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USA

Sturm auf das Kapitol: Der „Terrorismus“ des „Trump-Volkes“

  • VonMirko Schmid
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  • Jennifer Greve
    Jennifer Greve
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Am 6. Januar stürmt eine Menge das US-Kapitol. Donald Trump könnte dabei eine große Rolle gespielt haben. Ein Untersuchungsausschuss soll den Vorfall aufklären.

Zum Auftakt des Untersuchungsausschusses zum Sturm auf das US-Kapitol vom 6. Januar 2021 waren mit Aquilino Gonell, Michael Fanone, Daniel Hodges und Harry Dunn vier Polizisten geladen, die sich während des Angriffs dem aufgebrachten Mob entgegengestellt haben. Alle vier wurden dabei zum Teil schwer verletzt, in mindestens einem Fall lebensgefährlich. Einmütig nannten sie die Randalierer während ihrer Befragung „Terroristen“, Polizist Hodges verlas zur Verdeutlichung die gesetzliche Definition von Terrorismus.

Neben emotionalen, verstörenden und minutiösen Berichten nutzten die Polizisten die Gelegenheit für eine Abrechnung mit Donald Trump und Republikanern, welche im Nachgang des „terroristischen Angriffs eines Pro Trump-Mobs“ versucht hatten, die Geschehnisse kleinzureden oder die Verantwortung von Trump zu weisen. Der einzige Schwarze unter den vier Polizisten, Officer Kevin Dunn, berichtete von rassistischen Schmähungen.

Mehrfach erzählten die Polizisten, dass sie brutaler Gewalt ausgesetzt gewesen und mit dem Tode bedroht worden seien. Die Mitglieder des Untersuchungsausschusses, sieben Abgeordnete der Demokraten sowie zwei der Republikaner, zeigten sich emotional angefasst und dankten den Polizisten für ihren „heldenhaften“ Einsatz. Bisher wurden im Anschluss an die Krawalle über 530 Tatbeteiligte ermittelt und festgenommen, in einem ersten Fall wurde einer der Randalierer zu einer achtmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Die wichtigsten Aussagen der Polizeibeamten können Sie hier in unserem Ticker nachlesen.

Officer Fanone: „Sie hätten den Tod von Pilizisten in Kauf genommen“

+++ 19.15 Uhr: Weitere Videoaufnahmen zeigen, wie Polizist Michael Fanone fast von den „Terroristen“, wie sie alle vier Polizisten nennen, getötet wurde. Die Bilder zeigen deutlich, wie sich Fanone den Angreifern entgegenstellt, um den Westfront-Tunnel des Kapitols zu verteidigen, herausgezerrt und zusammengeschlagen wird. Er ist zu hören, wie er um sein Leben fleht. Der Polizist berichtet, wie er mit seinem Partner Jimmy Albright die Krypta im ersten Stock des Kapitols betreten und gesehen habe, wie eine Reihe von Einsatzkräften bis zur Erschöpfung gegen die Randalierer ankämpfte.

Er habe sie entlasten wollen, weswegen er sich einen Weg an die Front gebahnt habe. Er habe den Mob darum gebeten, die Tür schließen zu dürfen, um verletzte Beamte zu schützen. Dies, so Fanone, habe die Randalierer lediglich „verärgert“. Anschließend hätten die „Wellen der Angriffe“ begonnen, welche im Video zu sehen sind: „Sie versuchten in einer großen Gruppe an der Mündung zum Tunneleingang, sich durch die Beamten zu drängen. Sie hätten uns wohl zu Tode getrampelt, wenn ihnen das gelungen wäre. Sie hätten mit Sicherheit den Tod von Polizisten in Kauf genommen.“

Officer Dunn: „Es ist nicht schwer, die Wahrheit zu sagen“

Im Video ist zu sehen, wie mehrere der „Terroristen“ auf Fanone losstürmten, nachdem dieser zu Boden gegangen war. Der Polizist ist zu hören, wie er um sein Leben fleht und an die Menschlichkeit der Aufständischen appelliert, indem er ruft: „Ich habe Kinder.“ Tatsächlich sind anschließend einige Randalierer zu sehen, die ihn aufheben und an die Polizei übergeben. Jemand ruft: „Wir brauchen einen Sanitäter. Wir brauchen einen Rettungssanitäter. Jetzt!“

Officer Michael Fanone wurde am 6. Januar für vier Minuten bewusstlos geprügelt, erlitt einen Herzinfarkt und Hirnverletzungen.

