Gretchen Whitmer

Donald Trump hetzt gegen Gouverneurin Gretchen Whitmer: „Sperrt sie alle ein“

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Nach dem Bekanntwerden der Entführungspläne von Gouverneurin Gretchen Whitmer durch eine rechte Miliz hetzt US-Präsident Donald Trump in ihrem Bundesstaat weiter gegen sie.

  • Die versuchte Entführung von Gouverneurin Gretchen Whitmer heizt die Spannungen in den USA vor den Präsidentschaftswahlen weiter an.
  • Donald Trump bringt seine Anhänger*innen weiter gegen Whitmer auf.
  • News zur Wahl 2020: Alle Neuigkeiten und Hintergrundinformationen zu den Präsidentschaftswahlen in den USA.  

Update vom Sonntag, 18.10.2020, 14.45 Uhr: Etwas mehr als eine Woche nachdem die Pläne einer Entführung von Michigans Gouverneurin Gretchen Whitmer durch eine rechte Miliz publik wurden, hetzt US-Präsident Donald Trump erneut gegen die Demokratin. Bei einem Wahlkampfauftritt in Muskegon, Michigan am Samstagabend (17.10.2020) rief er seinen Anhänger*innen zu: „Ihr müsst eure Gouverneurin dazu bringen, euren Staat zu öffnen“ und bezog sich dabei auf die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Das Publikum reagierte mit tosendem Applaus und begann „Sperrt sie ein“ („Lock her up“) zu skandieren. „Sperrt sie alle ein“, antwortete Trump darauf.

Mehr als ein Dutzend Verdächtige wurden letzte Woche verhaftet, weil sie den Sturm auf das Repräsentantenhaus von Michigan in Lansing und die Entführung von Gouverneurin Gretchen Whitmer geplant haben sollen. Laut Gerichtsdokumenten haben die Männer das Ferienhaus Whitmers ausgekundschaftet. „Ich glaube, sie sagten, sie wurde bedroht“, sagte Donald Trump, als die Rufe erneut aufbrandeten. „Und sie hat mir die Schuld gegeben!“ Hoffentlich, so Trump, würden die Leute von Michigan sie bald fortjagen. Im Anschluss lenkte er erneut ab und forderte vom FBI, gegen die Antifa zu ermitteln.

Michigan: Donald Trump hetzt gegen Gouverneurin Gretchen Whitmer

Gretchen Whitmer selber von aufgrund der Äußerungen aufgebracht: „Das ist genau die Rhetorik, die das Leben von mir, meiner Familie und anderer Regierungsbeamter in Gefahr gebracht hat. Es muss aufhören“, schrieb sie auf Twitter. Trump sprach bei seinem Auftritt auch Hillary Clinton an. „Sperrt sie ihn“, skandierten Trumps Anhänger*innen erneut. „Haben wir Spaß?“, fragte Trump. „Gibt es einen besseren Ort als eine Trump-Rally?“

USA: Entführung von Trump-Kritikerin Gretchen Whitmer geplant

Erstmeldung vom 9.10.2020: Washington – Ihr Feindbild hieß Gretchen Whitmer. Schon lange hatten sie die demokratische Gouverneurin von Michigan ins Visier genommen, jetzt wollten sie Ernst machen. Das Ziel der Extremisten, die der rechten Miliz „Wolverine Watchmen“ nahestehen, war klar umrissen. Die scharfe Kritikerin von US-Präsident Donald Trump sollte entführt und für ihren „Verrat“ an den USA vor ein Gericht der Marke Selbstjustiz gestellt werden. Im besten Falle wollten sie damit nicht weniger als einen Bürgerkrieg anzetteln.

USA: Rechte Extremisten planten Entführung von Gouverneurin Gretchen Whitmer

So zumindest lauten die Vorwürfe gegen die 13 Extremisten, die jetzt von den Behörden in den USA festgenommen wurden. Sechs der Männer wurden formal auf Bundesebene beschuldigt. Sie sollen nach Angaben der Bundespolizei FBI auch erwogen haben, mit etwa 200 Mann das Kapitol in Michigans Hauptstadt Lansing zu stürmen und „Geiseln zu nehmen“. Der Plan sollte demnach vor den US-Wahlen am 3. November ausgeführt werden.

Michigans Gouverneurin Gretchen Whitmer sollte entführt werden.

Ende Juli habe einer der Verdächtigen gesagt, Gretchen Whitmer könne am besten bei der Ankunft oder beim Verlassen ihres privates Ferienhauses oder der Sommerresidenz der Gouverneurin entführt werden. Im August und September habe die Gruppe das Ferienhaus observiert und auch einen Sprengsatz getestet. Offenbar zog sie in Erwägung, eine Bombe unter einer nahe gelegenen Brücke detonieren zu lassen, um ein Eingreifen der Polizei bei der Entführung zu verhindern, wie die Behörden weiter schilderten.

