Joe Biden überreicht Cindy McCain den Heinrich-von-Kleist-Preis beim Empfang der bayerischen Staatskanzlei im Rahmen der 54. Münchner Sicherheitskonferenz in der Residenz.
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Cindy McCain findet Joe Biden gut.

US-Wahl 2020

Wichtige Stimme der Republikaner wendet sich von Donald Trump ab

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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Joe Biden erhält im Kampf um die Präsidentschaft Unterstützung von unerwarteter Seite.

Washington - Mit John McCain stand Donald Trump immer auf Kriegsfuß. Vor allem McCains Weigerung, die von Barack Obama eingebrachte Gesundheitsreform zu kippen, brachte Trump zur Weißglut. Aber schon vorher war Donald Trump nicht gut auf McCain zu sprechen. Geradezu berüchtigt geworden ist sein Ausspruch während des Wahlkampfs von 2016, als Trump seinen parteiinternen Widersacher mit wenigen Worten herunterputzte: „Er war ein Kriegsheld, weil er gefangen genommen wurde. Ich mag Leute, die nicht gefangen genommen wurden (...) Er hat verloren und uns im Stich gelassen. Danach habe ich ihn nie so recht gemocht. Ich mag keine Verlierer.“ 

Ein ganz und gar typischer Ausspruch von Donald Trump, der Angehörige des Militärs, die im Kampfeinsatz ihr Leben verlieren, gerne mal als „Trottel“ und Verlierer“ bezeichnet. Das ist umso bemerkenswerter, als Trump selbst dem Kriegsdienst in Vietnam wegen eines Fersensporns aus dem Weg gehen konnte. Dass er nie gedient hat, kümmert Trump allerdings herzlich wenig, wenn es übers Militär spricht.

Cindy McCain sprich sich gegen Donald Trump und für Joe Biden aus

Doch natürlich hat die Familie McCain die Aussagen von Donald Trump nicht vergessen. Das macht sich jetzt auch im aktuellen Wahlkampf bemerkbar. So hat die Witwe von John McCain nun eine Wahlempfehlung ausgesprochen – nicht aber für ihren Parteifreund Donald Trump, sondern für dessen demokratischen Herausforderer Joe Biden. „Es gibt in diesem Rennen nur einen Kandidaten, der für unsere Werte als Nation eintritt, und das ist Joe Biden“, schrieb Cindy McCain auf Twitter. Für ihren 2018 verstorbenen Mann sei das Land immer an erster Stelle gekommen. „Wir sind Republikaner, ja, aber vor allem Amerikaner“, schrieb Cindy McCain weiter.

Schon beim Parteitag der US-Demokraten Mitte August hatte die 66-Jährige über die ungewöhnliche Freundschaft zwischen ihrem Mann und Joe Biden gesprochen. Beide dienten gemeinsam jahrzehntelang im Senat, bevor Biden 2009 das Amt des Vizepräsidenten unter Barack Obama übernahm. „Joe und ich sind nicht immer einer Meinung, und ich weiß, dass er und John durchaus einige leidenschaftliche Auseinandersetzungen hatten“, schrieb Cindy McCain nun. Biden sei aber ein guter und ehrlicher Mann und werde das Land mit Würde führen.

Unterstützung von Cindy McCain hilft Joe Biden im Kampf gegen Donald Trump

Die Unterstützung von Cindy McCain ist natürlich ein großer Pluspunkt für Joe Biden. Immerhin ist Arizona einer jener hart umkämpften Swing States, die bei der Präsidentschaftswahl am 3. November die entscheidende Rolle spielen werden. Und John McCain, der den Bundesstaat 35 Jahre lang im Kongress vertrat, wird in Arizona auch zwei Jahre nach seinem Tod noch immer sehr verehrt. Biden kann also darauf hoffen, nun die Stimmen der Unabhängigen und unzufriedenen Republikaner zu bekommen. Das erhöht weiter seine Siegchancen in Arizona, die nach den neuesten Umfragen ohnehin recht gut sind.  

Die Hilfe von Cindy McCain ist tatsächlich nicht selbstverständlich. Denn John McCain selbst hatte 2016 nur Trump die Stimme verweigert, Hillary Clinton allerdings auch nicht unterstützt. Joe Biden bedankte sich deshalb auch sofort bei Cindy McCain: „Ich fühle mich zutiefst geehrt, Deine Unterstützung und Deine Freundschaft zu haben. Diese Wahl ist größer als jede einzelne politische Partei.“ (Von Christian Stör)

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