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Joe Bidens Regierung erwägt „Starlink“-Internet für Iran

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Von: Nadja Austel

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Die USA würden die Proteste im Iran wohl gerne mit Starlink-Internet unterstützen, doch Elon Musk sei „eine tickende Zeitbombe“.

Washington D. C. – Der US-Präsident Joe Biden führte Gespräche mit Elon Musk über die Möglichkeit, den Satelliten-Internetdienst Starlink von SpaceX im Iran einzurichten, wie CNN berichtet. Die Regierung der USA suche demnach Wege, die iranische Protestbewegung zu unterstützen. Vor etwas mehr als einem Monat hatte die Protestwelle das Land ergriffen, nachdem die 22-jährige Mahsa Amini unter fragwürdigen Umständen gestorben war, nachdem sie von der Moralpolizei festgenommen wurde.

Das Weiße Haus sieht in der kompakten Technologie von Starlink eine mögliche Lösung für die aggressiven Bemühungen des Regimes im Iran, den Internetzugang und die Kommunikation von Aktivisten zu beschränken. Dort wird das verfügbare Internet eingeschränkt und soziale Netzwerke wie Instagram geblockt. Zudem würden vom Regime Handys konfisziert, zerstört oder bei Verhaftungen Tausenden Demonstranten abgenommen, berichtet die Deutsch-Iranerin Sahar Sanaie in einem Interview mit der FR.

Starlink für Iran – USA erwägen Finanzierung, doch Musk ist „tickende Zeitbombe“

Die Übertragung von Daten aus dem Land heraus sei also schwierig. Ein ungehinderter Zugang zum Internet ist deshalb von essenzieller Wichtigkeit. „Wir haben den Fuß auf dem Gas, um alles zu tun, was wir können, um die Bestrebungen des iranischen Volkes zu unterstützen“, so ein hoher US-Regierungsbeamter gegenüber CNN. Die Unterstützung von Starlink sei dafür eine mögliche Lösung.

Sollte der Plan in die Tat umgesetzt werden, wäre dies neben der Ukraine der zweite große Einsatz in diesem Jahr, bei dem sich die US-Regierung an Starlink gewandt hat, um Kommunikationswege bereitzustellen. Jedoch stehe die Zuverlässigkeit von Elon Musk infrage: „Er ist eine tickende Zeitbombe, die wir nie einschätzen können“, so der Regierungsbeamte weiter. Die Besorgnis über Musks unberechenbare Tendenzen verstärkte sich, nachdem Musks Unternehmen SpaceX das Pentagon im Stillen gebeten hatte, monatlich Millionen von Dollar für die Finanzierung von Starlink in der Ukraine zu zahlen.

Denn kurz darauf verkündete Musk abrupt auf Twitter, dass er die Finanzierungsanfrage zurückgezogen habe. SpaceX behauptet, dass die Bereitstellung von Starlink-Diensten in der Ukraine bisher 80 Millionen Dollar gekostet hat und dass die Kosten bis Ende des Jahres 100 Millionen Dollar übersteigen werden. 

USA: Starlink ist eine Möglichkeit, die Proteste im Iran zu unterstützen

Das Pentagon sagte diese Woche, dass die Gespräche mit SpaceX über die Ukraine noch andauerten. In einer Erklärung vom 3. Oktober hatte Präsident Biden geäußert, seine Regierung stehe „an der Seite der iranischen Frauen und aller iranischen Bürger, die die Welt mit ihrer Tapferkeit inspirieren“ und versuche, den Iranern den Zugang zum Internet zu erleichtern.

Starlink Internetdienst
Im Iran sind die Starlink-Geräte illegal und werden auf dem Schwarzmarkt verkauft. (Archivbild) © IMAGO/Reginald Mathalone

Es gibt laut CNN jedoch eklatante Probleme mit dem Plan, Starlink im Iran zu etablieren. Eines davon ist, dass die Satelliten physische Terminals am Boden benötigen, um sich mit ihnen zu verbinden, und dass ihre Signale leicht zu erkennen sein könnten. Die Geräte über die Grenze in den Iran zu schmuggeln, ist nur die erste Herausforderung, bevor sie dann hypothetisch unter Überwachung der iranischen Sicherheitsdienste im Geheimen eingesetzt werden könnten.

Iran – Unterstützung durch USA mit Starlink ist ein Risiko

„Ich bin wirklich besorgt, dass es an Wissen über die Sicherheit oder sogar an Ausbildung mangelt, wie man diese Signale verstecken kann“, sagte Amir Rashidi, der Direktor für Internetsicherheit und digitale Rechte bei der Miaan Group, gegenüber CNN. Nach den Protesten im Jahr 2009 musste er selbst aus dem Iran fliehen. Seine Einschätzung lautet: „Es wird für die Menschen im Iran sehr riskant sein, [Starlink] in großem Stil zu nutzen.“

Zudem werde mehr Lehrmaterial auf Farsi benötigt, damit die Menschen im Iran ihre Spuren besser verwischen und die Ausrüstung sicher nutzen können. Von den USA unterstützte Bemühungen bergen seiner Meinung nach ein erhebliches Risiko. Wenn man erwischt würde, laute die Anschuldigung: „Du bist ein Spion“. Wenn die US-Regierung in den Vertrieb involviert würde, sei das „in den Augen der iranischen Regierung ein weiteres Verbrechen“. (na)

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