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US-Präsident

Armenien: Joe Biden erkennt Völkermord an - Türkei kritisiert „Belehrungen“

  • VonMirko Schmid
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  • Friederike Meier
    Friederike Meier
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US-Präsident Joe Biden nennt den Völkermord an den Armeniern beim Namen. Die Türkei reagiert und bestellt den US-Botschafter ein.

Update vom Sonntag, 25. April 2021, 16.17 Uhr: Die Kritik der Türkei an Joe Bidens Anerkennung des Völkermords von Armenien ebbt nicht ab. Die Türkei müsse sich „von niemandem über unsere Geschichte belehren lassen“, schrieb Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu Minuten nach der Veröffentlichung von Bidens Erklärung auf Twitter. „Worte können die Geschichte nicht ändern oder umschreiben.“ Staatschef Recep Tayyip Erdoğan erklärte, das Thema dürfe nicht „durch Dritte politisiert“ und „als Instrument zur Einmischung in unserem Land“ missbraucht werden. Stattdessen solle die Debatte Historiker:innen überlassen werden.

Armenien: Joe Biden erkennt Völkermord an - Türkei kritisiert „schweren Fehler“

Update, 25. April 2021, 6.45 Uhr: Die Entscheidung von US-Präsident Joe Biden, den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich anzuerkennen, belastet die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei. Das türkische Außenministerium hat nun den US-Botschafter in Ankara einbestellt. Das berichtet die türkische Nachrichtenagentur Anadolu News.

Man habe Botschafter David Satterfield mitgeteilt, dass man die Entscheidung Joe Bidens aufs Schärfste verurteile und es dem US-Präsidenten weder juristisch noch moralisch zustehe, über die Geschichte der Türkei zu urteilen. In Richtung Washington DC formulierte das türkische Außenministerium die Forderung, „diesen schweren Fehler zu korrigieren, der keinem Zweck dient, außer manche politischen Kreise zu befriedigen“.

Völkermord an Armenieren: Joe Biden telefoniert mit Recep Tayyip Erdogan

+++ 19:15 Uhr: Nach seinem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan hat Joe Biden den Völkermord des Osmanischen Reiches an der Bevölkerung Armeniens offiziell anerkannt. In einer Stellungnahme, die das Weiße Haus anlässlich des Gedenktages an die Massaker verbreitet hat, heißt es: „Das amerikanische Volk ehrt all jene Armenier, die in dem Völkermord, der heute vor 106 Jahren begann, umgekommen sind.”

Die Reaktion aus der Türkei erfolgte umgehend und erwartungsgemäß erbost. Mevlüt Çavuşoğlu, Außenminister unter Recep Tayyip Erdoğan, wies Bidens Anerkennung des Völkermords umgehend und „vollständig“ zurück. Diese basiere auf „reinem Populismus“. Auf Twitter schrieb der Politiker der Regierungspartei AKP: „Wir haben nichts von niemandem über unsere eigene Vergangenheit zu lernen. Politischer Opportunismus ist der größte Verrat an Frieden und Gerechtigkeit.“ Zuvor hatte Çavuşoğlu es der USA einem türkischen Fernsehsender gegenüber freigestellt, „die Beziehungen zum Nato-Partner Türkei weiter zu verschlechtern“.

Türkeis Präsident Recep Tayyip Erdogan und Joe Biden in Istanbul. (Archivbild)

Völkermord an Armeniern: Joe Biden hält an Plan fest - Tausende Menschen erinnern an Opfer

+++ 12.45 Uhr: Während immer noch darauf gewartet wird, ob Joe Biden seine Ankündigung umsetzt und den Völkermord an den Armeniern vor mehr als hundert Jahren anerkennt, sind in Armenien tausende Menschen auf die Straßen gegangen. Sie erinnerten am Freitagabend mit einem Fackelmarsch an die bis zu 1,5 Millionen Opfer des Genozids im Ersten Weltkrieg.

Der Trauermarsch bliebt weitgehend friedlich. Einzelne Teilnehmer, laut der Nachrichtenagentur AFP aus dem Lager der nationalistischen Partei, verbrannten Flaggen der Staaten Türkei und Aserbaidschan.