Zudem versuchte die rechte Gruppe ganz offenbar, sich für ihre Pläne der rechtsradikalen Gruppierung „Wolverine Watchmen“ zusammenzuschließen. Von dieser Gruppe wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft sieben Männer festgenommen. „Es gibt eine besorgniserregende Zunahme von regierungsfeindlicher Rhetorik und ein erneutes Auftreten von Gruppen mit extremistischen Ideologien“, warnte Michigans Generalstaatsanwältin Dana Nessel. Dabei gehe es nicht nur um „politische Meinungsverschiedenheiten“; einige dieser Gruppen wollten in erster Linie „Chaos“ stiften.

Gouverneurin Gretchen Whitmer ist als scharfe Kritikerin von Donald Trump bekannt

Gretchen Whitmer gehört zu den aufstrebenden Figuren in der demokratischen Partei. Ihre Corona-Politik hat ihr viel Lob, aber auch harsche Kritik eingebracht. Im Frühjahr war sie von rechten Gruppen wegen ihrer harten Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie angefeindet und der „Tyrannei“ bezichtigt worden. Proteste teils schwer bewaffneter Menschen am Kapitol in Lansing sorgten landesweit für Aufsehen. Michigan gehört zu den US-Bundesstaaten, in denen es Privatpersonen erlaubt ist, offen Schusswaffen zu tragen.

Zum Tiefpunkt kam es am 1. Mai, als die Menge in das Kapitol von Michigan eindrang. Es ist nicht klar, inwieweit die Rhetorik von Donald Trump die Rechten befeuert haben könnte. Fest steht jedenfalls, dass Trump den Demonstrant*innen seine Unterstützung ausgesprochen hatte. „Dies sind sehr gute Leute, aber sie sind wütend“, hatte Trump erklärt und dann auch noch auf Twitter in der für ihn so typischen Art herausgeschrien, dass Michigan befreit gehöre: „LIBERATE MICHIGAN“.

Gouverneurin Gretchen Whitmer sieht die Schuld auch bei Donald Trump

Gretchen Whitmer selbst sagte nun auf einer Pressekonferenz, sie habe beim Amtsantritt vor 22 Monaten gewusst, dass ihre Aufgabe schwierig werden könnte. „Aber um ehrlich zu sein: Etwas Derartiges hätte ich mir niemals vorstellen können.“ Dann suggerierte sie, dass sich mutmaßliche Extremisten wie die Beschuldigten eventuell von US-Präsident Donald Trump motiviert fühlen könnten, weil der es ablehne, sich von weißen Rassist*innen klar und deutlich abzugrenzen.

Whitmer erinnerte daran, dass sich Donald Trump beim ersten TV-Duell gegen seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden geweigert hatte, rechte Hass-Gruppen eindeutig zu verurteilen. „Wenn unsere Anführer sprechen, haben ihre Worte Bedeutung, sie haben Gewicht“, sagte sie. Tatsächlich hatte Trump damals die rechtsradikale und gewaltbereite Gruppe Proud Boys mit folgenden Worten ermutigt: „Proud Boys – haltet euch zurück und haltet euch bereit.“ Nach massiver Kritik ruderte Trump später zurück.

Donald Trump reagiert empört auf Beschuldigung von Gouverneurin Gretchen Whitmer

Die Einlassungen von Gretchen Whitmer ließen natürlich auch Donald Trump nicht kalt. „Statt Danke zu sagen“ für die erfolgreiche Arbeit des FBI, „behandelt sie mich wie einen weißen Rassisten“, erklärte Trump auf Twitter. Tatsächlich toleriere er „keinerlei extremistische Gewalt“ und setze sich für den Schutz aller ein.

Die rechtsradikalen, teils schwer bewaffneten Milizen bereiten vielen Menschen in den USA vor der Präsidentschaftswahl am 3. November Kopfschmerzen, zumal Donald Trump, der in Umfragen deutlich hinter Joe Biden zurückliegt, bei vielen rechten Gruppierungen große Sympathien genießt. Sollte Trump die Wahl verlieren und eine Niederlage nicht anerkennen, ist zu befürchten, dass es in den USA zu einem Ausbruch von Gewalt kommen wird. Manche Gruppen werden dabei auch auf einen Bürgerkrieg hoffen. (Von Christian Stör)

Rubriklistenbild: © Rey Del Rio

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