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Zwischenwahlen in den USA: Liegen die Umfragen wieder daneben?

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Von: Johanna Soll

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Der Trend bei den US-Zwischenwahlen hat sich gewendet, die Demokraten gelten nicht länger als voraussichtliche Verlierer. Doch die Prognosen könnten falsch sein.

USA – Die Prognosen zu den Midterm-Wahlen in den USA am 8. November haben sich seit Beginn des Wahlkampfes im Frühsommer immer wieder verändert. Anfangs rechneten Fachleute damit, dass die regierenden Demokraten unter US-Präsident Joe Biden eine Niederlage kassieren würden. Doch inzwischen lassen die politischen Ereignisse im Land möglicherweise andere Schlüsse zu – die Republikaner scheinen nicht länger als klare Wahlsieger gesetzt.

Die auf Datenjournalismus spezialisierte US-Nachrichtenwebsite Fivethirtyeight generiert aus zahlreichen verschiedenen Umfragen einen Mittelwert und erstellt aufgrund dessen Prognosen. Fivethirtyeight zufolge liegt die aktuelle Chance, dass die Demokraten ihre Mehrheit im Senat behalten, bei 66 zu 34 Prozent und die, dass die Republikaner das Repräsentantenhaus zurückerobern, bei 69 zu 31 Prozent.

Midterm-Wahlen: Rechtsextreme Trump-Schützlinge stehen zur Wahl

Außerdem stehen bei den diesjährigen Midterms auch 36 Gouverneur:innen zur Wahl – das US-Pendant zu Ministerpräsident:innen in Deutschland. Die Gouverneur:innen der US-Bundesstaaten sind mit viel Exekutivmacht ausgestattet und spielen eine wichtige bei der Bestätigung der Wahlergebnisse und der Besetzung wichtiger Posten in den Parlamenten der Bundesstaaten. Wie auch im Senat und im Repräsentantenhaus gibt es zahlreiche republikanische Kandidat:innen, die von Ex-US-Präsident Donald Trump unterstützt werden und dessen rechtsextreme politische Linie vertreten. Viele von ihnen leugnen das Ergebnis der US-Wahl 2020.

Wahlmaschinen, wie sie bei der Stimmabgabe in den USA zum Einsatz kommen
Wahlmaschinen, wie sie bei der Stimmabgabe in den USA zum Einsatz kommen © Justin Lane/dpa

Auch bei diesen Midterm-Wahlen in den USA bestehen Zweifel daran, ob die Umfragen korrekt sind und die Prognosen richtig. Bei den Zwischenwahlen 2014 wurde zwar ein Sieg der Republikaner prognostiziert, doch diese schnitten deutlich besser ab als vorhergesagt – mit durchschnittlich 6 Prozentpunkten Vorsprung. Auch 2018 wurden die Republikaner im Senat unterschätzt und schnitten im Durchschnitt um 2,5 Prozentpunkte besser ab.

Auch 2020 lagen Umfragen und Vorhersagen daneben – zwar nicht beim Wahlausgang insgesamt, sondern beim Stimmenvorsprung. Durchschnittlich wurden die republikanischen Kandidat:innen um fast 5 Prozentpunkte unterschätzt. Insgesamt wurde die Unterstützung der republikanischen Partei in den letzten Wahlen immer wieder – mal mehr, mal weniger – unterschätzt.

Midterms: Fachleute sind sich uneins über die Wahlprognosen

Der Wahlanalyst der New York Times, Nate Cohn, sieht „Warnzeichen“, dass die jüngsten Umfragen die Demokraten erneut in den Bundesstaaten im „Rostgürtel“ im Nordosten der USA möglicherweise überschätzen, ein „Produkt anhaltender und nicht angegangener Vorurteile in der Umfrageforschung“.

Nate Silver, Chefredakteur von Fivethirtyeight, ist anderer Ansicht. Er meint, in jüngster Zeit seien eher Demokraten bei Wahlen unterschätzt worden, die nach dem Anti-Abtreibungsurteil des Supreme Courts stattfanden. Er glaubt, dass „Republikaner vielleicht nur dann von einer höheren Wahlbeteiligung profitieren, wenn Trump selbst auf dem Stimmzettel steht“. (Johanna Soll)

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