1. Startseite
  2. Politik

Midterms: Zehn Duelle entscheiden über Mehrheit im US-Senat

Erstellt:

Von: Johanna Soll

Kommentare

Bei den Midterm-Wahlen kommt es insbesondere auf zehn Rennen an, wenn es darum geht, ob die Demokraten oder die Republikaner die Mehrheit im Senat haben werden.

USA – Bei den Midterm-Wahlen am 8. November in den USA wird unter anderem über 35 Sitze im US-Senat entschieden. Derzeit haben die Demokraten in der oberen Kongresskammer eine hauchdünne Mehrheit: Beide Parteien haben je 50 Sitze und bei einem Patt entscheidet die Stimme von Vizepräsidentin Kamala Harris, die zugleich auch Vorsitzende des US-Senats ist. Die Prognosen für die Demokraten, ihre Mehrheit zu halten, stehen aktuell laut Fivethirtyeight besser als die der Republikaner, die Senatsmehrheit zurückzuerlangen.

Von den Senatssitzen, über deren Besetzung demnächst abgestimmt wird, werden derzeit 21 von Republikanern und 14 von Demokraten gehalten. Die folgenden 10 Rennen gelten als besonders entscheidend für den Wahlausgang. Bei den übrigen ist damit zu rechnen, dass sie in demokratischer beziehungsweise republikanischer Hand bleiben.

US-Präsident Joe Biden bei einer Wahlkampfveranstaltung zu den Midterms: Können seine Demokraten ihre Mehrheit im Senat halten?
US-Präsident Joe Biden bei einer Wahlkampfveranstaltung zu den Midterms: Können seine Demokraten ihre Mehrheit im Senat halten? © Bonnie Cash/Imago

Progressive Demokraten: John Fetterman und Mandela Barnes

In Pennsylvania tritt der linke Demokrat und amtierende Vizegouverneur John Fetterman gegen den republikanischen Trump-Schützling Mehmet Oz an. Der Senatssitz wird frei, weil der amtierende republikanische Senator Pat Toomey nicht erneut antritt. Kurz vor den demokratischen Vorwahlen im Mai erlitt Fetterman einen Schlaganfall, von dem er sich noch immer erholt. Dennoch liegt er in aktuellen Umfragen vor Mehmet Oz – dem immer wieder Wahlkampfpatzer unterlaufen, die Fetterman in den sozialen Medien ausschlachtet. Oz wird von Ex-Präsident Donald Trump unterstützt.

Der amtierende Senator aus Wisconsin, Ron Johnson, wird von dem progressiven Demokraten und amtierenden Vizegouverneur Mandela Barnes herausgefordert. Das Rennen zwischen Johnson und Barnes, der von den US-Linken Bernie Sanders, Alexandria Ocasio-Cortez und Elizabeth Warren unterstützt wird, gilt als offen. Ron Johnson ist ein Trump-Republikaner.

Zwei Amtsinhaber:innen der Demokraten, die zittern müssen

Raphael Warnock ist, wie US-Präsident Joe Biden, seit Anfang 2021 im Amt. Der Senator des Swing States Georgia wird herausgefordert von dem Trump-Protegé Herschel Walker. Walker ist ein ehemaliger American-Football-Spieler und liefert sich mit Warnock ein Kopf-an-Kopf-Rennen, obwohl er bereits einige Skandale zu verbuchen hat. Zuletzt kam heraus, dass der erklärte Abtreibungsgegner eine Ex-Freundin zum Schwangerschaftsabbruch gedrängt und dafür bezahlt haben soll.

In Nevada wackelt der Senatssitz der demokratischen Amtsinhaberin Catherine Cortez Masto. Ihr Herausforderer ist der von Donald Trump unterstütze Republikaner Adam Laxalt, ein Wahlleugner. Während sich Cortez Masto im Wahlkampf für das Recht auf Abtreibung starkmacht, konzentriert sich Laxalt auf die Inflation und „Law and Order“.

Republikaner sind im Vorteil in Ohio, Florida und North Carolina

Demokrat Tim Ryan liegt in Ohio den Umfragen zufolge etwa gleichauf mit seinem republikanischen Gegner J. D. Vance. Dieser ist Risikokapitalgeber und Autor des autobiografischen Bestsellers „Hillbilly Elegie“. Der amtierende republikanische Senator Rob Portman kandidiert nicht erneut. Vance sicherte sich die republikanische Nominierung im Vorwahlkampf durch rechtsextreme Positionen und die Unterstützung von Donald Trump.

In Florida sieht sich der amtierende republikanische Senator Marco Rubio seiner demokratischen Herausforderin Val Demings gegenüber. Die ehemalige Polizeichefin von Orlando hat es bisher Umfragen zufolge nicht geschafft, Rubio zu überholen, doch sie liegt nur wenige Prozentpunkte hinter dem ehemaligen republikanischen Präsidentschaftskandidaten von 2016.

In North Carolina tritt der amtierende Senator Richard Burr nicht erneut an, sodass es in diesem Rennen keinen Amtsinhabervorteil gibt. Dennoch gehen Expert:innen von einem Vorteil für den Kandidaten der Republikaner, Ted Budd, gegenüber der demokratischen Kandidatin Cheri Beasley aus. Der von Trump unterstützte Abgeordnete Budd ist Wahlleugner und Inhaber eines Schusswaffengeschäfts. Beasley ist ehemalige Richterin am Supreme Court des Bundesstaates North Carolina.

Demokratische Amtsinhaber:innen mit guten Siegchancen

In Arizona hat der demokratische Amtsinhaber Mark Kelly seinen Sitz seit einer Nachwahl im Jahr 2020 inne. Der ehemalige Astronaut wird vom Trump-Schützling und rechtsextremen Republikaner Blake Masters herausgefordert. Dieser sprach sich nicht nur gegen Abtreibungen, sondern auch gegen Empfängnisverhütung aus und ist Anhänger des rechten, rassistischen Verschwörungsmythos vom „Großen Austausch“, auch unter „Umvolkung“ bekannt. Seit Beginn des Wahlkampfes liegt Masters Umfragen zufolge stets mehrere Prozentpunkte hinter Kelly.

Auch Republikaner Don Bolduc konnte in New Hampshire bisher die demokratische Amtsinhaberin Maggie Hassan in den Umfragen nicht einholen. Sie konzentriert sich im Wahlkampf auf den Schutz des Rechts auf Abtreibung, während Bolduc die höchst umstrittene Anti-Abtreibungsentscheidung des Supreme Courts lobte. Der pensionierte Brigadegeneral ist ein rechtsextremer Kandidat, doch er wird nicht von Donald Trump unterstützt. Noch im republikanischen Vorwahlkampf verbreitete er die Lüge von der gestohlenen Wahl, inzwischen hat er seine Position geändert und Joe Biden als legitimen Präsidenten anerkannt.

In Colorado wird der demokratische Amtsinhaber Michael Bennet von dem Republikaner Joe O’Dea herausgefordert, der sich vergleichsweise moderat gibt. Der Bauunternehmer versucht Wechselwähler:innen anzusprechen, indem er sagt, er sei gegen die Entscheidung des Supreme Courts, mit der das Grundsatzurteil zum US-Abtreibungsrecht, Roe v. Wade, aufgehoben wurde. Allerdings sagt er auch, er habe Donald Trump gewählt und unterstütze dessen Plan, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten. Im Durchschnitt liegt Bennet seit Beginn des Wahlkampfes konstant mit rund zehn Prozentpunkten vor O’Dea. (Johanna Soll)

Auch interessant

Kommentare