Ist laut einer Studie für fast 40 Prozent aller Corona-Falschmeldungen mitverantwortlich: US-Präsident Donald Trump.
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Ist laut einer Studie für fast 40 Prozent aller Corona-Falschmeldungen mitverantwortlich: US-Präsident Donald Trump.

Studie

„Fake News“: Donald Trump ist für fast 40 Prozent aller Corona-Falschmeldungen verantwortlich

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Eine Studie über die Berichterstattung zum Coronavirus zeigt, dass Donald Trump als Antreiber hinter vielen Falschmeldungen steckt. Dazu wurden 38 Millionen Artikel analysiert.

Ithaca / Washington D.C. - Korrekte Berichterstattung und Kommunikation nehmen in der Corona-Pandemie eine wichtige Rolle ein. Umso verheerender können irreführende Beiträge und „Fake News“ sein. Vor allem in den USA tragen Falschmeldungen maßgeblich zur Eskalation der Corona-Pandemie bei. Eine Studie konnte einen erheblichen Anteil der Falschmeldungen auf einen Antreiber zurückführen: US-Präsident Donald Trump.

Forscher der Cornell University im Bundesstaat New York haben 38 Millionen englischsprachige Artikel über die Corona-Pandemie aus dem Zeitraum vom 1. Januar bis zum 26. Mai analysiert. Sie fanden dabei rund 1,1 Millionen Beiträge - rund drei Prozent - die Fehlinformationen enthalten. Elf größere Themen konnten in der „Infodemie“, wie die Forscher sie nennen, festgestellt werden, darunter etliche Verschwörungstheorien. In fast 38 Prozent der Falschmeldungen findet Donald Trump Erwähnung.

Coronavirus: Donald Trump ist erheblicher Antreiber von Falschmeldungen

Das vorherrschende Thema bei Fehlinformationen zum Coronavirus seien „Wunderheilungen“. Darunter fallen auch Malaria- und Desinfektionsmittel, für die der US-Präsident als potenzielle Wirkstoffe gegen Covid-19 warb. Allein diese Thematik habe mit 295.000 Beiträgen für zehn Mal so viele Falschmeldungen gesorgt wie die nächsten zehn Themen zusammen, behaupten die Forscher. Bei einer Pressekonferenz im April hatte Donald Trump beispielsweise vorgeschlagen, Desinfektionsmittel und UV-Licht zur Behandlung zu benutzen. Später ruderte der Präsident zurück. Seine Aussagen seien „Sarkasmus“ gewesen. Er habe die Bürger niemals dazu aufgerufen, Desinfektionsmittel zu sich nehmen. Trotzdem haben sie dazu beigetragen, dass die Anzahl der Artikel mit Fehlinformationen in dieser Thematik von weniger als 10.000 auf über 30.000 anstieg. Trump hatte diese Zunahme angetrieben.

Zwar ist Donald Trump dafür bekannt, auch über die anstehende US-Wahl und weitere Themen Falschinformationen zu verbreiten, doch die Forscher hatten erwartet, dass Verschwörungstheorien in der Studie dominanter seien, und nicht Trump. Verschwörungstheorien und allgemein irreführende Behauptungen machen 46 Prozent der Fehlinformationen aus. Eine davon aus dem April hatte behauptet, dass Dr. Anthony Fauci, Pandemie-Berater von Trump, bei den Todeszahlen maßlos übertrieben hätte und er ein Nutznießer von Pharmaunternehmen sei. Die Forscher hatten Hashtags in den sozialen Medien wie #FireFauci und #FauciFraud untersucht, um solche Falschmeldungen zu finden.

Coronavirus: Verschwörungstheorien die häufigsten Fehlinformationen

Mehr als 11.000 Artikel zu Dr. Fauci, die Falschinformationen enthalten, konnten die Forschenden ausmachen, berichtet auch die „New York Times“. 49.000 Beiträge handelten vom Coronavirus als Plan der „Neuen Weltordnung“ oder des „Deep State“. Zudem gab es 40.000 Artikel, die erwähnten, dass das Virus lediglich ein Schwindel der Demokratischen Partei sei. Auch Behauptungen über 5G-Masten und Bill Gates fanden tausendfach Erwähnung.

„Fake News“ soll einer der tragenden Gründe für das Ausufern der Corona-Pandemie in den USA sein, die bereits mehr als 200.000 Todesopfer forderte. Deshalb sei die akkurate, klare und bündige Übermittlung von Informationen dafür ausschlaggebend, das Virus unter Kontrolle zu bekommen, teilte Dr. Joshua Sharfstein mit, Prodekan an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health. Wenn es keine Heilung oder Impfung gibt, sei ehrliche und konsistente Nachrichtenübermittlung essenziell. „Das brauchen wir, um Leben zu retten. Wenn es nicht gut gemacht wird, hat man viel mehr Infektionen und Todesfälle.“

Studienleiterin Sarah Evanega legte nach: „Wenn Menschen durch unwissenschaftliche und unbegründete Behauptungen über diese Krankheit in die Irre geführt werden, ist womöglich die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie sich an offizielle Richtlinien halten.“

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