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Kabinett Joe Biden

Janet Yellen: Eine Frau hat in den USA künftig das Geld in der Hand

  • Tanja Kokoska
    vonTanja Kokoska
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Der neue US-Präsident Biden besetzt erste Schlüsselposten: Ex-Fed-Chefin Janet Yellen soll Finanzministerin werden.

  • Der gewählte US-Präsident Joe Biden will Janet Yellen zur Finanzministerin machen.
  • Die Ex-Notenbankchefin war von Donald Trump gnadenlos ausgebootet worden.
  • Alle Hintergrundinformationen über den scheidenden Präsidenten der USA finden Sie in den Trump News.

Washington - An der Spitze des mächtigen US-Finanzministeriums soll jetzt erstmals eine Frau stehen: die ehemalige Notenbankchefin Janet Yellen. Ein Coup für den neuen Präsidenten, ein Affront gegen den alten. Donald Trump bootete sie – wie so viele andere – gnadenlos aus: Vor zwei Jahren verweigerte er Yellen eine zweite Amtszeit als Chefin der Notenbank Federal Reserve, die sie seit 2014 führte. Er entschied sich gegen sie, um der Fed „eine eigene Handschrift“ zu verpassen.

Joe Biden will den Ruhestand der 74-Jährigen nun beenden. Als Ex-Notenbankchefin genießt sie parteiübergreifend Anerkennung. Sie vertritt eine lockere Geldpolitik, unter Bankern gilt sie als „Supertaube“, die für die Strategie steht, die Märkte mit Geld zu überschwemmen, damit die Zinsen niedrig bleiben und die Banken leichter Kredite vergeben können.

Janet Yellen war schon Berater von Bill Clinton

Sie hat an den besten Universitäten der Vereinigten Staaten studiert, geforscht und gelehrt – in Yale, Harvard, Berkeley. Sie beriet schon US-Präsident Bill Clinton bei der Wirtschaftspolitik und zählte 2005 – drei Jahre vor dem weltweiten Finanzmarktkollaps – zu den Ersten, die die Entwicklung der US-Immobilienpreise als gefährliche Blase bezeichneten.

Macht mit 74 Jahren nochmal Karriere: Janet Yellen, hier 2017 als Chefin der US-Notenbank.

Jetzt, mitten in der Corona-Pandemie, sprach sich dafür aus, die Krise auch durch fiskalpolitische Stützungsmaßnahmen zu bekämpfen, etwa durch höhere Ausgaben für staatliche und lokale Regierungen, die ihrer Ansicht nach „erhebliche Unterstützung“ benötigen, um weiteren Stellenabbau zu vermeiden.

Yellen muss mit einer leidenden Wirtschaft umgehen, mit hoher Arbeitslosigkeit, mit horrender Staatsverschuldung. Aber ihr wird viel zugetraut: „Sie ist außerordentlich talentiert“, sagte Diane Swonk, Chefökonomin bei der US-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton, zur Nachrichtenagentur AP. „Sie ist in dieser herausfordernden Zeit die richtige Person. Sie hat jede Krise bewältigt.“ Auch bei anderen Positionen in seiner künftigen Administration setzt Biden auf Vertraute – und auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus seiner Zeit als Vizepräsident von Barack Obama in den Jahren 2009 bis 2017.

John Kerry kehrt zurück

Beim Heimatschutzministerium deutet sich ebenso ein Novum an: Alejandro Mayorkas, ein gebürtiger Kubaner, soll die Leitung übernehmen – er wäre der erste aus Lateinamerika stammende Politiker an der Spitze des Ministeriums. Unter Obama war der heute 60-Jährige Vizeheimatschutzminister, zuvor leitete er die US-Einwanderungsbehörde USCIS. Außenminister soll Antony Blinken werden. Der 58-Jährige ist Europa zugewandt und gilt als Befürworter des Multilateralismus. So war er einer der Architekten des internationalen Atomabkommens mit dem Iran, das Trump im Mai 2018 aufkündigte. Einen Teil seiner Schulzeit verbrachte der gebürtige New Yorker in Paris, wo sein Stiefvater, der Holocaustüberlebende Samuel Pisar, als Jurist arbeitete. Später war Blinken selbst eine Zeitlang als Anwalt in der französischen Hauptstadt tätig.

Mit seiner Entscheidung für einen Klimaschutzbeauftragten macht Biden deutlich, welchen Stellenwert er – im Gegensatz zu Trump – dem Kampf gegen die Erderwärmung einräumt. Der frühere Außenminister John Kerry soll Sonderbeauftragter des Präsidenten für den Klimaschutz werden – und als solcher Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats. Der 76-jährige Kerry ist ein vertrautes Gesicht: Zwischen 2013 und 2017 war er Obamas Außenminister und damit auch US-Chefdiplomat bei der Unterzeichnung des Pariser Klimaschutzabkommens Ende 2015. Trump hat die USA aus dem Abkommen geführt, Biden will sofort nach seinem Amtsantritt zurückkehren.

In weiteren Schlüsselpositionen sind: Linda Thomas-Greenfield, die Diplomatin soll US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen werden. Die Afroamerikanerin, 68, war unter Obama Staatssekretärin für Afrikaangelegenheiten. Ron Klain, ein langjähriger Vertrauter Bidens, den er nun zum Stabschef im Weißen Haus machen will – etwa vergleichbar mit dem Kanzleramtschef in Deutschland. Der 59-jährige Jurist arbeitete in den 80er Jahren für den Demokraten und wurde 2009 Stabschef des damals neuen Vizepräsidenten Biden. Jake Sullivan soll Nationaler Sicherheitsberater werden und damit einen der wichtigsten Posten im Weißen Haus übernehmen. Der 43-Jährige war Bidens Sicherheitsberater in dessen Zeit als Vizepräsident. Und Avril Haines, 51, frühere Vizechefin des Auslandsgeheimdiensts CIA, soll als erste Frau der US-Geschichte Geheimdienstdirektorin werden. (mit afp)

Rubriklistenbild: © AFP

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