Officer Harry Dunn verwehrt sich „Narrativen“, wonach es sich bei dem „terroristischen Anschlag“ um eine „unpolitische“ Attacke gehandelt habe: „Die Leute riefen ‚Stoppt den Diebstahl!‘. Es gibt immer noch Leute, die sagen, das Ganze sei nicht politisch gewesen. Aber das war es. Daran gibt es kein Vorbei. Es ist nicht schwer, die Wahrheit zu sagen. Es war schwer, an diesem 6. Januar. An den Tagen danach zum Dienst zu gehen, war schwer. Aber es kann nicht schwer sein, die Wahrheit zu sagen. Nichts hat sich geändert. Republikaner wie Liz Cheney und Adam Kinzinger werden angefeindet, anstatt sie als wahre Helden zu bezeichnen. Warum? Weil sie sich trauen, die Wahrheit zu sagen?“ 

Sturm auf das Kapitol: Polizist nimmt Donald Trump persönlich in die Verantwortung

+++ 18.31 Uhr: Es folgen Bilder, die zeigen, wie Officer Hodges vor Schmerzen schreit, während er von der aufgebrachten Menge beinahe in einem Türrahmen zerquetscht wird, als er beim Versuch, den Zugang zu den Abgeordnetenbüros zu sichern zwischen die Reihen gerät. Die demokratische Abgeordnete Stephanie Murphy berichtet von den Schreien, die sie gehört hat. Demnach riefen sich die Einsatzkräfte gegenseitig zu, dass sie nicht wüssten, ob sie die letzte Linie verteidigten.

Officer Daniel Hodges wurde fast zu Tode gequetscht, als er sich in einen Türrahmen stemmte, um „für die Demokratie“ zu kämpfen.

Murphy: „Ich kann euch sagen, das habt ihr. Ich habe zwei kleine Kinder, sie sind die Liebe meines Lebens. Ich bin mir sicher, dass ich sie nur wieder in die Arme schließen konnte, weil ihr unter Aufopferung eurer eigenen Gesundheit die Stellung gehalten und uns beschützt habt. Dafür möchte ich euch von tiefstem Herzen danken.“

Befragt nach seiner Motivation, bis zum wortwörtlich Letzten die Stellung zu halten, sagt Hodges: „Ich habe für die Demokratie gekämpft. Wir alle wussten um die knappen Mehrheitsverhältnisse. Wäre irgendjemand von euch zu Schaden gekommen oder gar gestorben, hätte das gravierende politische Auswirkungen haben können. Wir haben für die Demokratie gekämpft, für alle hier im Haus und für die Zukunft unseres Landes.“

Seargent Aquilino Gonell nimmt Donald Trump persönlich in die Pflicht

+++ 18.09 Uhr: Seargent Aquilino Gonell kritisiert Donald Trump scharf für dessen Behauptung, bei den Randalierern habe es sich um eine „liebende Menge“ gehandelt: „Für mich ist das beleidigend. Einfach nur demoralisierend wegen allem, was wir getan haben, um zu verhindern, dass Menschen im Kapitol verletzt werden.“ Der Polizist geißelt Trump für das, „was er tat, anstatt das Militär zu schicken. Anstatt Unterstützung zu schicken oder seinen Leuten, seinen Unterstützern, zu sagen, dass sie diesen Unsinn beenden sollen. Stattdessen flehte er sie an, weiterzukämpfen.“

Voller Verachtung fügt Gonell hinzu: „Ich erhole mich immer noch von diesen Umarmungen und Küssen an diesem Tag, von denen Trump sprach.“ Es habe sich bei den „Terroristen“ nach deren eigener Aussage und Menschen gehandelt, „die von Trump geschickt wurden“: „Das war nicht die Antifa. Das war nicht ‚Black Lives Matter“. Das war nicht das FBI. Das waren seine Anhänger, die er an diesem Tag ins Kapitol geschickt hat. Er hätte so viel tun können, er hätte ihnen befehlen können, damit aufzuhören.“

Officer Hodges: „Terrorangriff Weißer Rassisten, die Donald Trump folgten“

Officer Harry Dunn betont: „Ich habe nur versucht, diesen Tag zu überleben und nach Hause zu kommen. Solange mein Blut rot ist, werde ich amerikanischer Staatsbürger sein. Auch wenn mich Menschen wegen meiner Hautfarbe dämonisieren. Ich bin kein Polizist, ich bin Friedensoffizier. Ich bin hier, um dieses Land zu verteidigen, um jeden in diesem Gebäude zu verteidigen.“

Wie alle vier Polizisten kämpft auch Officer Harry Dunn immer wieder mit den Tränen.

