkeitsskandal. Er begann vor einer Woche und dauert noch immer an, weil zwei der Beteiligten sich weigern, zurückzutreten. Es handelt sich um Mitglieder der Demokratischen Partei – auch US-Präsident Joe Biden hat sich inzwischen eingeschaltet und Konsequenzen gefordert.

Der diskriminierende Rundumschlag gegen Schwarze, Schwule, Juden und Indigene ereignete sich in einem Gespräch mit vier Personen – alle Latinos – im Oktober 2021, in dem es um die Neueinteilung von Wahlkreisen ging. Nury Martinez, Kevin de León und Gil Cedillo sind zu dem Zeitpunkt Mitglieder des Stadtrats von Los Angeles, Martinez als dessen Präsidentin. Ron Herrera ist Gewerkschaftsführer, er und Nury Martinez sind inzwischen aufgrund des Skandals zurückgetreten, Kevin de León und Gil Cedillo weigern sich bisher, ihre Ämter niederzulegen.

Los Angeles: Stadtratsmitglieder äußern sich mehrfach diskriminierend

Die Los Angeles Times hat einen Audiomitschnitt des Treffens veröffentlicht, nachdem die Aufnahme zunächst auf der Internetplattform Reddit anonym gepostet worden war. Darin ist zu hören, wie Nury Martinez sich abfällig über den schwulen, weißen Stadtrat Mike Bonin und dessen schwarzen Adoptivsohn äußert – er behandle ihn wie ein „Accessoire“. Sie nennt Bonin eine „little bitch“ und seinen Sohn auf Spanisch einen „kleinen Affen“, den seine Eltern, „wie ein weißes Kind aufziehen“.

Nury Martinez, die ehemalige Präsidentin des Stadtrats von Los Angeles
Nury Martinez, die ehemalige Präsidentin des Stadtrats von Los Angeles © Amy Sussman/AFP

Nury Martinez sagte über den damals zweijährigen Jungen: „Dieses Kind braucht eine Tracht Prügel. Lass mich mit ihm um die Ecke gehen und dann bringe ich ihn zurück.“ Ron Herrera bemerkt, dass der ehemalige jüdische Abgeordnete im kalifornischen Parlament, Richard Katz, „und seine Crew sicherlich eine Agenda haben.“ Darauf entgegnet Nury Martinez: „Los Judíos haben ihren Deal mit Süd-L.A. abgeschlossen, sie werden alle anderen über den Tisch ziehen.“

Los Angeles – eine der ethnisch diversesten US-Städte

Auch über Indigene aus Mexiko zieht die Politikerin her. Migrant:innen aus dem mexikanischen Bundesstaat Oaxacan bezeichnet Nury Martinez als „kleine, kurze, dunkle Menschen“, die „hässlich“ seien. „Ich weiß nicht, woher diese Leute kommen, ich weiß nicht, aus welchem Dorf sie kommen, wie sie hierhergekommen sind.“

L.A. ist eine der ethnisch diversesten Städte der USA. Dem US-Zensus zufolge sind knapp die Hälfte der Einwohner:innes von Los Angeles Latinos. Mehrere hunderttausend Eingewanderte aus Oaxaca leben in Kalifornien, die meisten von ihnen in Los Angeles. „Diese Art von Kommentaren von Nicht-Indigenen aus Mexiko, Guatemala und anderen Ländern, die sich an indigene Völker richten, ist eine bestimmte Art von Rassismus“, so Lynn Stephen, Professorin für Anthropologie an der University of Oregon, die zu mexikanischer Migration und indigenen Völkern forscht.

Hunderte Mitglieder der indigenen Oaxaca-Community nahmen am Samstag (15. Oktober) an einer Solidaritätsdemonstration in der Innenstadt von Los Angeles teil, forderten den Rücktritt von Kevin de León und Gil Cedillo und eine öffentliche Entschuldigung von Nury Martinez. Eine Gruppe von Black-Lives-Matter-Demonstrierenden kampiert in der Nähe von de Leóns Haus, um den Druck auf das Stadtratsmitglied zu erhöhen.

Joe Biden fordert Rücktritt aller Beteiligten

Das Weiße Haus teilte vergangene Woche mit, Joe Biden erwarte von allen beteiligten Stadtratsmitgliedern, zurückzutreten. Seine Sprecherin Karine Jean-Pierre sagte: „Wenn Demokraten etwas Rassistisches oder Antisemitisches sagen, ziehen wir diese Demokraten zur Rechenschaft. Wenn MAGA-Republikaner etwas Rassistisches oder Antisemitisches sagen, werden sie bejubelt und unterstützt.“

Joe Biden wird voraussichtlich am Mittwoch (19. Oktober) Los Angeles besuchen, um an einer Spendenbeschaffungsaktion der Demokraten teilzunehmen und eine Rede zu dem Infrastrukturgesetz zu halten, das Ende 2021 verabschiedet wurde. Die Reise war bereits geplant, bevor der Skandal um den Stadtrat von L.A. ausbrach. (Johanna Soll)

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