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Donald Trump: FBI bekam Hinweise für Razzia von einem Informanten

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Von: Johanna Soll

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Woher wusste das FBI, nach welchen Dokumenten es in Donald Trumps Anwesen suchen musste und wo? Eine geheime Quelle soll die Behörde informiert haben.

Washington D.C. – Seit der Durchsuchung von Donald Trumps Anwesen Mar-a-Lago in Florida am Montagabend (08. August, Ortszeit) kommen immer mehr Details ans Licht. Die US-Nachrichtenseite Newsweek hat nun von zwei anonymen Regierungsbeamt:innen mehr zu den Umständen der Razzia erfahren. Eine der Personen ist hochrangige:r Mitarbeiter:in des Justizministeriums mit 30-jähriger Berufserfahrung bei der US-Bundespolizei FBI. Die andere Person ist Geheimdienstmitarbeiter:in von hohem Rang, die über die Ermittlungen und die Operation informiert wurde. Sie teilten mit, das FBI habe die Hinweise über den Inhalt und die Standorte der gegenständlichen Dokumente in Trumps Anwesen von einer geheimen Quelle erhalten.

Es sei auch kein Zufall gewesen, dass Donald Trump zum Zeitpunkt der Durchsuchung nicht vor Ort war. Er hielt sich in seinem Golfclub in Bedminster, New Jersey auf. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass er die Operation nicht behindert, indem er sie als mediale Plattform nutzt oder sogar versucht, sie zu unterbinden. „Sie wollten jeglichen Medienzirkus vermeiden“, hieß es von der Newsweek -Quelle aus dem Geheimdienst. Doch das sei nicht gelungen. Stattdessen löste die Razzia eine wütende Reaktion sowohl bei der Führung der Republikaner als auch bei der Trump-Anhängerschaft aus. „Was für ein spektakulärer Fehlschlag“, sagte die Quelle aus dem Justizministerium gegenüber Newsweek.

Donald Trump soll geheime Unterlagen zurückgehalten haben

Der Hausdurchsuchung gingen Wochen der Vorbereitung voraus, doch der Sachverhalt, der letztlich zu der Razzia führte, begann bereits vor anderthalb Jahren. Beim Übergang von der Trump-Regierung zu der von US-Präsident Joe Biden vermutete das Nationalarchiv, dass die ausgehändigten Unterlagen des Ex-Präsidenten möglicherweise nicht vollständig waren. Donald Trump selbst räumte daraufhin ein, ein Teil der geheimen Dokumente sei versehentlich an seinen Wohnsitz in Florida verschickt worden.

Donald Trump verlässt am 10. August den Trump-Tower in New York.
Donald Trump verlässt am 10. August den Trump-Tower in New York. © Niyi Fote/Imago

Dieser Aussage glaubte das Nationalarchiv nicht und bat das Justizministerium um eine Untersuchung, mit dem Ergebnis, dass eine Geschworenenjury befand, Donald Trump habe gegen den Presidential Records Act verstoßen, das Gesetz für Unterlagen des Präsidenten. Die Strafe dafür ist bis zu drei Jahre Gefängnis oder das Verbot, ein öffentliches Amt in den USA auszuüben.

Donald Trump: FBI wusste offenbar genau, wo sich die Dokumente befanden

Dem Bericht zufolge war die Grundlage für den Durchsuchungsbeschluss der illegale Besitz geheimer Informationen der Landesverteidigung. Die Razzia habe nichts mit der Untersuchung zum Sturm auf das Kapitol oder einem anderen mutmaßlichen Fehlverhalten des ehemaligen Präsidenten zu tun. „Damit die Ermittler den zuständigen Richter in Florida davon überzeugen konnten, eine solch beispiellose Razzia zu genehmigen, mussten die Informationen stichhaltig sein, was das FBI behauptete“, sagt die Geheimdienstquelle gegenüber Newsweek.

In Donald Trumps Anwesen Mar-a-Lago in Florida nahm das FBI eine Razzia vor
In Donald Trumps Anwesen Mar-a-Lago in Florida nahm das FBI eine Razzia vor © Charles Trainor Jr/Imago

Medienberichten zufolge stellte das FBI etwa 10 bis 15 Kartons mit Dokumenten in den Räumlichkeiten Donald Trumps sicher. In einer Erklärung Trumps hieß es, das FBI habe im Rahmen der Durchsuchung seinen persönlichen Safe geöffnet. Trump-Anwältin Lindsey Halligan, die bei der mehrstündigen Razzia anwesend war, sagte, das FBI habe drei Räume ins Visier genommen – ein Schlafzimmer, ein Büro und einen Lagerraum. Das deutet darauf hin, dass das FBI genau wusste, wo es suchen musste.

Razzia bei Donald Trump: FBI-Direktor Christopher Wray gab grünes Licht für Razzia

Weder US-Präsident Joe Biden noch das Weiße Haus seien im Vorfeld der Razzia informiert worden. Auch Justizminister Merrick Garland kannte laut der Newsweek-Quelle weder Datum noch Uhrzeit der Hausdurchsuchung. Garland sei jedoch regelmäßig über die Ermittlungen zu dem Fall informiert worden und hätte von der Grand Jury und dem Material gewusst, nach dem gesucht wurde. Er sei allerdings nicht gebeten worden, die Razzia zu genehmigen. „Ich weiß, es ist schwer zu glauben“, sagt die Quelle, „aber das war Sache des zuständigen Staatsanwalts und des FBI.“

Der von Donald Trump ernannte FBI-Direktor Christopher Wray gab schließlich grünes Licht für die Durchführung der Razzia, sagt die Newsweek-Quelle aus dem Justizministerium. „Es ist wirklich ein Fall, in dem das FBI die Auswirkungen falsch gedeutet hat.“ (Johanna Soll)

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