Wichtigster Swing State

US-Wahl 2020: Florida bleibt hart umkämpft - Donald Trump hat die Nase vorne

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Florida gilt in der US-Wahl als wichtigster „Swing State“. Wenn Donald Trump eine Chance haben will, muss er im „Sonnenscheinstaat“ unbedingt gewinnen. Nun schließen die ersten Wahllokale.

Erstmeldung von Mittwoch, 04.11.2020, 01:30 Uhr: In Florida, dem wohl wichtigsten Swing State der US-Wahl 2020 und somit im Rennen um die Präsidentschaft zwischen Donald Trump und Joe Biden, haben die ersten Wahllokale geschlossen. Während dort bereits fleißig ausgezählt wird, zeichnet sich nach rund der Hälfte der 2016 abgegebenen Stimmen ein enges Rennen ab.

Sollte es Joe Biden gelingen, den „Sonnenstaat“ Florida, den Donald Trump 2016 knapp für sich entscheiden konnte, zu „drehen“, wird es für den amtierenden Präsidenten sehr schwer, die US-Wahl zu gewinnen und seine Wiederwahl zu sichern. Da in Florida eine Rekordwahlbeteiligung erwartet wird, sind die bisher eingegangenen Zahlen noch nicht belastbar.

US Wahl in Florida. Der Swing State ist traditionell stark umkauft, so auch in der Entscheidung zwischen Donald Trump und Joe Biden.

Erstmeldung von Dienstag, 20.10.2020, 15:07 Uhr: Die US-Präsidentschaftswahl steht vor der Tür. Um das Rennen für sich zu entscheiden, gilt ein Sieg in Florida für Amtsinhaber Donald Trump und Herausforderer Joe Biden als Muss. Zwar gibt es mit Arizona oder Pennsylvania noch andere „Swing States“ -doch der Sonnenschein-Staat ist der „Swing State“ schlechthin. Trump braucht die Mehrheit, denn: Seit fast 100 Jahren hat kein Republikaner die Wahl gewonnen, ohne in Florida zu siegen. Außerdem gibt es auch den Spruch „Wer Ohio gewinnt, gewinnt die US-Wahl“.

US Wahl 2020: Im engen Rennen zwischen Donald Trump und Joe Biden schließen im Swing State Florida erste Wahllokale.

US-Wahl 2020: Donald Trump muss Florida gewinnen, um eine Chance zu haben

In Florida ist alles offen. Die Mehrheit schwankt bei US-Wahlen zwischen Demokraten und Republikanern häufig knapp hin und her. Besonders dramatisch war es bei der US-Wahl 2000. Fast sechs Millionen Wähler*innen gaben in Florida ihre Stimme ab. Am Ende setzte sich der Republikaner George W. Bush mit einem Vorsprung von lediglich 537 Stimmen (0,009 Prozent) gegen Al Gore durch. Der Demokrat Gore konnte bundesweit zwar mehr Stimmen erringen, mit der knappen Niederlage in Florida verlor er (266 Wahlmänner) jedoch 25 Wahlmänner an Bush (271). Ein ähnliches Szenario könnte sich auch dieses Jahr abspielen. Die derzeitigen Umfragen versprechen ein enges Rennen zwischen Donald Trump und Joe Biden. Trump gewann 2016 knapp mit 1,2 Prozent. Mit 29 Wahlmännern, die dem Sieger zustehen, gilt der „Sunshine State“ als wichtigster „Schlachtfeldstaat“.

Ein Schild führt zu einem Wahllokal in Hialeah, Florida.

Bei der anstehenden US-Wahl zwischen Donald Trump und Joe Biden sind vor allem sieben Countys im „Interstate 4-Korridor“ entscheidend, meint Jim Clark, politischer Analyst und Geschichtsprofessor an der University of Central Florida gegenüber dem Fernsehsender „WKMG-TV“. Von Daytona Beach durch das Zentrum Floridas nach Tampa wählen Osceola County und Orange County in diesem Jahr demokratisch, Polk County wird republikanisch. Bei den weiteren vier Countys sei die Tendenz ungewiss, behauptet Clark. Wichtig sei zudem die Lage des Staates an der Ostküste. Die frühe Mitteilung von Ergebnissen könne Einfluss auf das Wahlverhalten weiter westlich in den USA haben.

