USA in der Corona-Krise

Trump erlässt per Dekret neue Corona-Hilfen - Biden kritisiert „halbgare Maßnahme“

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Nach gescheiterten Verhandlungen im Kongress über ein neues Corona-Hilfspaket ordnet US-Präsident Donald Trump per Dekret eine Reihe von Hilfsmaßnahmen an.

  • Die USA sind von der Corona-Pandemie besonders betroffen.
  • Auch Präsident Donald Trump fällt immer wieder auf.
  • Bis zu 40 Millionen US-Amerikanern droht eine Zwangsräumung.

Das Coronavirus breitet ich in den USA wie vor rasant aus. Es sollen mittlerweile fast fünf Millionen Menschen infiziert sein. Ein Experte kritisiert fehlendes Durchgreifen: Die weiteren Entwicklungen in den USA finden Sie in unserem neuen Ticker.

Update vom Sonntag, 09.08.2020, 6.45 Uhr: Nach gescheiterten Verhandlungen im Kongress über ein neues Corona-Hilfspaket hat US-Präsident Donald Trump per Dekret eine Reihe von Hilfsmaßnahmen angeordnet. Bei einer Pressekonferenz in seinem Golfclub in Bedminster im Bundesstaat New Jersey unterzeichnete Trump vier Erlasse, die unter anderem eine Kürzung der Lohnnebenkosten und einen verlängerten Zuschlag zur Arbeitslosenhilfe vorsehen.

Nach dem Willen Trumps soll sich der Zuschuss zur Arbeitslosenhilfe auf 400 Dollar wöchentlich belaufen. Ein weiteres Dekret soll den Schutz von Mietern vor Zwangsräumungen sicherstellen, während ein vierter Erlass eine Fristverlängerung für die Rückzahlung von Studiendarlehen vorsieht.

Trump sagte bei der Unterzeichnung der Dekrete, er wolle sicherstellen, dass die Hilfe schnell bei den Menschen ankomme. Es wird allerdings damit gerechnet, dass die Erlasse juristisch angefochten werden, da der Präsident auf diesem Weg den Kongress und dessen Budgethoheit umgeht.

Trumps Herausforderer Joe Biden kritisierte die Dekrete als eine „Reihe halbgarer Maßnahmen“. Sie seien ein „weiterer zynischer Trick“ des Präsidenten, der damit von seiner Verantwortung ablenken wolle. Das Land brauche stattdessen einen „wahren Anführer“, der in der Lage sei, eine Einigung mit dem Kongress zu erzielen.

Donald Trump regiert per Erlass.

Corona in den USA: Ist der Sommer nur das „Aufwärmen für eine größere Katastrophe“?

+++ 18.21 Uhr: Zwei renommierte Experten fordern im Kampf gegen die Corona-Krise in den USA die erneute Verhängung strikter Ausgangsbeschränkungen. Bis es eine Impfung gebe, werde es ohne einen neuen Lockdown Millionen weitere Coronavirus-Infektionen und zahlreiche Todesfälle geben, aber keine nachhaltige Erholung der Wirtschaft, warnten der Epidemiologe Michael Osterholm und der Chef des Büros der Notenbank in Minneapolis, Neel Kashkari, in einem Gastbeitrag in der „New York Times“.

„Es gibt keinen Zielkonflikt zwischen der Gesundheit und der Wirtschaft“, so die US-Experten. „Beide verlangen es, das Virus aggressiv unter Kontrolle zu bringen.“ Die Geschichte werde hart über Amerika urteilen, wenn die aktuelle Chance, die Corona-Pandemie unter Kontrolle zu bringen, nicht ergriffen werde. Sie schlagen die Verhängung von Ausgangsbeschränkungen in den Bundesstaaten für jeweils sechs Wochen vor, um die Zahl der Neuinfektionen von derzeit 50.000 bis 60.000 pro Tag mindestens auf wenige Tausend pro Tag zu reduzieren.

Mit Blick auf die bevorstehende kalte Jahreszeit und die Wiedereröffnung von Schulen und Universitäten warnten Osterholm und Kashkari vor einer weiteren Zuspitzung der Corona-Krise in den USA. „In den nächsten sechs Monaten könnte das, was wir bisher erlebt haben, nur wie das Aufwärmen für eine größere Katastrophe erscheinen“, schrieben sie.