Völkermord an den Armeniern: Joe Biden telefoniert mit Recep Tayyip Erdogan

Update vom 24. April 2021, 6.35 Uhr: Joe Biden hält offenbar an seinem Vorhaben, das Massaker im Osmanischen Reich an der armenischen Bevölkerung vor mehr als 100 Jahren als Völkermord zu bezeichnen. Das soll der US-Präsident nun auch seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan mitgeteilt haben.

Wie unter anderem die Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg melden, soll Joe Biden den türkischen Präsidenten Erdogan in dieser Sache am Freitagabend angerufen haben. Es war das erste Gespräch seit der Amtsübernahme Bidens in den USA. Die beiden Staatschefs vereinbarten ein bilaterales Treffen am Rande des kommenden Nato-Gipfels im Juni.

Sollte Joe Biden die Ereignisse vor mehr als 100 Jahren als Völkermord an den Armeniern bezeichnen, würde das die Beziehungen der Nato-Staaten USA und Türkei beschädigen, heißt es aus Ankara. Bereits im Jahr 2016 hatte der Bundestag den Völkermord als solchen anerkannt. Erdogan hatte die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei daraufhin als nachhaltig beschädigt bezeichnet.

Völkermord an Armeniern: Joe Biden bleibt bei seinem Plan

Erstmeldung: Washington – US-Präsident Joe Biden will nach Informationen von US-Medien noch in dieser Woche das Massaker an den Armenier:innen im Ersten Weltkrieg offiziell als Völkermord anerkennen - und damit eine Belastung der Beziehungen zur Türkei in Kauf nehmen.

Die New York Times und das Wall Street Journal berichteten am Mittwoch (21.04.2021), Biden werde dies voraussichtlich am Samstag, dem 24. April, tun - wenn er nicht doch noch seine Meinung in dieser brisanten Frage in letzter Sekunde ändere. Er wäre der erste US-Präsident, der die Massaker als Völkermord bezeichnen würde.

Joe Biden will Völkermord in Armenien anerkennen: Folgen für Türkei und USA

Der 24. April 1915 markierte den Beginn der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich. Diese werden von rund 30 Staaten als Völkermord anerkannt. Schätzungen zufolge wurden damals von den Soldaten des Osmanischen Reiches zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Armenier:innen getötet.

Joe Biden

Alle Informationen und Neuigkeiten zum US-Präsidenten finden Sie auf der Joe Biden-Themenseite.

Jen Psaki, die Sprecherin des Weißen Hauses, wollte der New York Times zufolge die Nachricht nicht kommentieren. Sie sagte allerdings, die Regierung werde dazu „am Samstag mehr sagen“. Der armenische Außenminister Ara Aivazian sagte der Zeitung zufolge in einem Interview, die Anerkennung des Völkermordes durch die USA würden ein „moralisches Vorbild“ für viele Länder sein. „Es geht hier nicht um Armenien und die Türkei“, sagte Aivazian. „Es geht um unsere Verpflichtung, den vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Völkermord anzuerkennen und zu verurteilen.“

Türkei: Anerkennung des Völkermord durch Joe Biden und USA verschlechtert Beziehungen

Die Türkei wehrt sich auch unter Recep Tayyip Erdogan vehement gegen die Verwendung des Begriffs Völkermord und spricht von einem Bürgerkrieg, in dessen Verlauf auf beiden Seiten Hunderttausende ihr Leben verloren. Die Anerkennung des Massakers als Völkermord würde die Beziehungen der USA zur Türkei verschlechtern.

So sagte der türksiche Außenminister Mevlut Cavusoglu in einem Interview mit der türkischen Zeitung Habertürk, die USA müssten „internationales Recht akzeptieren.“ Statements wie diese hätten keine rechtliche Bindung, aber sie schadeten den Beziehungen. Wenn die USA das wollten, sei das ihre Entscheidung.

Der Bundestag hatte die Massaker an den Armeniern im Juni 2016 als Völkermord eingestuft. Dies löste eine schwere diplomatische Krise mit der Türkei aus. Im Dezember 2019 erkannte auch der Kongress der USA in einem symbolischen Votum die Massaker als Völkermord an. (Friederike Meier, mit apf)

Rubriklistenbild: © Mustafa Kamaci

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