US-Wahl 2020: Umfragen versprechen enges Rennen in Florida

Interessant ist in Florida die Zusammensetzung der Wählerschaft. Im Vergleich mit dem Rest der USA leben hier viele Rentner*innen und Lateinamerikaner*innen. Eigentlich wählen die Latinx eher demokratisch - doch in Florida sieht auch das anders als beispielsweise in Kalifornien aus. Während dort vor allem Migrant*innen aus Mexiko leben, handelt es sich bei einem Teil der Latinx in Florida um Leute aus Kuba und Venezuela, die Donald Trump für seine klar antikommunistische Haltung schätzen. Joe Biden bezeichnet der US-Präsident regelmäßig als eine Marionette von Sozialisten und „Castro-Liebhabern“. Erst diesen Oktober hielten die „Latinos for Trump“ einen antikommunistischen Autokorso mit tausenden Teilnehmern ab. Viele Latinx wenden sich immer mehr von Joe Biden ab.

WahljahrKandidat der RepublikanerStimmen in FloridaAnteil in ProzentKandidat der DemokratenStimmen in FloridaAnteil in ProzentSieger gesamt
2020Donald Trump??Joe Biden???
2016Donald Trump4.617.88649,02Hillary Clinton4.504.97547,82Donald Trump
2012Mitt Romney4.163.44749,13Barack Obama4.237.75650,01Barack Obama
2008John McCain4.046.21948,1Barack Obama4.282.36750,91Barack Obama
2004George W. Bush3.964.52252,10John Kerry3.583.54447,09George W. Bush
2000George W. Bush2.912.79048,847Al Gore2.912.25348,838George W. Bush
1996Bob Dole2.244.53642,32Bill Clinton2.546.87048,02Bill Clinton
1992George H. W. Bush2.173.31040,89Bill Clinton2,072,69839,00Bill Clinton
1988George H. W. Bush2.618.88560,87Michael Dukakis1.656.70138,51George H. W. Bush
1984Ronald Reagan2.730.35065,32Walter Mondale1.448.81634,66Ronald Reagan
1980Ronald Reagan2.046.95155,52Jimmy Carter1.419.47538,50Ronald Reagan
1976Gerald Ford1.469.53146,64Jimmy Carter1.636.00051,93Jimmy Carter
1972Richard Nixon1.857.75971,9George McGovern718.11727,8Richard Nixon
1968Richard Nixon886.80440,53Hubert Humphrey676.79430,93Richard Nixon
1964Barry Goldwater905.94148,85Lyndon B. Johnson948.54051,15Lyndon B. Johnson
1960Richard Nixon795.47651,51John F. Kennedy748.70048,49John F. Kennedy

US-Wahl 2020: Millionen Stimmen in Florida schon abgegeben

Vor allem der ländliche „Pfannenstiel“ im Nordwesten des Staates gilt als republikanisch. Der Anteil der Rentner*innen, die Trump 2016 wählten, ist höher als in anderen Bundesstaaten. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass sie als Risikogruppe von seiner Politik in der Corona-Pandemie abgeschreckt sind. Ob die Latinx in Florida Donald Trump den Sieg in der US-Wahl bescheren werden, trotz dessen xenophoben und rassistischen Aussagen gegen Mexikaner*innen, oder ob Joe Biden sich möglicherweise mit Unterstützung von Rentner*innen durchsetzt, wird sich am 3. November zeigen. Das „Early Voting“ hat in Florida bereits am 19. Oktober begonnen. Mehr als 350.000 Wähler*innen sollen ihre Stimme schon abgegeben haben - ein neuer Rekord. Weitere 2,5 Millionen Stimmen sollen im Zuge der Briefwahl eingereicht worden sein.

Wie Florida und der Rest der USA abstimmen, wird der 3. und 4. November 2020 zeigen (hier finden Sie einen Zeitplan der US-Wahlnacht). Die US-Wahl kann man auch von Deutschland aus im Fernsehen mitverfolgen. Stellt sich eine Frage: Was wird passieren, wenn Donald Trump verliert und die Wahl nicht anerkennt? Wie auch immer es ausgehen mag: Die Ergebnisse der US-Präsidentenwahl, der Wahl des Senats und des Repräsentantenhauses werden die Politik in den USA gewaltig verändern.

Rubriklistenbild: © Rebecca Blackwell, dpa

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