Officer Daniel Hodges nennt den Sturm auf das Kapitol einen „Terrorangriff Weißer Rassisten“: „Es waren in der überwältigenden Mehrheit Weiße Männer. Mich haben sie nicht rassistisch beleidigt, aber meine Schwarzen Kollegen. Es war deutlich, dass viele von ihnen Rassisten waren und sie alle folgten Donald Trump.“

Republikaner kämpft mit den Tränen: „Wir sitzen nur hier, weil ihr Jungs da wart“

Der republikanische Abgeordnete Adam Kinziger ergreift das Wort und kämpft mit brüchiger Stimme gegen seine Tränen an: „Wir sitzen heute nur hier, weil ihr Jungs da wart. Wir mögen in anderen politischen Fragen Differenzen haben. Aber heute sitzen wir hier alle als Amerikaner. Ich danke euch, dass ihr die Stellung gehalten habt.“

Kinzinger fügt hinzu: „Ihr seid Vier mit einer Geschichte. Aber da sind Hunderte weitere mit Geschichten von diesem Tag. Ihr repräsentiert sie. Es ist nicht akzeptabel, dass in diesem Gebäude von gewählten Abgeordneten die Gewalt verharmlost wird, die ihr erlitten habt.“ Der Abgeordnete, selbst Mitglied der Nationalgarde, fügt hinzu: „Wir hören da draußen, dass es Zeit ist, die Vergangenheit ruhen zu lassen und einfach weiterzumachen.“ Er fragt die Polizisten: „Fühlt sich das wie abgeschlossene Geschichte an und ist es an der Zeit, einfach weiterzumachen?“ Alle vier Polizisten verneinen.

Der Republikaner betont: „Es handelte sich um einen Angriff unseres eigenen Volkes, gefördert und ermutigt durch jene, denen durch ein System Macht verliehen wurde, das sie an diesem Tag stürzen wollten.“ Ähnlich äußert sich der Demokrat Adam Schiff: „Ich danke euch für all die leben, die ihr an diesem Tag gerettet habt. Eines davon könnte meins sein. Ihr seid wahre Helden.“ Auch Schiff versagt zum Ende seiner Einlassungen die Stimme.

Der republikanische Abgeordnete Adam Kinziger ist sichtlich ergriffen, als er den Polizisten dankt: „Ich hätte nicht gedacht, dass eure Geschichten mich emotional so mitnehmen werden. Wir alle sitzen nur hier, weil ihr da wart.“

Anschließend werden weitere Bilder vom Tag des „terroristischen Angriffs des Trump-Volks“, wie Officer Fanone den Sturm auf das Kapitol nennt, gezeigt. Randalierer schießen mit Feuerwerkspistolen aus nächster Nähe auf Einsatzkräfte, einer ruft: „Ihr werdet heute sterben.“ Fanone: „Sie riefen ‚Make America Great Again‘, ‚Donald Trump ist unser Präsident‘, sowas. Sie waren hochgerüstet und vorbereitet. Sie trugen Schutzkleidung, Waffen, einige hatten militärische Schilde dabei.“

Sturm auf das Kapitol: Tränen im Sitzungsaal, Polizisten berichten von Rassismus und Gewalt

+++ 17.30 Uhr: Während ihren minutiösen Berichten der Vorfälle vom 6. Januar kämpfen alle vier Polizisten mit den Tränen, häufig bricht ihre Stimme. Sergeant Aquilino Gonell muss seine Aussage mehrfach unterbrechen und bittet um Entschuldigung, als er zum Taschentuch greift. Die Aussagen der Polizisten ähneln sich darin, dass sie von brutaler Gewalt erzählen. Von Verletzungen und posttraumatischen Belastungsstörungen, die sie erlitten haben. Gonell, der mit einem chemischen Spray angegriffen wurde, das Verbrennungen auf seiner Haut hinterließ und eine Notoperation notwendig machte, sagt: „Für mich ist dieser Tag noch immer nicht vorbei. Dieser Tag ist für uns weiterhin ein Trauma, buchstäblich jeden Tag.“

