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Katastrophe

Hochhaus-Unglück in Miami: Fachleute prüfen, ob fällige Sanierungen mit dem Einsturz zusammenhängen

  • Sophia Lother
    VonSophia Lother
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Noch immer läuft die Suche nach den Opfern des Hochhaus-Unglücks in Florida auf Hochtouren. Einige Angehörige geben die Hoffnung auf.

+++ Update, 16:42 Uhr: Die Einsatzkräfte in Surfside arbeiten seit Tagen rund um die Uhr. Seit dem Teil-Einsturz eines großen Wohnhauskomplexes in der Nacht zu Donnerstag (24.06.201) läuft in der Kleinstadt bei Miami die verzweifelte Suche nach Verschütteten. Auch am heutigen Dienstag mühten sich die Retter ab, um unter schwierigen Bedingungen weiter in den Trümmerberg vorzudringen. 150 Menschen gelten weiter als vermisst.

Warum der als Champlain Tower South bekannte Wohnkomplex aus den 1980er Jahren einstürzte, ist bislang unklar. US-Medien berichteten über Schreiben der Hausverwaltung, die mit Verweis auf strukturelle Risiken Millionensanierungen anmahnten. In Ermittlungen soll untersucht werden, ob die offenbar fälligen Sanierungen mit dem Einsturz zusammenhingen.

Hochhaus-Unglück in Miami: Angehörige sind verzweifelt

Viele Familien bangen derweil um ihre Angehörigen und fragen zunehmend verzweifelt, warum die Sucharbeiten so langsam vorankommen. Der stellvertretende Leiter der Feuerwehr im Bezirk Miami-Dade, Raide Jadallah, sagte, die Lage sei „komplex“. Die Einsatzkräfte hätten es teils mit pulverisiertem Beton zu tun, der Betonschutt habe zum Teil die Größe eines Basketballs oder Baseballs. Mit jeder Bewegung bewege sich der Schuttberg. Man könne nicht einfach einen riesigen Beton-Brocken zur Seite heben, und damit sei es erledigt. „Das ist ein zwölfstöckiges Gebäude“, betonte er. „Das wird Zeit brauchen.“

Jadallah sagte, es sei ein Missverständnis zu glauben, dass die Suche nach Überlebenden nach Ablauf einer gewissen Zeit automatisch ende. „Das ist keineswegs der Fall.“ Eine solche Entscheidung hänge von vielen Faktoren ab.

Auch Feuerwehrchef Alan Cominsky betonte, die Lage sei sehr fordernd, schwierig und „extrem gefährlich“. Zwischenzeitlich hatten ein Feuer in den Trümmern und starker Regen die Suchaktion erheblich behindert.

Rettungskräfte durchsuchen die Trümmer des Champlain Towers.

Manche Angehörige haben die Hoffnung aufgegeben. Pablo Rodriguez etwa hatte anfangs Zuversicht, dass die Suchteams seine Mutter und seine Großmutter würden retten können. Nun glaube er nicht mehr daran, sagte der 40-Jährige der Washington Post: „Ich habe keine Hoffnung, dass sie sie lebendig finden werden und dass ich sie tatsächlich noch mal sehen oder sprechen kann.“ Er hoffe nur, dass die Suchtrupps „etwas“ finden, „damit wir sie richtig beerdigen können“.

Hochhaus-Unglück in Miami: Fotos dokumentieren beunruhigende Entdeckung im Gebäude

Erstmeldung vom Dienstag, 29.06.2021: Surfside - Der Teileinsturz eines zwölfstöckigen Hochhauses in Surfside bei Miami im US-Bundesstaat Florida* hat für Bestürzung gesorgt. Noch immer kämpfen sich Rettungskräfte durch die Trümmer. Bisher konnten elf Menschen nur noch tot geborgen werden. 150 Personen gelten weiter als vermisst. Die Chance, nach dem Einsturz in der Nacht zum Donnerstag (24.06.2021) noch Überlebende zu finden, schwindet mit jeder Stunde. Viele Bewohner des Hochhauses waren im Schlaf vom Teileinsturz überrascht worden.

