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„Don‘t Say Gay“-Gesetz in Florida: Ron de Santis will Disney World bestrafen

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Von: Sonja Thomaser

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Gäste des Freizeitparks Walt Disney World gehen durch den Park. (Archivbild)
Gäste des Freizeitparks Walt Disney World gehen durch den Park. (Archivbild) © Cory Knowlton/dpa

Wegen der Unterstützung des Konzerns für die Bewegung LGBTQI+ erhöhen die Republikaner den Druck auf Disney World.

Miami – Nach Kritik an einem LGBTQI+-feindlichen Schulgesetz gerät der Unterhaltungsriese Walt Disney im US-Bundesstaat Florida unter Druck. Das Repräsentantenhaus des Bundesstaates votierte am Donnerstag (21.04.2022) für einen Gesetzesentwurf, der steuerliche Nachteile für Disney haben könnte. Der Text muss dem republikanischen Gouverneur Ron DeSantis nun zur Unterschrift vorgelegt werden.

Das Schulgesetz, das von Gegner:innen „Don‘t Say Gay“ („Sag nicht schwul“) genannt wird, untersagt unter anderem die Themen „sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität“ vom Kindergarten bis zur dritten Klasse im Unterricht. Disney hatte sich gegen diese Regelung ausgesprochen.

„Don‘t Say Gay“: US-Republikaner wollen konservative Linie durchsetzen

DeSantis hatte das umstrittene Gesetz Anfang März unterzeichnet. Es ist Teil der Bestrebungen der US-Republikaner, ihre konservative Linie in gesellschaftspolitischen Fragen durchzusetzen. Kritiker:innen verurteilen das Gesetz als Schlag gegen die LGBTQ-Gemeinschaft.

Auch Disney-Chef Bob Chapek verurteilte das Gesetz und stoppte alle politischen Spenden seines Unternehmens in Florida. Disney stellte sich mit deutlichen Worten dagegen und erklärte, dass das Gesetz niemals hätte in Kraft treten dürfen. Zuvor hatten Disney-Mitarbeiter:innen kritisiert, dass ihr Arbeitgeber nicht öffentlich Stellung gegen die Reform bezogen habe.

Disney-Kritik am LGBTQI+-feindlichen Schulgesetz erzürnt DeSantis

Die Kritik erzürnte Gouverneur DeSantis, der bei den Wahlen 2024 als potenzieller Präsidentschaftsbewerber gilt. „Wenn Disney einen Kampf sucht, dann haben sie sich den falschen Kerl ausgesucht“, schrieb er kürzlich in einer E-Mail an seine Anhänger. DeSantis setzte sich in der Folge dafür ein, dass das Selbstverwaltungsrecht von Disney World im sogenannten Reedy Creek Improvement District abgeschafft wird.

Dieser Bezirk war 1967 durch Floridas Parlament geschaffen worden, um den Bau des weltberühmten Vergnügungsparks Disney World in Orlando zu erleichtern. Das Gebiet ist etwa hundert Quadratkilometer groß und umfasst zwei Städte. Disney regiert den Bezirk, treibt Steuern ein und ist zuständig für die Grundversorgung der Bürger:innen, also etwa für die Müllabfuhr und die Abwasser-Wiederaufbereitung. Der nun mit der Mehrheit der Republikaner verabschiedete Gesetzesentwurf könnte zur Folge haben, dass Disney diesen Sonderstatus verliert. Der Status soll im Juni 2023 auslaufen. DeSantis muss das Gesetz noch unterzeichnen, was als Formalie gilt.

Republikaner in Florida: Disney solle sich „besser benehmen“

„Disney hat versucht, kalifornische Werte nach Florida zu importieren“, hatte der republikanische Abgeordnete Randy Fine am Mittwoch dem Sender CNN gesagt. Kalifornien gilt als besonders liberaler Bundesstaat. Disney sei Gast in Florida. „Wenn Sie besondere Privilegien wollen, sollten Sie sich besser gut benehmen“, so Fine.

Die stellvertretende Sprecherin von US-Präsident Joe Biden, Karine Jean-Pierre, kritisierte die Republikaner in Florida. „Wir sind dagegen, dass der Gouverneur gegen ein Unternehmen vorgeht, weil es sich gegen das Gesetz ausspricht.“ (sot mit dpa/AFP)

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