1. Startseite
  2. Politik

Frage an Touristin am Los-Angeles-Zoll: „Haben Sie kürzlich abgetrieben?“

Erstellt:

Von: Johanna Soll

Kommentare

Mitarbeiter der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde an einem US-Flughafen
Mitarbeiter der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde an einem US-Flughafen © Paul Christian Gordon/Imago

Eine Australierin ist auf der Durchreise nach Kanada, als sie in Los Angeles am Zoll aufgehalten wird. Schließlich muss sie ihre Reise abbrechen.

Los Angeles – Madolline Gourley aus dem australischen Brisbane wollte sich im Sommer in Kanada als Haus- und Katzensitterin betätigen, doch daraus wurde nichts. Die 30-Jährige wurde am Flughafen in Los Angeles im US-Bundesstaat Kalifornien vom Zoll aufgehalten, vernommen und anschließend zurück nach Australien abgeschoben, obwohl sie eine Einreisegenehmigung vorweisen konnte. Was war geschehen?

Wie The Guardian berichtete, hielt der Zoll in Los Angeles Madolline Gourley bei ihrem Zwischenhalt über mehrere Stunden fest, verhörte sie zweimal, tastete sie ab, nahm ihre Fingerabdrücke und fotografierte sie. Sie trug ein weites Kleid und eine US-Grenzbeamtin fragte sie, ob sie schwanger sei, was Gourley verneinte. Als sie von einem Haftraum in den nächsten geführt wurde, wurde die Frage wiederholt. Als sie abermals verneinte, fragte die Zollbeamtin, ob sie abgetrieben habe.

Madolline Gourley: Wurde vom US-Grenzschutz wie eine Kriminelle behandelt

„Ich weiß nicht, ob sie es vergessen hatte oder ob sie herausfinden wollte, ob ich gelogen habe oder so“, sagte Madolline Gourley gegenüber The Guardian. „Ich sagte nein, und sie sah mich wieder an und sagte: ‚Haben Sie kürzlich abgetrieben?‘ Ich weiß nicht, was dahintersteckte, ich dachte nur: ‚Warum sollte das in meiner Situation relevant sein?‘“ Madolline Gourley ist der Ansicht, sie wurde vom US-Grenzschutz wie eine Kriminelle behandelt.

Ein Sprecher der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde sagte gegenüber The Guardian, die Behörde nehme „Vorwürfe wegen unprofessionellem Verhalten ernst. Wir haben ein Standardverfahren für den Umgang mit Vorwürfen wegen Fehlverhaltens. Wenn sich das Fehlverhalten von Mitarbeiter:innen bestätigt, werden wir entschiedene und angemessene Maßnahmen ergreifen, um die Situation zu korrigieren.“

Madolline Gourley betreibt einen Reiseblog, in dem sie ihre Katzensitting-Reisen dokumentiert, und durchquerte die USA auf der Durchreise nach Kanada mit dem ESTA-Programm für visumfreies Reisen. Das ESTA-Programm ermöglicht es Staatsangehörigen aus verschiedenen Ländern, darunter der EU und Australien, zu touristischen oder geschäftlichen Zwecken für Aufenthalte von bis zu 90 Tagen ohne Visum in die USA zu reisen.

Aus den USA abgeschoben wegen Haus- und Katzensittings in Kanada

Als Begründung, weshalb Madolline Gourley nach Australien abgeschoben wurde, wird der Verstoß gegen das ESTA-Programm genannt. Ein Sprecher des US-Zoll- und Grenzschutzes sagte, das Programm verbiete Antragsteller:innen, „jede Art von Beschäftigung aufzunehmen oder eine Entschädigung für erbrachte Dienstleistungen zu erhalten“. Unter diese Regelung falle auch das Haussitting im Austausch für kostenloses Wohnen, wie es Madolline Gourley in Kanada vorhatte.

Sie war bereits in der Vergangenheit für denselben Haus- und Katzensitterdienst tätig und ist dafür zuvor mehrmals problemlos mit Zwischenhalt in den USA gereist. Madolline Gourley sagte, sie sei in Los Angeles aufgefordert worden, Kontoauszüge vorzuzeigen, was sie auch getan habe. Es nützte alles nichts.

Erst kürzlich hat der Supreme Court, der Oberste Gerichtshof der USA, das Grundsatzurteil Roe v. Wade aufgehoben, das seit 1973 Abtreibungen in allen US-Bundesstaaten erlaubte. Nach aktueller Rechtslage obliegt es die Bundesstaaten, das Recht auf Abtreibung zu regeln und in etwa der Hälfte wird es Einschränkungen erfahren oder aber komplett abgeschafft werden. Allerdings gilt der bevölkerungsreichste Bundesstaat Kalifornien als liberal in sozialen Fragen und dessen Regierung will das bisherige, liberale Abtreibungsrecht unangetastet lassen. (Johanna Soll)

Auch interessant

Kommentare