Proteste in den USA

Nach Tod von George Floyd: Familie verklagt Stadt Minneapolis und Polizisten

Der gewaltsame Tod von George Floyd sorgt weltweit für Proteste. Jetzt verklagt die Familie des Opfers die beteiligten Polizisten und die Gemeinde.

  • Neue Details über den Tod von George Floyd kommen ans Licht - er flehte die Polizei um sein Leben an
  • Der Afroamerikaner George Floyd starb im Mai bei einer Verhaftung in Minneapolis, USA
  • Nach dem Tod von George Floyd wurden in vielen Städten „Black Lives Matter“-Schriftzüge angebracht - nun auch vor dem Trump Tower in New York

Update vom 16.07.2020, 08:00 Uhr: Knapp zwei Monate nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einer brutalen Festnahme hat die Familie die vier beschuldigten Polizisten und die Stadt Minneapolis verklagt. Die Beamten hätten bei dem Einsatz übermäßige und ungerechtfertigte Gewalt angewandt und damit die Grundrechte des 46-Jährigen verletzt, teilte Anwalt Ben Crump am Mittwoch (Ortszeit) mit Hinweis auf die Klageschrift mit.

Der Stadtverwaltung warf er „bewusste Gleichgültigkeit“ vor, denn sie habe es versäumt, gegen gefährliche Polizeipraktiken vorzugehen und ihre Polizeibeamten richtig zu schulen. Sie habe dadurch eine Kultur exzessiver Gewalt und Straflosigkeit gefördert.

„Er (Floyd) wurde buchstäblich zu Tode gefoltert, nicht in einem Land der Dritten Welt, sondern hier in Minneapolis, im Bundesstaat Minnesota, in den Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 2020“, ergänzte Crump. Er machte keine Angaben zur Höhe der geforderten Entschädigung. Ziel des Anwaltsteams sei aber, es für die Polizei künftig abschreckend teuer zu machen, „marginalisierte Menschen, vor allem Schwarze, unrechtmäßig zu töten“. Ein Anwalt der Stadtverwaltung nannte Floyds Tod eine „Tragödie“ und kündigte an, die Klage werde geprüft.

„Black Lives Matter“ vor dem Trump-Tower

Update vom 10.07.2020, 14:14 Uhr: Der gewaltsame Tod von George Floyd löste weltweit Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt aus. Unter dem Motto „Black Lives Matter“ demonstrierten hunderttausende Menschen. In vielen US-Städten wurden passend dazu riesige Schriftzüge auf den Straßen angebracht. So nun auch in auf New Yorks Fifth Avenue.

Vor dem Trump-Tower in Manhattan ist nun in Großbuchstaben das Anti-Rassismus-Motto „Black Lives Matter“ zu sehen. Bei der Aktion beteiligt war auch Bürgermeister Bill de Blasio und seine Ehefrau Chirlane McCray. Sie malten den Schriftzug gemeinsam mit Künstlern und Aktivisten auf die Straße und setzten damit ein Zeichen. „Wir machen heute eine Aussage darüber, was wir in New York wertschätzen. Wir machen eine Aussage darüber, was von Bedeutung ist“, sagte de Blasio. „Wie befreien die Fifth Avenue.“

US-Präsident Donald Trump wird darüber wenig begeistert sein. Er hatte sich zuvor auf Twitter über die Ankündigung des Schriftzugs beschwert. Er nannte den in ähnlicher Form auch vor dem Weißen Haus in Washington und an vielen anderen Orten des Landes angebrachten Schriftzug ein „Symbol des Hasses“.

George Floyd: 20 Mal „I can‘t breathe“ - neue Details zum gewaltsamen Tod bekannt geworden

Erstmeldung vom 09.07.2020: Minneapolis - Sechs Wochen nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd sind nun neue Details bekannt geworden. Ein Gericht im US-Bundesstaat Minnesota veröffentlichte nun ein Transkript des tödlichen Polizeieinsatzes gegen den Afroamerikaner Ende Mai.

George Floyd: Neue Beweise werden öffentlich

Das Transkript stammt von den Körperkameras der Polizisten, die George Floyd festnahmen. Öffentlich wurden sie durch Mithilfe von einem der Beamten, Thomas Lane, der sich gegen Anschuldigungen zur Mordbeihilfe wehrt.

Bewaffnet demonstrierte eine große Gruppe in Georgia gegen ein Südstaaten-Denkmal.

George Floyd starb durch Erstickung

Es war Polizist Derek Chauvin, der sein Knie neun Minuten auf Floyds Hals gedrückt hielt, woran er letztendlich aufgrund von Erstickung starb. Wiederholt flehte George Floyd die Polizei an. „I can‘t breathe“ - „ich kann nicht atmen“ sagte er offenbar mehr als 20 mal. Seine Worte wurden symbolisch in Protesten gegen rassistische Polizeigewalt in den USA verwendet. Er sagte den Polizisten, dass er Schmerzen erleide und sterben würde. Chauvin forderte Floyd auf, still zu sein und sagte, dass er zum Reden viel Sauerstoff benötige.

George Floyd flehte um sein Leben

Das 82-seitige Transkript zeigt außerdem, wie Floyd um seine Kinder und seine tote Mutter weinte. Er versuchte, mit der Polizei, vor der er panische Angst hatte, zu kooperieren und flehte sie bereits vor der körperlichen Auseinandersetzung an. Die Polizisten sagten, dass George Floyd unberechenbar handle und eine Kommunikation mit ihm schwierig gewesen sei.

George Floyd wurden womöglich falsche Geldscheine zum Verhängnis

Ein Ladenbesitzer hatte die Polizei gerufen, da George Floyd versucht haben soll, mit einem falschen 20-Dollar-Schein zu bezahlen. Laut offizieller Pressemitteilung der Polizei habe er sich der Verhaftung widersetzt. Das Verfahren gegen vier Polizisten, die Floyd getötet haben sollen, ist für März nächsten Jahres geplant. (Lukas Rogalla) Rassismus in den USA: Wie diese Frau mit ihrem Mut die Welt veränderte.

Die Bilder von George Floyds Verhaftung sind vielen noch im Gedächtnis. Jetzt schlägt ein weiterer Fall von Polizeigewalt hohe Wellen. In London kniete ein Polizist auf dem Hals eines Mannes. Die weltweiten „Black Lives Matter“-Proteste dauern an. Trump versucht mit dem Einsatz von Truppen gegen die Demonstrierenden vorzugehen.

Donald Trump erklärt die Stadt Portland im US-Bundesstaat Oregon wegen der anhaltenden Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt zur Hölle. Aber eskaliert die Situation wirklich so sehr?*

News-Ticker: Die US-Regierung plant den Abzug der Sicherheitskräfte aus Portland. Diese waren in die Stadt geschickt worden, um gegen die Proteste nach dem Todesfall George Floyd vorzugehen. Doch Donald Trump knüpft das Vorhaben an eine Bedingung.

Amnesty International erhebt schwere Vorwürfe gegen die US-Polizei. Die Sicherheitskräfte hätten schwere Menschenrechtsverletzungen begangen.

Rubriklistenbild: © Mark Lennihan/dpa

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