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Skandal-Abgeordneter Santos: Woher stammen die Wahlkampf-Dollar?

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Von: Johanna Soll

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Mediale Aufmerksamkeit für den republikanischen Skandal-Abgeordneten George Santos
Mediale Aufmerksamkeit für den republikanischen Skandal-Abgeordneten George Santos © Win McNamee/AFP

Erneut sorgt der Republikaner George Santos für Wirbel: Es ist unklar, woher sechsstellige Beträge für seinen Wahlkampf kommen. Inzwischen wollen viele Santos loswerden.

Washington, D.C./New York City – In den USA vergeht seit Ende 2022 kaum ein Tag ohne neue Enthüllungen über den Skandal-Abgeordneten der Republikaner, George Santos. Manches ist schrill, manches verwerflich, manches ist – sollte es sich als wahr erweisen – kriminell. In letztere Kategorie fällt möglicherweise die neuste Ungereimtheit über den 34-jährigen Hochstapler: Es ist unklar, woher ein hoher sechsstelliger Geldbetrag wirklich kam, den Santos zunächst als Mittel aus eigener Tasche deklariert hatte.

Eine der zahlreichen Lügen des George Santos ist, dass er ein vermögender Geschäftsmann sei. Tatsächlich kam es in der Vergangenheit in New York City zu mindestens zwei Gerichtsverfahren wegen Mietrückständen gegen ihn. Dennoch gab er an, aus seinem angeblich großen Vermögen über 700.000 Dollar in seinen eigenen Wahlkampf gesteckt zu haben – ein in den USA grundsätzlich völlig legaler Vorgang. Allerdings nicht, wenn das Geld eigentlich anderen Ursprungs ist.

Zuerst hatte The Daily Beast darüber berichtet, dass Santos’ Team geänderte Wahlkampffinanzierungsunterlagen eingereicht hat. Darin wird ein Darlehen in Höhe von 500.000 Dollar nicht mehr als „persönliche Mittel des Kandidaten“ geführt, gleiches gilt für ein weiteres Darlehen über 125.000 Dollar. Aus den Dokumenten geht jedoch nicht hervor, woher das Geld tatsächlich stammt.

George Santos: Kevin McCarthy und Wähler:innen stehen nicht länger zu ihm

In einem Radiointerview behauptete Santos, er habe das Geld „selbst bezahlt“ über seine Firma, die Devolder Organization. Laut Wikipedia lautet sein vollständiger Name George Anthony Devolder Santos und vor seiner politischen Karriere trat er oft unter dem Namen Anthony Devolder auf. Gegenüber der New York Times sagte ein Anwalt von Santos, es sei „unangemessen“, sich zu den neuen Unterlagen zu äußern, da in dem Fall Ermittlungen liefen. Als unangemessen dürften viele auch ansehen, dass Santos Verbindungen zu einem mit US-Sanktionen belegten russischen Oligarchen haben soll, dem Milliardär Viktor Vekselberg. Dies hatte die Washington Post enthüllt.

Bisher hatte sich der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Kevin McCarthy, geweigert, Schritte gegen Santos zu unternehmen, obwohl die Demokraten eine Untersuchung durch die Ethikkommission gefordert hatten, die inzwischen läuft. Auf einer Pressekonferenz am Dienstag (24. Januar) sagte McCarthy, wenn die Ermittlungen ergäben, dass Santos das Gesetz gebrochen habe, „werden wir ihn entfernen“. Im Repräsentantenhaus kann über den Ausschluss eines Mitglieds abgestimmt werden, wenn entsprechende Gründe dafür vorliegen.

McCarthy berief sich darauf, dass Santos in seinem Wahlkreis in New York City von den Bewohner:innen ins Amt gewählt worden war. Was denken diese inzwischen über ihren Abgeordneten? Einer Umfrage des Siena College zufolge wollen 59 Prozent der Wähler:innen, dass Santos zurücktritt. Bei der demokratischen Wählerschaft sind es fast zwei Drittel, bei der republikanischen immerhin 49 Prozent. (Johanna Soll)

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