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Weiße Frauen wählten mehrheitlich Republikaner – trotz Roe v. Wade

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Von: Johanna Soll

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Das Anti-Abtreibungsurteil des Supreme Courts sorgte für Entsetzten – auch bei weißen Frauen. Dennoch stimmte über die Hälfte von ihnen für Republikaner.

Washington, D.C. – Die Zusammensetzung des neuen US-Kongresses steht nach den Midterm-Wahlen noch nicht fest, weil noch unklar ist, ob die Demokraten oder die Republikaner die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus erlangen werden. Allerdings steht basierend auf Nachwahlbefragungen bereits fest, wie einzelne Wählergruppen abgestimmt haben. Weiße Frauen haben mit 53 Prozent überwiegend für republikanische Kandidat:innen votiert.

Demonstration für das Recht auf Abtreibung am 5. August in Indianapolis im US-Bundesstaat Indiana
Demonstration für das Recht auf Abtreibung am 5. August in Indianapolis im US-Bundesstaat Indiana © Jeremy Hogan/Imago

Der Supreme Court, der Oberste Gerichtshof der USA, hat im Juni das Grundsatzurteil zum Abtreibungsrecht Roe v. Wade aufgehoben, das seit 1973 bestand. Dies führte zu zahlreichen Demonstrationen, an denen sich insbesondere auch weiße Frauen beteiligten. Auch sie forderten im Sommer lautstark von der Regierung von US-Präsident Joe Biden einzugreifen und ein Gesetz zu erlassen, das das Abtreibungsrecht gewährleistet. Dennoch stimmte am Wahltag eine Mehrheit der weißen Frauen für republikanische Politiker:innen, die vorhaben, ihre reproduktiven Rechte stark zu beschränken oder sogar gänzlich abzuschaffen.

Weiße Wähler:innen gaben 73 Prozent der Stimmen ab

Der Anteil der US-Wähler:innen, die angeben, weiß zu sein, beträgt 73 Prozent. 58 Prozent von ihnen haben für die Republikaner gestimmt. Der Anteil der Wählerschaft, der angibt, schwarz zu sein, macht insgesamt 11 Prozent der Wählerschaft bei diesen Midterm-Wahlen aus. Schwarze Wähler:innen stimmten zu 86 Prozent für die Demokraten. Weiße Frauen machen 37 Prozent der Midterm-Wählerschaft aus – und mehr als die Hälfte von ihnen stimmte für die Republikaner.

Damit ist das Recht auf Schwangerschaftsabbruch in den meisten der US-Bundesstaaten in Gefahr und arme sowie nichtweiße Frauen werden diejenigen sein, die am meisten darunter zu leiden haben. Denn sie können es sich oftmals nicht leisten, sich für eine Abtreibung in einen anderen Bundesstaat zu begeben.

Weiße Frauen wählen zumeist mehrheitlich republikanisch

Anfang November berichtete das Wall Street Journal, dass bei weißen Frauen, die in den Vororten leben, ihre Präferenz von den Demokraten zu den Republikanern gewechselt sei. Sie gaben dafür Bedenken aufgrund der Inflation und der Wirtschaftslage an – obwohl die Republikaner kein Konzept zur Verbesserung der Situation vorgelegt haben. Auch als Donald Trump 2016 gegen die Demokratin Hillary Clinton gewann, waren es 52 Prozent der weißen Frauen, die ihm ihre Stimme gaben. Dazu hieß es Ende 2020 in der Washington Post:

„In den vergangenen 18 Präsidentschaftswahlen haben sie wiederholt für den republikanischen Kandidaten gestimmt, wobei sie nur für Lyndon B. Johnson und für die zweite Amtszeit von Bill Clinton eine Ausnahme gemacht haben. Wie die Politikwissenschaftlerin Jane Junn 2016 schrieb: ‚Der Elefant im Raum ist weiß und weiblich, und sie steht dort seit 1952.‘“ (Johanna Soll)

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