Officer Daniel Hodges berichtet von Flaggen, mit denen die Einsatzkräfte attackiert wurden: „Sie schlugen uns wortwörtlich mit der Flagge, der wir dienen. Es waren dutzende Flaggen. Die Flagge der USA, Trump-Flaggen und, das ist für mich das Schlimmste, Flaggen der Einsatzkräfte der USA. Sie trugen unsere Flagge, während sie unsere Anweisungen missachteten und auf uns einschlugen.“ Er beschreibt die Motivation der Angreifer: „Es war klar, dass sich die Terroristen als Christen verstanden. Ich sah die christliche Flagge direkt vor mir, eine weitere mit der Aufschrift ‚Jesus ist mein Retter, Trump ist mein Präsident.‘ Und eine mit der Aufschrift ‚Jesus ist König‘.“

Aus der Menge habe jemand sarkastisch gerufen: „Hier kommen die Jungs in Blau! So mutig“ Ein anderer hätte damit gedroht, dass die Einsatzkräfte, die sich gegen den Mob stellten, „auf Knien sterben“ würden. Hodges überlebte die Angriffe, erlitt dabei aber schwere Verletzungen und eine Gehirnerschütterung. Er erinnerte sich daran, dass er dankbar war, an diesem Abend andere Mitglieder seines Teams in der Capitol Crypt zu sehen.

Polizeibeamten berichten von brutaler Gewalt von „Terroristen“ eines „Pro Trump-Mobs“

Die Angreifer hätten ihn geschlagen und versucht, mit „metallenen Gegenständen“ auf ihn einzustechen. Sie haben ihm seine Dienstwaffe entreißen, ihm seine Gasmaske vom Gesicht ziehen und ihm seine Augen ausstechen wollen, so Hodges. Abwechselnd habe der Mob ihn angegriffen und versucht, ihn auf seine Seite zu ziehen. Ein Mann in einem QAnon-Shirt habe gesagt: „Es ist an der Zeit für dich, dich zu entscheiden, auf welcher Seite der Geschichte du stehst.“ Einer der Randalierer habe gesagt: „Greift uns nicht an! Wir sind nicht ‚Black Lives Matter‘!“ Hodges: „Als ob wir uns durch unsere politischen Überzeugungen davon leiten lassen, wen wir angreifen.“

Seargent Aquilino Gonell, der am 6. Januar 2021 schwer verletzt wurde, muss eine Aussagen immer wieder unterbrechen, um gegen Tränen anzukämpfen.

Michael Fanone, Officer der Metropolitan Police, berichtet, dass ein „bewaffneter Pro Trump-Mob“ ihn und seine Kollegen schlug und damit bedrohte, ihn mit seiner „eigenen Waffe zu töten“. Er selbst erlitt einen Herzinfarkt und eine traumatische Hirnverletzung. Mit deutlichen Worten verurteilte er republikanische Gesetzgeber, die den Angriff vom 6. Januar „leugnen oder herunterspielen“: „Ich fühle mich, als wäre ich in die Hölle und zurück gegangen, um sie zu beschützen. Zu viele von ihnen sagen mir jetzt, dass die Hölle nicht existiert hat oder die Hölle eigentlich gar nicht so schlimm war“, sagt Fanone und schlägt mit der Faust auf die Tischplatte vor ihm: „Die Gleichgültigkeit gegenüber meinen Kollegen ist eine Schande.“

„Nichts, wirklich nichts, hat mich darauf vorbereitet, vor gewählten Mitgliedern unserer Regierung zu sprechen, die die Ereignisse dieses Tages weiterhin leugnen“, fährt Fanone fort. „Sie verraten damit ihren Amtseid.“

Officer berichtet von rassistischer Gewalt gegen Polizeibeamte am 6. Januar 2021

Weiter berichtet Fanone: „Irgendwann während der Kämpfe wurde ich aus der Reihe der Einsatzkräfte in die Menge gezerrt, ich hörte jemanden schreien: ‚Ich habe einen‘.“ Anschließend hätten die „Terroristen“ ihn entwaffnet und wiederholt mit einem Taser traktiert und mit Fäusten und „Gegenständen, die sich nach Metall anfühlten“ auf ihn eingeschlagen: „Ich bin mir sicher, dass ich geschrien habe, aber ich glaube, ich konnte nicht einmal meine eigene Stimme hören.“ Er habe kurz überlegt, seine Waffe gegen die Randalierer zu richten, sich aber dagegen entschieden, bevor er bewusstlos geschlagen wurde. Bis heute leide er unter einem psychischen Trauma.

