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Nach der Wahlniederlage

Donald Trump und seine Fans: Die MAGA-Koalition zerfällt in ihre Einzelteile

  • vonMirko Schmid
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Im Lager der treusten Fans des abgewählten Präsidenten Donald Trump zeigen sich Risse. Der Streit um den Umgang mit dem unangenehmen Wahlergebnis ist entbrannt.

  • Donald Trump versammelt seine Anhängerschaft unter dem Banner „MAGA - Make America Great Again“.
  • Die Bewegung, die von rechtsextremen Schlägertruppen bis moderaten Konservativen reicht, driftet in verschiedene Richtungen.
  • Trump News: Hier finden Sie alle Informationen rund um den 45. Präsidenten der USA.

Washington D.C. - Donald Trump hat echte, treue Fans, die auch nach der verlorenen US-Wahl hinter ihrem Idol stehen. Seine Anhängerinnen und Anhänger setzen sich aus diversen gesellschaftlichen Gruppen zusammen. Diese Gruppen leben in vollkommen verschiedenen Alltagsrealitäten und bilden die nahezu komplette Palette der politischen Rechten der USA ab.

„MAGA“ und „Stop the Steal“: Die Bewegung um Donald Trump bröckelt.

Verschiedenste rechte Gruppierungen unterstützen Donald Trump

Da sind die rechtsextremen, paramilitärischen Schlägertrupps wie die „Proud Boys“ oder die „Oath Keepers“, die sich öffentlich und martialisch bereiterklären, für ihr Idol Donald Trump in den „Krieg“ zu ziehen. Da sind erzkonservative, christliche Evangelikale, denen das freie Recht auf Abtreibung und die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Liebenden zuwider ist. Da sind eingefleischte „Rednecks“, also Südstaatler, denen jede Moderne missfällt.

Aber da sind auch im Grunde moderat Konservative, denen die markigen Worte und Beleidigungen eines Donald Trump missfallen, die sich aber darüber freuen, dass Trumps Agenda ur-republikanische Themen wie Steuererleichterungen und einen schlanken Staat vorsieht. Und da sind Opportunisten, die in Trump noch vor wenigen Jahren einen frauenfeindlichen „Idioten“ sahen, jetzt aber im Fahrwasser seiner Macht an der Basis der republikanischen Anhängerschaft mitschwimmen - bestens personifiziert durch Trumps energische Anwältin Jenna Ellis.

Die Fans von Donald Trump eint der Hass auf das „liberale Establishment“

Was alle eint, so unterschiedlich sie sich in Radikalität, Ansichten und sozialer Herkunft sein mögen, das ist der gemeinsame Nenner: Donald J. Trump. Und so hängen sie an seinen Lippen, wenn der abgewählte Präsident einen „breitflächigen Wahlbetrug“ erfindet, wenn er behauptet, dass er niemals legal aus dem Amt gewählt werden könne. Die im vereinten Hass auf die Demokraten, die „Snobs“ aus Hollywood, New York City, Havard und Yale und ein schwammig definiertes „liberales Establishment“ bereit sind, ihrem geistigen Anführer jeden Fehlgriff zu verzeihen - oder ihm gleich trotz offensichtlicher Fakten glauben, dass er im Grunde unfehlbar und nur ein Opfer der bitterbösen, liberalen Medien sei.

Gemeinsam versammeln sich diese Fans unter dem Banner „Make America Great Again“ (MAGA) und vereint schritten sie, angefeuert von den „Proud Boys“, rechtsextremen Radio-Agitatoren, den „Truckers for Trump“ und anderen, teils zwielichtigen Gestalten am 14. November auf die Straßen der US-amerikanischen Hauptstadt, um gegen den Wahlsieg von Joe Biden und an den Haaren herbeigezogenen Machenschaften zu demonstrieren, die ein „Deep State“, also ein vermeintlicher Staat im Staat, in die Wege geleitet haben soll, um Trump seinen haushohen Wahlsieg zu „stehlen“.

Tausende Menschen demonstrierten in Washington D.C. für Donald Trump

Die Bilder waren durchaus beeindruckend, die Straßen Washingtons waren geflutet mit den Star-Sprangled Banner, der Nationalflagge der USA, blauen Trump-Transparenten und roten „MAGA“-Schildkappen. Die versprochene Million brachten die „Trumpster“ anlässlich der vollmundig als „Million MAGA March“ angekündigten Großdemonstrationen nicht nach Washington, aber viele tausende Fans des trotzigen Wahlverlierers waren durchaus vor Ort.

Schon zu diesem Zeitpunkt taten sich erste, kleinere Risse im Fundament der gemeinsamen Bewegung auf. Während die eher nonverbal veranlagten Muskelpakete der Paramilitärs um die „Proud Boys“ und „Oath Keepers“ im Grunde nur auf den Startschuss zum Staatsstreich warteten, war es der großen Menge der Fanschar des Donald Trump ein Bedürfnis, friedlich für ihre in ihren Augen aufrichtige Sache zu demonstrieren. Vermehrt kam es zu Bildern, die aufgeregte Diskussionen zwischen den Lagern in die Welt transportierten.

Im Lager der Fans von Donald Trump gibt es ein großes Konfliktpotential

Eine Konfliktlinie der „MAGA“-Bewegung verlief zwischen den „Women for America First“ auf der einen und „Stop the Steal“-Gründer Ali Alexander und „Infowars“-Chef Alex Jones auf der anderen Seite. Während die „Women for America First“, die die Demonstration offiziell genehmigt bekommen hatten, am Freedom Plaza Reden hielten, machten sich Jones und die „Proud Boys“ auf den Weg zum Supreme Court, wo sich eine größere Menge der „Million MAGA March“-Teilnehmer:innen um sie sammelte. Die Demonstration für Donald Trump war somit schon kurz nach Beginn gespalten.

