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Midterms: Wer über den Wahl-Ausgang entscheiden wird

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Von: Johanna Soll

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Die Independents sind die größte und somit wichtigste Wählergruppe in den USA. Ihre Ansichten sind uneinheitlich, doch einen Politiker lehnen sie überwiegend ab.

Washington, D.C. – Die wichtigste Wählergruppe bei US-Wahlen, wie den kommenden Midterm-Wahlen am 8. November, sind die Wechselwähler:innen. Auf Englisch werden sie Independents genannt, unabhängige Wähler:innen. Ihre Stimmenmehrheit wird entweder den Demokraten oder den Republikanern zum Wahlsieg verhelfen.

In den USA ist der Anteil der Independents in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen. Der jüngsten Umfrage des Gallup Instituts vom September zufolge definieren sich 43 Prozent als „unabhängig“, gegenüber 30 Prozent als republikanisch und 24 Prozent als demokratisch. Noch 2004 waren nur 27 Prozent Wechselwähler:innen, 38 Prozent fühlten sich den Republikanern zugehörig und 35 Prozent den Demokraten.

Independents wählten 2016 erst Trump, dann 2020 Biden

Die politischen Ansichten unter den Independents gehen weit auseinander. Wie Fokusgruppenbefragungen zeigen, befürworten sehr viele von ihnen das Recht auf Abtreibung und halten das Anti-Abtreibungsurteil des Supreme Courts von Ende Juni für falsch. Diejenigen, die 2016 Donald Trump zum US-Präsidenten wählten, wollten seinerzeit insbesondere jemanden, der außerhalb des Politikbetriebs stand.

Nachrichten beziehen Independents von lokalen TV-Sendern und nutzen für Hintergrundinformationen CNN, Fox News und Facebook. Sie wissen in der Regel sehr wenig über aktuelle Vorgänge in der Bundespolitik Bescheid. Bei den letzten vier Zwischenwahlen, wie die Midterms auch genannt werden, waren es die Wechselwähler:innen, die den Ausschlag gaben. In 1994, 2006, 2010 und 2018 entschieden sich die Independents jeweils mit mehr als 12 Prozentpunkten für die siegreiche Partei.

Wechselwähler:innen sehen Biden eher negativ

Es geht also für beide US-Parteien darum, diese Wählergruppe von sich zu überzeugen. Doch dies gestaltet sich schwierig, weil sie ein weites Spektrum an politischen Ansichten vereint. Viele von ihnen stimmten 2012 noch für Barack Obama und 2016 dann für Donald Trump. 2020 entschieden sich zahlreiche Independents, die vier Jahre zuvor Trump ins Weiße Haus beförderten, diesmal für US-Präsident Joe Biden.

Links oder rechts? Die Ergebnisse der Midterm-Wahlen werden zeigen, wozu die Independents diesmal tendieren
Links oder rechts? Die Ergebnisse der Midterm-Wahlen werden zeigen, wozu die Independents diesmal tendieren © Imago

Bei Fokusgruppenbefragungen darum gebeten, ihre Gefühle gegenüber dem Präsidenten mit einem Wort zu beschreiben, waren die Antworten der Independents wenig positiv. Sie seien Joe Biden gegenüber „gleichgültig“, „gemischt bis gleichgültig“, „gelangweilt“, „ambivalent“, „frustriert“, „verblüfft“, oder „verloren.“ Allerdings will keine:r dieser Wähler:innen, die 2016 für Trump und 2020 für Biden gestimmt hatten, erneut für Donald Trump stimmen.

In Bezug auf die Midterms trennen Independents, Meinungsforscher Rich Thau zufolge, ihre Ansichten zu Biden von jenen gegenüber den jeweiligen Kandidat:innen in ihren Bundesstaaten. „Wenn sie wählen, denken sie nicht an Biden. Sie wollen nicht ihn oder sie Demokraten für das Geschehen im Land bestrafen. Sie schauen auf die Leute, die für dieses Amt kandidieren und wer besser ist.“ (Johanna Soll)

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