Mit Unterstützung von US-Präsident Joe Biden* hat Floridas Gouverneur Ron DeSantis den Notstand ausgerufen. Dadurch können zusätzliche Mittel und Materialien nach dem Unglück in den USA* freigegeben werden – auch aus Bundesmitteln. Warum der als Champlain Tower South bekannte Wohnkomplex aus den 1980er Jahren einstürzte, ist bislang unklar. Fachleute suchen weiterhin nach der Ursache des Unglücks. Ein Angestellter eines Bauunternehmens für Pools hat mit einer ansässigen US-Zeitung nun über eine beunruhigende Entdeckung gesprochen.

Hochhaus in Miami teilweise eingestürzt: Suche nach Ursache

Am Dienstag (22.06.2021), zwei Tage vor dem Unglück, hatte der Angestellte den Champlain Tower South besucht. Die Lobby und auch der Pool-Bereich machten auf ihn einen guten Eindruck. Doch dann sah er sich die Garagen im Keller genauer an. „Überall in der Parkgarage stand das Wasser“, berichtet er dem Miami Herald. Der Mann, der seinen Namen nicht genannt haben will, bemerkte Risse im Beton und starke Rostspuren am Betonstahl unter dem Pool-Bereich.

Nach Hochhaus-Unglück in Florida: Noch immer suchen Rettungskräfte nach 150 Vermissten.

Trotz seiner langjährigen Berufserfahrung habe ihn der Zustand der Räume im Keller des Hochhauses erschüttert. Die schiere Wassermenge habe ihn derart beunruhigt, dass er dies auch gegenüber eines Mitarbeiters des Hochhauses erwähnte, der ihn herumgeführt hatte. „Er dachte, es wäre ein Problem mit der Abdichtung des Wassers“, erklärt der Angestellte und fügt gegenüber der Zeitung an: „Ich dachte mir nur, das ist nicht normal“. Der Mitarbeiter habe ihm auch davon berichtet, dass er den Raum für das Pool-Equipment bereits so oft leergepumpt habe, dass alle zwei Jahre ein neuer Motor für die Pumpe habe angeschafft werden müssen.

Nach Unglück in Miami: Angestellter eines Bauunternehmens spricht über beunruhigende Entdeckung

Die tiefste Pfütze habe der Angestellte auf einem Parkplatz ausmachen können. Dieser befand sich direkt unter dem Pool-Bereich, bei dem eine Inspektion bereits im Jahr 2018 „enorme Fehler“ bemängelte, berichtet der Miami Herald. Der Ingenieur Frank Morabito stellte damals fest, dass das Design des Pool-Decks es zulasse, dass Wasser einsickern könne. Dieses verursache dann enorme Schäden an den Betonplatten darunter.

Im Raum für das Pool-Equipment entdeckte der Mann ein weiteres Problem. Offenliegende und verrostete Streben in den Betonplatten über ihm. Er machte ein Foto, um seinen Vorgesetzten darüber zu informieren, dass die Arbeit in dem Hochhaus wohl aufwändiger werden würde, als gedacht. Nur zwei Tage später kam es zum Einsturz des Hochhauses in Surfside bei Miami*. „Ich frage mich, ob das, was ich gefunden habe, auch in anderen Teilen des Hochhauses vorkam. Und ob es das war, was den Einsturz verursachte“, so der Angestellte.

Teileinsturz eines Hochhauses bei Miami: Experte begutachtet Fotos

Der Miami Herald hat die Fotos des Angestellten nun einem Experten vorgelegt. Mohammad Ehsani ist ein Ingenieur und Fachmann für Betonsanierung. „Auf den Fotos kann man klar starken Rost an den Metallstreben erkennen, das ist wirklich ernst“, erklärt er. Der Raum für das Pool-Equipment liegt an der südlichen Wand des Wohnhauses. Dieser Bereich war nicht von dem Teileinsturz betroffen. Aber wenn die Lage der Stahlträger in anderen Teilen des Gebäudes ähnlich ausgesehen habe, wie die auf den Fotos des Angestellten, dann könnte dies „absolut“ zu einem Einsturz beigetragen haben.

Ein Repräsentant des Verbandes von Champlain Towers South wollte sich gegenüber der Zeitung nicht zu den Entdeckungen des Angestellten äußern. (slo/sot mit dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Lynne Sladky/dpa

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