1. Startseite
  2. Politik

An der Grenze zwischen USA und Mexiko droht eine humanitäre Katastrophe

Erstellt:

Von: Daniel Dillmann

Kommentare

Tausende Geflüchtete aus Südamerika harren an der Grenze in die USA aus. Nun nähern sich arktische Winde mit Minusgraden im Gepäck. Die Lage spitzt sich zu.

El Paso - An der Südgrenze der USA bahnt sich eine Katastrophe an. Tausende geflüchtete Migrant:innen aus Ländern wie Venezuela, Honduras, El Salvador und Guatemala stecken an der Grenze fest. Oscar Leeser, Bürgermeister der grenznahen Stadt El Paso und Mitglied der Demokraten, erklärte aufgrund der hohen Zahl an Geflüchteten am vergangenen Samstag (17. Dezember) bereits den Notstand. Nun nähert sich eine Kaltwetterfront dem Bundesstaat Texas. Meteorologen erwarten arktische Temperaturen unter 0 Grad Celsius und viel Schneefall.

Schon jetzt warnen deshalb zahlreiche lokale Hilfsorganisationen vor katastrophalen Zuständen an der Grenze zwischen Mexiko und der USA. Allein in der Nacht von Sonntag auf Montag sollen 1.500 Menschen den Grenzfluss Rio Grande durchschwommen haben, um auf Seiten der Vereinigten Staaten von den Grenzbehörden aufgegriffen und nach El Paso gebracht zu werden. Die Situation in der Stadt selbst sei „überwältigend“, sagte John Martin, gegenüber dem US-Portal Newsweek.

Martin ist stellvertretender Direktor des „Opportunity Center for the Homeless“, einer örtlichen Obdachlosenunterkunft, die derzeit vor allem Migrant:innen eine Unterkunft bietet. Für die prekäre Lage in seiner Einrichtung bringt Martin ein Beispiel: „Als ich gestern Abend gegen 20.00 Uhr unsere Männerunterkunft verließ, befanden sich 255 Personen in dem Gebäude, das eigentlich für 120 Personen ausgelegt ist. Wir waren also zu über 100 Prozent ausgelastet.“

Hunderte Soldaten der USA sichern die Grenze zu Mexiko. Am Rio Grande wurde über Kilometer Stacheldraht verlegt.
Hunderte Soldaten der USA sichern die Grenze zu Mexiko. Am Rio Grande wurde Stacheldraht verlegt. © IMAGO/Roberto E. Rosales

Lage an US-Grenze spitzt sich über Weihnachten zu - arktische Temperaturen erwartet

Laut der Wettervorhersage nähern sich nun besagte arktische Winde dem Bundesstaat Texas. Der Nationale Wetterdienst (NWS) hat für den größten Teil von Texas zwischen dem 21. und 27. Dezember eine Warnung veröffentlicht. Man müsse mit starken Temperaturabfällen und Schnee rechnen.

Die Lage an der Grenze zwischen den USA und Mexiko ist seit langem ein Streitpunkt zwischen den Demokraten und Republikanern. Deren letzter Präsident, Donald Trump, hatte die sogenannte Titel-42-Regelung erlassen, die unter Verweis auf die Corona-Pandemie eine schnelle Abschiebung Asylsuchender ermöglichte. Eigentlich sollte diese Regelung am Mittwochnacht (22.12.) auslaufen. Der Supreme Court, das Oberste Gericht des Landes, hatte die Aufhebung aber blockiert.

Grenze zwischen USA und Mexiko - Joe Biden will auch über Weihnachten abschieben

Die Regierung von US-Präsident Joe Biden hatte das Oberste Gericht daraufhin gebeten, die geplante Aufhebung der schwer umstrittenen Abschieberegelung nicht zu blockieren. Doch auch Biden will nicht, dass die Regelung bereits am Mittwoch ausläuft. Der Präsident will dagegen noch bis nach Weihnachten auf Grundlage von Titel 42 abschieben. Erst nach den Feiertagen soll die Regel auslaufen. Während Donald Trump, derzeit mit der Veröffentlichung seiner Steuerunterlagen konfrontiert, im Wahlkampf 2016 und 2020 mit dem Bau einer Mauer entlang der Grenze zu Mexiko auf Stimmenfang ging, hatten sich die Demokraten, namentlich Hillary Clinton und Joe Biden, immer darüber empört. Kaum im Amt will aber auch Biden offenbar die Grenzen dicht halten.

Laut Angaben der US-Behörde für Zoll und Grenzschutz verzeichnen die USA in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg von Grenzübertritten an der Südgrenze. Im September 2022 habe man einen Anstieg von mehr als 200 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat mittelt. Insgesamt seien dieses Jahr bereits mehr als zwei Millionen Menschen über Mexiko in die USA geflüchtet - mehr als jemand zuvor seit Beginn der Aufzeichnung. (Daniel Dillmann)

Auch interessant

Kommentare