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US-General kritisiert Bundeswehr scharf: Deutschland nicht mehr der Top-Verbündete

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Von: Jan-Frederik Wendt

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Ein Kampfflugzeug vom Typ Lockheed Martin F-22 Raptor der US-amerikanischen Luftwaffe führt in der Nähe von Lask einen Nato-Luftwaffenübung mit zwei F-16-Kampfjets der polnischen Luftwaffe durch.
Ein Kampfflugzeug vom Typ Lockheed Martin F-22 Raptor der US-amerikanischen Luftwaffe führt in der Nähe von Lask einen Nato-Luftwaffenübung mit zwei F-16-Kampfjets der polnischen Luftwaffe durch. © Ssgt Danielle Sukhlall/dpa

Nach Großbritannien war immer Deutschland der wichtigste US-Verbündete in Europa. Das hat sich offenbar geändert.

Washington, D.C. – Deutschland zählt nach Großbritannien offenbar nicht mehr als Top-Verbündeter der USA. Dies sagte ein General der US-Armee in Europa gegenüber Politico. „Die endlosen Debatten über den Wiederaufbau der Bundeswehr und sein Mangel an strategischer Kultur“ schmälerten Deutschlands Nutzen als Verbündeten. Allerdings bleibe die Bundesrepublik ein wichtiges logistisches Drehkreuz für die US-Armee. Dafür habe sich Polen „zu unserem wichtigsten Partner in Kontinentaleuropa entwickelt“, so der US-General.

Politisch ständen sich die Regierungen beider Länder nicht sehr nahe. Aber: In der militärischen Unterstützung für die Ukraine arbeiteten Washington und Warschau eng zusammen. So habe sich die Stadt Rzeszów im Südosten Polens nicht nur zur Anlaufstelle für ukrainische Geflüchtete entwickelt, sondern auch zum wichtigsten Drehkreuz für US-Waffen auf dem Weg ins Kriegsgebiet. Die für die Ukraine so wichtigen Raketenwerfer vom Typ Himars zum Beispiel fliegt die US-Armee über den Flughafen der 200.000-Einwohner-Stadt ein.

Ukraine-Krieg: Polen liefert Kriegsgerät im Wert von 1,8 Milliarden Euro

Polen sei nicht nur ein Drehkreuz. Das deutsche Nachbarland zähle selbst zu den größten Waffenlieferern der Ukraine im Kampf gegen Russland. Dem Kieler Institut für Wirtschaftsforschung zufolge schickte Polen bis Oktober Kriegsgerät im Wert von 1,8 Milliarden Euro in die Ukraine – Platz drei hinter Großbritannien und den USA und vor Deutschland auf Platz vier. Schon im April überließ Polen dem Nachbarland im Ukraine-Konflikt 200 Sowjetpanzer vom Typ T-72. Unter dem Eindruck des russischen Überfalls startete Polen zudem ein beispielloses Aufrüstungsprogramm für seine Armee, von dem auch die USA profitieren.

So bestellte Warschau als Ersatz für seine abgegebenen Sowjetpanzer 250 Exemplare des US-Kampfpanzers vom Typ Abrams im Wert von fast fünf Milliarden Euro. Weitere 180 Kampfpanzer und 200 Panzerhaubitzen beschafft Polen in Südkorea. Insgesamt will Warschau die Rüstungsausgaben von 2,4 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung auf 5 Prozent erhöhen – das Ziel der Nato liegt bei zwei Prozent pro Land und Jahr für Rüstungsausgaben. Das erklärte Ziel von Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak lautet, Polen zur „mächtigsten Landstreitmacht Europas“ zu machen.

„Kein westliches Land will seine Armee so schnell und so weit aufrüsten wie Polen“, zitiert Politico den Fachjournalisten Mariusz Cielma. „Wer die polnischen Rüstungsaufträge an Land zieht, wird jahrzehntelang davon profitieren, denn da geht es auch um Instandhaltung und Reparatur des Geräts“, so Cielma. (jfw)

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