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Georgia-Stichwahl: Republikanischer Kandidat mit Persönlichkeitsstörung

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Von: Nadja Austel

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Herschel Walker von den Republikanern
Der Ex-American-Football-Spieler und Republikaner Herschel Walker tritt in Georgia gegen den demokratischen Senator Raphael Warnock an. © Megan Varner/AFP

Am 6. Dezember kommt es im Staat Georgia in den USA zur Stichwahl um den Senatsitz. Nun kommen prekäre Details zur Vergangenheit von Kandidat Walker ans Licht.

Atlanta/Washington, D.C. – Ein Sitz im Senat der USA ist noch frei. Die Stichwahl am 6. Dezember wird sich entscheiden, wer für Georgia in den Kongress ziehen wird. Die Kontrahenten sind der demokratische Amtsinhaber Raphael Warnock und sein republikanischer Herausforderer Herschel Walker.

Beide hatten bei den regulären USA-Midterms Anfang November mehr als 50 Prozent der Stimmen erreicht. Wer als Favorit für die Stichwahl in Georgia gilt, ist schwer zu sagen. Die Statistikseite FiveThirtyEight führte in ihrer Zusammenfassung der Umfragen bisher zwei Erhebungen auf, die einmal den Demokraten Warnock und einmal den Republikaner Walker vorne sahen. Eine dritte Umfrage deutet auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Warnock und Walker hin. 

Stichwahl Georgia: Kandidat Walker soll gewalttätig gegenüber Frauen sein

In den letzten Stunden vor der Stichwahl in den USA kommen nun prekäre Details über Georgia-Kandidat und Football-Legende Herschel Walker ans Tageslicht: Eine ehemalige Partnerin berichtet von seinem missbräuchlichen Verhalten ihr gegenüber. Die 61-jährige Cheryl Parsa erzählte NBC News am Sonntag (4. Dezember), dass sie in den 2000er Jahren eine fünfjährige Beziehung mit Walker hatte. Während eines Streits im Jahr 2005 habe Walker ihren Kopf gegen eine Wand gedrückt, sie am Hals gepackt und einen Faustschlag auf sie gerichtet, der sie jedoch verfehlte. Walkers Wahlkampfteam reagierte laut NBC nicht auf mehrere Bitten um Stellungnahme.

Vergangene Woche berichtete The Daily Beast erstmals über Parsas Geschichte: „Er hatte seine Hand auf meiner Kehle, meiner Brust, und dann lehnte er sich zurück, um mir einen Schlag zu versetzen“, sagte Parsa dort. „Und zum Glück konnte ich ausweichen. Und der Schlag landete an der Wand und nicht bei mir.“

USA: Stichwahl in Georgia – Senat-Kandidat Walker sagt, er „brauche keine Hilfe“

Sie setze sich nun für Frauen ein und wolle Aufmerksamkeit auf häusliche Gewalt lenken. Mit dieser Rolle habe sie jedoch nicht gerechnet: „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in dieser Situation sein würde.“ Laut Angaben von NBC hatte auch Walkers Ex-Frau, Cindy Grossman, im Jahr 2008 geäußert, sie sei während der Ehe Opfer häuslicher Gewalt geworden. 

Der Kandidat habe zudem selbst offen angesprochen, dass er in der Vergangenheit mit psychischen Krankheiten zu kämpfen hatte. In der Debatte mit Warnock im Oktober sagte er demnach, er habe die Sache unter Kontrolle: „Ich lasse mir weiterhin helfen, wenn ich Hilfe brauche“, zitiert NBC den Republikaner. „Aber ich brauche keine Hilfe. Mir geht es gut.“

Walker, der sich im Wahlkampf als Abtreibungsgegner positioniert, wurde auch bereits in zwei Fällen beschuldigt, einer mutmaßlichen Ex-Geliebten Geld für einen Schwangerschaftsabbruch gegeben zu haben.

USA: Stichwahl-Kandidat für Georgia leidet an Persönlichkeitsstörung

In einem Interview mit Spectrum Sports aus dem Jahr 2013 hatte er laut Angaben von NBC geäußert: „Ich habe Persönlichkeiten, die eine Menge Dinge tun, einschließlich eines Typen, der jemanden umbringen wollte.“ Auch in seinem 2008 erschienenen Buch „Breaking Free: My Life with Dissociative Identity Disorder“ (Deutsch: Mein Leben mit dissoziativer Identitätsstörung) berichtet Walker davon, dass bei ihm diese Krankheit diagnostiziert worden sei. 

Sie ist durch multiple, unterschiedliche Persönlichkeiten gekennzeichnet, die unabhängig voneinander denken und handeln können. Der Verlag schrieb über das Buch: „Herschel erkannte, dass sein Leben zeitweise einfach außer Kontrolle geraten war. Er fühlte sich oft wütend, selbstzerstörerisch und unfähig, eine sinnvolle Beziehung zu Freunden und Familie aufzubauen.“ Walkers Zustand wurde laut NBC zudem noch vor zwei Monaten durch einen Tweet seines 23-jährigen Sohnes Christian Walker infrage gestellt: Sein Vater habe in der Vergangenheit gedroht, ihn umzubringen.

Donald Trump, der üblicherweise die Wahlkämpfe der Republikaner unterstützt, bleibt bei der Stichwahl in Georgia außen vor. Seine Anwesenheit im Kampf um einen Sitz im US-Senat sei nicht erwünscht. (na)

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