US Capitol Officer Harry Dunn, am heutigen Tag der einzige Schwarze Polizist, der seine Aussage vor dem Untersuchungsausschuss macht, berichtet, dass einer der „Terroristen“, wie alle vier Polizisten die Randalierer einmütig nennen, gerufen habe: „Dieser Nigger hat Joe Biden gewählt!“ Daraufhin habe die Masse gebuht und ihn erneut „Nigger“ genannt. Dunn: „Niemals zuvor wurde ich Nigger genannt, während ich die Uniform der Capitol Police trug.“

Anschließend habe einer der Randalierer gerufen: „Leg deine Waffe ab, dann zeigen wir dir, was wir mit Niggern wie dir machen.“ Seine Schlussfolgerung: „Diese Menschen haben uns Schwarze Polizisten nicht nur für das verachtet, was wir repräsentieren, sondern auch für unsere Hautfarbe.“

Sturm auf das Kapitol: Ausschuss beginnt mit verstörendem Video

Update vom 27.07.2021, 15.55 Uhr: Die Anhörung beginnt mit den Aussagen von vier am 6. Januar im US-Kapitol eingesetzten Polizeibeamten. Zunächst wird ihnen ein Video mit verschiedenen Szenen der Ausschreitungen und Funksprüchen vorgespielt, welche Einsatzkräfte zum Teil in deutlich hörbarer Panik an die Einsatzzentrale abgesetzt hatten. Zu sehen ist unter anderem, wie aufgebrachte Trump-Fans mit Eishockeyschlägern auf Polizisten einprügeln. Einer der Randalierer hält einen Telefonhörer in der Hand und sagt: „Hallo, Nancy Pelosi? Wir kommen dich holen, Schlampe. Oh, hallo, Mike Pence? Dich kommen wir auch holen, Verräter!“

Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Bennie G. Thompson eröffnet die Befragung in Anschluss an die Vorführung des Videos: „Wir können es nicht erlauben, unsere Demokratie von Lügnern und Betrügern angreifen zu lassen. Wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika.“

Die Republikanerin Liz Cheney eröffnet für die Ausschussmitglieder ihrer Partei: „Meine Partei hat im Senat verhindert, dass wir uns mit den schrecklichen Taten vom 6. Januar im Kongress auseinandersetzen, deswegen sitzen wir jetzt in diese Runde hier.“ Klare Kritik richtet sie an ihre eigene Partei: „Wir müssen die vielen Bemühungen überwinden, die wir bereits sehen, die Fakten zu vertuschen und zu verschleiern.“

Liz Cheney: „Unsere Kinder schauen zu. Sie müssen wissen, wer für die Wahrheit einsteht“

Ihre Befürchtung: „Wenn die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen werden und der Kongress nicht verantwortungsbewusst handelt, wird dies ein Krebsgeschwür bleiben, das in unserer Verfassung und unserer Republik wuchert. Und dann wird die friedliche Machtübertragung als Herzstück unseres demokratischen Systems untergraben.“

Anschließend appelliert Cheney an die Integrität des politischen Betriebes der USA: „Wir können nicht ungeschehen machen oder verleugnen, was an diesem Tag passiert ist. Der 6. Januar hat das bedroht, was das Wichtigste für unser Zusammenleben ist: die Regentschaft des Rechts. Unsere Kinder schauen zu. Sie müssen wissen, wer für die Wahrheit einsteht.“

Das amerikanische Volk verdiene eine „transparente Aufzeichnung“ dessen, was „jede Minute dieses Tages“ im Weißen Haus passiert ist, bis hin zu jedem Telefonanruf und Gespräch vor und während des Angriffs, so Cheney.

Die Anhörungen beginnen mit der Vernehmung von vier am 6. Januar 2021 gegen die Ausschreitungen am und im US-Kapitol eingesetzten Polizisten.

