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Gericht in Florida: 16-jährige Jugendliche zu unreif für eine Abtreibung

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Von: Johanna Soll

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Junge Frau (Symbolbild): In Florida wurde einer 16-Jährigen eine Abtreibung gerichtlich untersagt
In Florida wurde einer 16-Jährigen eine Abtreibung gerichtlich untersagt. (Symbolfoto) © Fabian Sommer/dpa

Eine Schülerin in Florida sei laut Gericht nicht reif genug, über einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden. Sie soll nun das ungewollte Kind austragen.

Tallahassee – Die Entscheidung eines Berufungsgerichts im US-Bundesstaat Florida zwingt im Ergebnis eine 16-jährige Waise zur Geburt eines ungewollten Kindes. Laut Gericht, sei die Teenagerin nicht „reif genug“ ist, um selbst über einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden. Als Gründe für die beantragte Abtreibung nannte die junge Frau, dass sie Schülerin und arbeitslos sei.

Sie lebt bei einer verwandten Person und hat einen Vormund. Vor Gericht ließ sie sich nicht anwaltlich vertreten und gab an, ihr Vormund sei „mit dem einverstanden sei, was sie tun will.“ Harry Nelson, ein Rechtsanwalt für Gesundheitsrecht, der nicht in den Fall involviert ist, sagte gegenüber The Daily Beast: „Das ist auf so vielen Ebenen zutiefst falsch.“ Wer glaube, es sei eine gute Sache, Kinder dazu zwingen, Kinder zu bekommen, liege komplett falsch.

Gericht in Florida: Teenagerin zwar „sachkundig“, aber „nicht reif genug“ für Abtreibung

Aus dem Urteil geht hervor, dass die 16-Jährige sich in der 10. Schwangerschaftswoche befindet. Doch es ist unklar, wie weit ihre Schwangerschaft inzwischen fortgeschritten ist. In der Urteilsbegründung heißt es, die 16-Jährige wirke „sachkundig“ und habe sich im Internet und mittels einer Broschüre über Schwangerschaftsabbrüche informiert. Ferner heißt es, sie erkenne an, „dass sie nicht bereit ist, die emotionale, physische oder finanzielle Verantwortung der Erziehung eines Kindes zu übernehmen“ und dass sie „berechtigte Bedenken hinsichtlich ihrer Fähigkeit hat, ein Kind großzuziehen“.

Dennoch bestätigte das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil, wonach die Teenagerin „nicht durch klare und überzeugende Beweise nachgewiesen hat, dass sie reif genug sei, um über einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden.“

Damit Minderjährige eine Abtreibung vornehmen lassen können, benötigen sie in Florida, wie auch in 35 weiteren Bundesstaaten, die Zustimmung des oder der Erziehungsberechtigten oder ersatzweise eines Gerichts. Mediziner:innen, die ohne entsprechende Zustimmung einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen, machen sich strafbar.

Gerichtsurteil in den USA „nicht nur grausam, sondern unzumutbar“

Zu dem Urteil sagt Rechtsanwalt Nelson: „Es wird schreckliche Folgen für die junge Frau haben, für das Baby, das aufgrund dessen geboren wird und für die Gesellschaft. Es ist fast wie eine Art der Leibeigenschaft, einem jungen Mädchen eine Abtreibung zu versagen.“ Dadurch würden illegale, nicht fachkundig durchgeführte Abtreibungen für viele Frauen zur einzigen Option.

Lucy Sedgwick, Vorsitzende von Ruth’s List Florida, einer Organisation, die das Abtreibungsrecht befürwortet, sagte gegenüber The Daily Beast, die Entscheidung sei nicht nur „geradezu grausam, sie ist unzumutbar.“ Sedgwick zufolge, sei es heuchlerisch, eine Teenagerin dazu zu zwingen, eine Schwangerschaft fortzusetzen, weil sie nicht reif genug sei. „Aber sie ist reif genug, ein Kind auszutragen und großzuziehen? Wo ist da die Logik?“

Ende Juni hatte der Supreme Court, der Oberste Gerichtshof der USA, das Grundsatzurteil zum Abtreibungsrecht Roe v. Wade aufgehoben. Seitdem obliegt es den Bundesstaaten, dieses Recht zu regeln. In Florida sind Abtreibungen nach der 15. Schwangerschaftswoche verboten, ohne Ausnahmen bei Vergewaltigung oder Inzest. Andere Bundesstaaten sehen kürzere Fristen oder auch Komplettverbote vor. (Johanna Soll)

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