1. Startseite
  2. Politik

Donald Trumps Rhetorik auf Truth Social wird immer aggressiver

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Katja Thorwarth

Kommentare

Donald Trump
Der ehemalige US-Präsident Donald Trump geht immer aggressiver auf Truth Social vor. © John Locher/AP/dpa

Der frühere Präsident der USA scheint sich auf seiner Online-Plattform Truth Social weiter zu radikalisieren.

Washington D.C. - Vor dem Januar 2021 war Donald Trump wohl einer der aktivsten Twitter-Nutzer überhaupt. Mehr als 88 Millionen Menschen folgten ihm, wenn er - vermutlich von politischen Beratern unbehelligt - seine Positionen und Meinungen auf der Plattform einer weltweiten Öffentlichkeit mitteilte. Nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar, bei dem Trump als Anstifter gilt, war es vorbei mit seinem Twitter-Auftritt und der frühere US-Präsident wurde von sämtlichen Social-Media-Kanälen gesperrt.

Trump fühlte sich diskriminiert und kündigte zügig eine eigene Plattform als Alternative zu den etablierten Internetunternehmen an: Im Februar 2022 schließlich ging die App „Truth Social“ in den USA an den Start.

Donald Trump: Truth Social ist Plattform für „freie Meinungsäußerung“

Seinen Onlinedienst vermarktete Trump von Beginn an als Plattform für freie Meinungsäußerung. Seit der Hausdurchsuchung in seinem Luxusanwesen in Florida durch die US-Bundespolizei FBI wird die Rhetorik des Ex-Präsidenten jedoch immer schärfer und aggressiver. Knapp zwei Monate vor den Midterms am 8. November befürchten Experten, dass Trump und seine Anhänger sich mit Bezug auf die App immer weiter radikalisieren.

So werde „Truth Social“ „fast ausschließlich“ von rechten Trump-Anhängern genutzt, sagt der Experte David Thiel vom Stanford Internet Observatory. Trump hat auf Truth Social bisher rund vier Millionen Follower - also deutlich weniger vorher auf Twitter und Facebook. „Seine Reichweite ist viel geringer“, resümiert etwa der Autor Mike Rothschild, der ein Buch über die QAnon-Verschwörungstheorie geschrieben hat.

Donald Trump und QAnon: Unterstützung funktioniert gegenseitig

Trump-Unterstützer war stets die rechtsextreme QAnon-Bewegung, die Trump als Kämpfer gegen eine kriminelle und satanistische Organisation von Pädophilen einstuft. Ausgangspunkt der Bewegung war ein anonymer Internet-Beitrag im Jahr 2017, bei dem es um angebliche bizarre Riten von Kinderschändern und politische Verschwörungen ging, die auch mit Hilary Clinton in Verbindung gebracht wurden. Viele QAnon-Botschaften haben antisemitischen und rechtsradikalen Charakter.

Schon früher habe Trump QAnon-Inhalte unterstützt, sagt Rothschild. „Er hat auf Twitter mehr als 300-mal QAnon-Anhänger oder -Memes weiterverbreitet.“ Bis zur FBI-Durchsuchung in Mar-a-Lago habe Donald Trump aber „noch nie etwas geteilt, das direkt mit einer Q-Äußerung zu tun hatte“.

Donald Trump will vor den Wahlen geziehlt seine Fans auf „Truth Social“ erreichen

Weil Trump heutzutage weniger Menschen direkt erreicht, scheint er mit solchen Botschaften gezielt seine treuen Fans bei den Republikanern und im gesamten rechten Lager ansprechen zu wollen, wie die Expertin Caroline Orr Bueno von der Universität von Maryland meint. „Diejenigen, die ihm immer noch folgen, sind wahrscheinlich ein harter Kern von Unterstützern, die sich möglicherweise auch leichter zu Gewalt anstiften lassen.“

Der Internet-Tracker NewsGuard hat auf Truth Social 88 Konten mit jeweils mehr als 10.000 Followern identifiziert, die QAnon-Inhalte verbreiten. 32 dieser Konten wurden zuvor von Twitter gesperrt. „Truth Social ist zu einer Art Zufluchtsort für Menschen und Inhalte geworden, die von anderen Plattformen verbannt wurden“, sagt Orr Bueno.

Die Trump-Plattform „scheint Menschen mit extremistischen Ansichten anzuziehen“, erklärt die Expertin. Sie biete ihnen einen geschützten Raum, „wo sie sich gegenseitig anstacheln können, ohne sich Sorgen machen zu müssen, gemeldet oder verboten zu werden.“ Damit habe Trump für sich und andere ein perfektes Umfeld geschaffen. (ktho/AFP)

Auch interessant

Kommentare