Sturm auf das Kapitol: Ausschuss nimmt Arbeit auf

Erstmeldung vom 27.07.2021, 13.11 Uhr: Washington, D. C. - Am Dienstag (27.07.2021) findet die erste Sitzung des Untersuchungsausschusses zu den Vorfällen am 6. Januar in den USA statt. Der Sturm auf das US-Kapitol hat fünf Menschen das Leben gekostet, unzählige andere wurden verletzt und traumatisiert.

Die Zusammenstellung des Ausschusses hatte einige Diskussionen ausgelöst - es sind sieben Demokrat:innen und zwei Republikaner:innen eingesetzt. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, wählte ausgesprochene Trump-Kritiker in den Ausschuss - Trump-nahe Abgeordnete blieben hingegen außen vor.

Demokratin Nancy Pelosi stellt sich gegen zwei republikanische Ausschuss-Vorschläge

Pelosis begründete ihre Entscheidung mit einer Befangenheit der republikanischen Kandidaten Jim Jordan und Jim Banks. Minderheitsführer und Republikaner Kevin McCarthy drohte daraufhin, alle seine Vorschläge zurückzuziehen.

Pelosi bot ihm an, seine drei anderen Kandidaten zu übernehmen und ihm zwei weitere Nominierungen einzuräumen. Darüber hinaus lud sie zwei weitere Republikaner:innen in den Ausschuss ein, Liz Cheney und Adam Kinzinger. Beide sind für ihre Kritik der Trump-Regierung bekannt

Beim gewalttätigen Sturm auf das Kapitol im Januar kamen fünf Menschen ums Leben. Am Dienstag (27.07.2021) startet die erste Anhörung des Untersuchungsausschusses. (Archivbild)

6. Januar-Ausschuss: Diskussionen zwischen demokratischer und republikanischer Partei

In der Planung bestand der Ausschuss aus der gleichen Anzahl an Mitgliedern der demokratischen und republikanischen Partei. Ihre Mitwirkung wäre demnach gleichberechtigt gewesen. Jetzt sollen sieben Demokrat:innen und zwei Republikaner:innen im US-Untersuchungsausschuss den Kapitol-Sturm am 6. Januar aufklären.

„Vielleicht können die Republikaner nicht mit der Wahrheit umgehen, aber wir haben die Verantwortung, sie zu suchen und zu finden, und zwar auf eine Weise, die das Vertrauen des amerikanischen Volkes aufrechterhält“, sagte Pelosi über die Diskussionen um den Ausschuss.

Das sind die Mitglieder des Untersuchungsausschusses zum Kapitol-Sturm in den USA:

  • Demokrat Bennie G. Thompson, Ausschussvorsitzender und Repräsentant Mississippi
  • Demokrat Adam Schiff, Repräsentant California
  • Demokrat Jamie Raskin, Repräsentant Maryland
  • Demokratin Zoe Lofgren, Repräsentantin Kalifornien
  • Demokrat Pete Aguilar, Repräsentant Kalifornien
  • Demokratin Stephanie Murphy, Repräsentantin Florida
  • Demokratin Elaine Luria, Repräsentantin Virginia
  • Republikanerin Liz Cheney, Repräsentantin Wyoming
  • Republikaner Adam Kinzinger, Repräsentant Illinois
  • Leitende Mitarbeiter:
  • David Buckley, Personaldirektor (Staff Director)
  • Kristin Amerling, Stellvertretende Personaldirektorin und leitende Beraterin (Deputy Staff Director/Chief Counsel)
  • Demmokratin Hope E. Goins, Beraterin des Vorsitzenden (Counsel to the Chairman)
  • Candyce Phoenix, Leitende Beraterin (Senior Counsel/Senior Advisor)
  • Demokrat Tim Mulvey, Kommunikationsdirektor (Communications Director)

Sturm auf US-Kapitol fordert Menschenleben - Ausschuss startet mit Untersuchung

Am 6. Januar hatten, nach einer Rede Donald Trumps, Demonstrant:innen das US-Kapitol gestürmt. Fünf Menschen starben, weitere wurden verletzt. Trump stellte den Vorfall als „friedliche“ Versammlung dar, bei der „Liebe in der Luft“ gelegen habe, so der Ex-Präsident der USA.

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Viele der Mitglieder des Untersuchungsausschusses sind bekannte Trump-Kritiker. Einige waren maßgeblich an dem Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump beteiligt. Am Dienstag um 15 Uhr startet die erste Anhörung. (jey/msc/dpa)

Rubriklistenbild: © Jim Bourg/Pool/Imago

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