Waffen in den USA

Ehepaar in Missouri bedroht Demonstrant*innen - Doch Donald Trump will ihnen helfen

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    vonAnna-Katharina Ahnefeld
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Ein Ehepaar in Missouri sorgte medial für Aufsehen, als sie mit Waffen „Black Live Matters“-Demonstrant*innen bedrohten. In den Fall mischt sich jetzt Präsident Trump ein.

  • Ein Ehepaar aus St. Louis, Missouri, bedrohte Demonstrant*innen mit Waffen.
  • Anscheinend fühlten sie sich und ihren Besitz bedroht.
  • Der Fall sorgt für weiter Aufsehen, weil sich jetzt auch Trump einmischt.

St. Louis - Wie Actionfiguren in einem schlechten Film sehen sie aus. Das Ehepaar McCloskey in St. Louis, Missouri, nebeneinander stehend, Schulter-an-Schulter. Am 28. Juni auf ihrem Grundstück ihre Waffen gegen Demonstrant*innen richtend. Er, ein Sturmgewehr, sie, eine kleine Pistole, bereit, Ihren Besitz zu verteidigen. „Stand your Ground“, heißt es in den USA. Auf einem anderen Foto ist zu sehen, wie Patricia McCloskey scheinbar direkt auf Schwarze Demonstrant*innen zielt. Nach eigenen Angaben im lokalen TV-Sender KMOV-TV hätten sie sich bedroht gefühlt und um ihr Leben gefürchtet. Das sahen die Demonstrant*innen anders, die der „Washington Post“ sagten, sie seien weder gewalttätig noch bedrohlich gewesen.

USA: Ehepaar aus St.Louis, Missouri, bedroht Demonstran*innen - Trump mischt sich ein

Leider ist es keine Filmszene, sondern Realität. So absurd es auch wirkt. Weiße Hausbesitzer*innen gegen „Black Lives Matter“-Aktivist*innen, die in dem wohlhabenden Viertel den Rücktritt der Bürgermeisterin Lyda Krewson forderten. Glücklicherweise ist außer dem Auftritt der zwei Anwält*innen nichts passiert - doch das Foto und Video ging viral . Auch, weil Präsident Donald Trump es auf seiner Lieblingsspielwiese Twitter teilte. USA, here we are.

In puncto Absurdität lässt sich US-Präsident Trump nichts nehmen, von daher ist es wenig verwunderlich, dass er sich in den Fall einmischt. Ob posieren mit Dosenbohnen oder die Behauptung, es gebe nur so viele Corona-Infektionen in den USA, weil man so viel teste, der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist in Topform. Und so verkündete der Gouverneur von Missouri, Mike Parson, dass Donald Trump plane, sich mit dem Fall zu befassen. „Ihm gefällt nicht, was er sieht und wie diese Menschen behandelt werden“, geht aus der Äußerung des Gouverneurs hervor. Laut Mike Parson hätte das Ehepaar „jedes Recht ihren Besitz zu verteidigen". Das sieht wohl auch Trump so, denn er wolle, heißt es weiter, alles tun, was in seiner Macht steht, um zu helfen. Auch Justizminister William Barr sei bei dem Gespräch dabei gewesen. Die beiden Männer würden sich mit den McCloskeys befassen, glaubt der Gouverneur.

Ehepaar aus St. Louis, Missouri: Fall wird untersucht

Aktuell wird der Fall des Ehepaars noch untersucht, nichts Genaueres ist bislang an die Öffentlichkeit gekommen. Aber das Pärchen scheint Fans zu haben, so berichtet die Staatsanwältin von St. Louis, Kimberly Gardner, dass nach einer Hausdurchsuchung bei den McCloskeys Drohungen eingegangen wären. Auch auf Twitter können die zwei auf Unterstützung zählen. Mark McCloskeys äußerte sich gegenüber Fox News, dass sie mit einer Anklage rechneten - doch die scheint sich aus bislang unbekannten Gründen hinzuziehen. Noch am Donnerstag sagte der Verteidiger, dass bislang von der Staatsanwaltschaft nichts zu hören gewesen war.

Die Einmischung Trumps und Mike Parsons gefällt Staatsanwältin Kimberly Gardner so überhaupt nicht. Diese hatte sich zu dem Fall zunächst wie folgt geäußert: „Wir müssen das Recht auf friedlichen Protest schützen, und jeder Versuch, diesen durch Einschüchterung oder der Androhung tödlicher Gewalt zu unterdrücken, wird nicht toleriert“. Das Büro der Staatsanwaltschaft in St. Louis twitterte ein Schreiben, in dem Gardner Trump und Parson vorwirft, falsche Informationen zu verbreiten. Noch stärker: „Es ist unfassbar, dass der Gouverneur von Missouri, Rat von einem der kontroversesten Anführer unserer Generation sucht, um die Diskretion einer lokal gewählten Strafverteidigerin zu umgehen."

USA: Waffenhändler bietet Ehepaar an, sie wieder kostenlos zu bewaffnen

Auch Senator Josh Hawley möchte offensichtlich mitspielen und fordert nun eine Untersuchung im Fall der McCloskeys - mit Verweis auf das Stand-your-Ground-Recht, also das Gesetz, im Extremfall tödliche Gewalt anwenden zu können, um sich gegen einen Angriff zu wehren.

Ein Waffenhändler hatte scheinbar Mitleid mit dem Ehepaar, ihrer Waffen für die Untersuchung beraubt, und bot ihnen freimütig auf Facebook an, sie kostenlos wieder zu bewaffnen. Training inklusive.

„Sie wären schlimm zusammengeschlagen worden - wenn sie Glück gehabt hätten - und ihr Haus verwüstet und vermutlich heruntergebrannt ... Sie standen da, haben (ihre Waffen) nicht verwendet, die legal waren und jetzt höre ich, dass jemand von dort sie anklagen möchte - das ist eine Schande“, sagt Donald Trump in einem Interview mit der konservativen Medienplattform Townhall Media.

Übrigens: Das US-amerikanische Paar McCloskeys hatte nach dem Vorfall über ihren Anwalt mit der „Black-Lives-Bewegung solidarisch erklärt. Das wurde der Nachrichtenagentur AFP mitgeteilt. Die Bilder sprechen jedoch eine andere Sprache.

Rubriklistenbild: © Patrick Semansky

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