GruppierungAnführer
Proud BoysEnrique Tarrio
Oath KeepersStewart Rhodes
Stop the StealAli Alexander
Women for America FirstAmy Kremer
Infowars (Radio)Alex Jones

Besonders deutlich zeigen sich die verschiedenen Animositäten im Konflikt zwischen Alex Jones und „Women for America First“-Anführerin Amy Kremer. Jones unterstellt Kremer, die Veranstaltung mit ihrer Anmeldung „gekapert zu haben“. Schlimmer noch: Donald Trump, der sich auf dem Weg zum Golfplatz sichtlich erfreut durch die Menge fahren ließ, soll laut Kremer vorgehabt haben, sich länger auf der Demonstration aufzuhalten. Diese Pläne, das behauptet zumindest Alex Jones, habe der Präsident verworfen, nachdem er erfahren habe, dass Amy Kremer und ihre „Women for America First“ die Großdemonstration „entführt“ hätten.

Radiomoderator Alex Jones giftet gegen eine Frauengruppe im Einsatz für Donald Trump

Alex Jones wörtlich: „Gute Arbeit, meine Damen.“ Einen schlimmeren Vorwurf gibt es innerhalb der „MAGA“-Gemeinde kaum. Niemand aus den Reihen der treusten Anhänger von Donald Trump möchte sich vorwerfen lassen, den gemeinsamen Helden höchstpersönlich verscheucht zu haben. Jones‘ Abneigung gegenüber Amy Kremer und ihren Mitstreiterinnen rührt aus einer inhaltlichen Entfremdung. Kurz gesagt: Kremer und die „Women for America First“ sind dem rechtsextremen Radiomoderator und Geschäftsmann zu brav.

So hätten sie gemäß dem Narrativ des „Infowars“-Chefs nicht zugelassen, dass der äußersten Rechten zuzuordnende Redner auf dem Freedom Plaza Reden halten. Außerdem seien die Frauen von „den Medien“ als „Freaks“ wahrgenommen worden, welche die „MAGA“-Bewegung schlecht repräsentieren. Jones gibt die angebliche Pressemeinung so wieder: „‘Schau dir diese ekelhaften Freaks an, sie sind für all diese Patrioten verantwortlich.‘“

Die Frauengruppe „Women for America First“ soll aus der Bewegung für Donald Trump geworfen worden sein

Ali Alexander, Chef von „Stop the Steal“, einer Ansammlung von Internet-Stars und -Sternchen, die landesweit zu Protesten für Donald Trump aufrufen, sieht das offensichtlich ähnlich, auch er fremdelt mit den Frauen für Donald Trump. Auf Twitter schrieb Alexander, dass die Frauengruppe „einstimmig aus ‚Stop the Steal‘ geworfen“ worden sei und „die Sicherheit der Menschen in Washington D.C. gefährdet“ habe.

Animositäten innerhalb der Fangemeinde von Donald Trump, auch zwischen Anführern von „Stop the Steal“ und einfachen Trump-Anhängern, sind nicht neu. Am 18. November führten Jones und Alexander eine Gruppe von Demonstranten in das Capitol von Georgia, um dort gegen das Wahlergebnis zu protestieren. Ein weithin unbekannter Demonstrant mit einem Cowboyhut im Design der amerikanischer Flagge schlug vor, mit einem Sitzstreik im Regierungssitz des Bundesstaates einen Stopp der Stimmauszählungen zu erzwingen.

Es kracht auch zwischen Anführern der Bewegung und einfachen Fans von Donald Trump

Ali Alexander soll sichtlich irritiert reagiert haben, schreibt „The Daily Beast“. Seine Antwort: „Wenn wir anfangen, hier jetzt auf die Hinterwäldler zu hören, werden wir das Land verlieren.“ Alex Jones ging dazwischen und verteidigte das Recht des Mannes, einen Sit-In vorzuschlagen. Alexander soll aus „unklaren Gründen“ weiterhin wütend über den Vorschlag des Donald Trump verehrenden Cowboyhutbürgers gewesen sein und setzte nach: „So werden wir die Republik nur verlieren!“ 

Um die verschiedenen Gruppierungen der „MAGA“-Bewegung wieder zu vereinen, schaltete sich zuletzt Roger Stone, ein enger Berater von Donald Trump ein und veröffentlichte in Absprache mit verschiedenen „Stop the Steal“-Köpfen einen versöhnlichen Blogbeitrag. In diesem Beitrag räumt Stone ein, dass es innerhalb von „Trumpworld“ nach den Wahlen interne Streitigkeiten gegeben habe. Gleichwohl fordert er alle Trump-Anhänger dazu auf, den Zwist zu beenden und sich gegenseitig nicht noch weitere Wunden zuzufügen: „Für den Erfolg unserer Bemühungen ist es nach wie vor unerlässlich, dass wir Konservative es vermeiden, ein Exekutionskommando im eigenen Kreis zu bilden.“

Die nächste Großdemonstration für Donald Trump steht bevor

Wie gut Stones Appell aufgenommen wird, wird sich spätestens am 12. Dezember zeigen, wenn sich die „MAGA“-Bewegung zur nächsten Großdemonstration in Washington D.C. trifft. Angemeldet wurde das Event erneut von den „Women for America First“, Alex Jones und Ali Alexander scheinen ihre Gelegenheit verpasst zu haben, den Frauen das Ruder zu entreißen. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © TASOS KATOPODIS/afp

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