Corona-Maskenpflicht ignoriert: Donald Trump erfindet eigene Regeln für seine Gäste  

Update vom Samstag, 08.08.2020, 7.00 Uhr: US-Präsident Donald Trump ist kein allzu großer Freund von Masken. Lange wurde er dafür kritisiert, dass er trotz einer entsprechenden Empfehlung der US-Gesundheitsbehörde CDC bei öffentlichen Auftritten keine Maske über Mund und Nase trug. Das Tragen von Masken wurde dadurch in den USA auch ein Politikum, vor allem die oppositionellen Demokraten zeigten sich entsetzt. Trump selbst zeigte sich davon in der Regel unbeeindruckt, ist inzwischen aber einige Male auch mit Maske aufgetreten.

Jetzt hat er aber wieder Gäste seines Golfclubs verteidigt, die bei seiner Pressekonferenz in einem geschlossenen Raum trotz der anhaltenden Corona-Pandemie keine Maske trugen. Es gebe Ausnahmen von der Maskenpflicht für „politische Aktivitäten“, sagte Trump in seinem Golfclub in Bedminster im Bundesstaat New Jersey. Dort ist das Tragen einer Maske vorgeschrieben. Seine offizielle Pressekonferenz als US-Präsident sei auch ein „friedlicher Protest“, behauptete Trump.

Mitglieder des Golfclubs waren eingeladen worden, der Pressekonferenz von Donald Trump beizuwohnen. Die Gäste wüssten, dass die Medien nur Falschinformationen („Fake News“) verbreiteten, ihre Anwesenheit stelle daher einen politischen Protest dar, sagte Trump weiter - unter großem Jubel der Gäste, die weitgehend auf Masken verzichteten.

Die bei Trumps Pressekonferenzen anwesenden Journalisten werden routinemäßig auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet. Bei den Gästen des Golfclubs wurde nach Angaben mitreisender Journalisten vor der Pressekonferenz gemessen, ob sie Fieber haben.

Nur wenige Gäste von Donald Trump ziehen eine Maske auf.

Corona in den USA: Bis zu 40 Millionen Menschen droht die Zwangsräumung

+++ 19.33 Uhr: Den USA steht wegen der Corona-Pandemie die „womöglich schwerwiegendste Unterkunftskrise in der Geschichte“ bevor, warnen Wissenschaftler. Einer am Freitag (07.08.2020) veröffentlichten Studie zufolge droht zwischen 30 und 40 Millionen Mietern in den USA in den kommenden Monaten eine Zwangsräumung. Damit könnten bis zu 43 Prozent aller Miethaushalte betroffen sein, heißt es von den Experten renommierter Einrichtungen wie dem Massachusetts Institute of Technology und der Universität Princeton.

Grundlage für die Studie sind demnach vor allem Befragungen von Mietern und deren Angaben zu ihrer finanziellen Situation. Besonders stark gefährdet seien Angehörige von Minderheiten, darunter Schwarze und Latinos.

Vor einem Jobcenter sammeln sich Menschen: Millionen haben in den USA wegen der Corona-Krise ihren Job verloren. Nun drohen Zwangsräumungen wegen ausbleibender Mietzahlungen.

Zwar gab es vorübergehend auf Bundesebene ein Verbot von Zwangsräumungen für bestimmte Immobilien, doch das lief Ende Juli aus. Die Demokraten im Kongress haben daher gewarnt, dass Millionen Amerikanern, die wegen der Corona-Pandemie ihren Job und damit ihr Einkommen verloren haben, die Zwangsräumung droht.

Derzeit laufen Verhandlungen über ein weiteres Konjunkturpaket, das auch Mieter erneut schützen soll. Bislang konnten sich Regierung, Republikaner und Demokraten aber nicht einigen. US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, Mieter bestimmter Immobilien, auf welche die Regierung Einfluss hat, notfalls über eine Verordnung zu schützen. Die Demokraten monieren aber, dass insolventen Mietern mit Finanzmitteln geholfen werden müsse, da eine Räumung sonst nur aufgeschoben wäre.

Eine Tote nach Party von Corona-Leugner in Texas

Update vom Freitag, 12.04 Uhr: In den USA hat ein Corona-Leugner eine Party veranstaltet. Das Ergebnis: eine Tote und 14 Infizierte. Eine Person befindet sich auf der Intensivstation. Tony Green war Wähler von Donald Trump und schenkte Verschwörungsmythen rund um Corona Glauben. Der Mann aus Dallas, Texas, dachte, dass die Pandemie ein Fake sei.

Bei einer Zeitung aus Dallas veröffentlichte Green einen Gastbeitrag, in dem er die verhängnisvolle Party beschreibt. Mitte Juni habe er eine große Familienfeier veranstaltet. Abstandsregeln und das Masken-Gebot musste niemand einhalten. Nach der Feier wurden immer mehr Menschen in seinem Umkreis positiv auf Corona getestet.

USA: Corona-Leugner bedauert Party und fühlt sich schuldig

Die Mutter seines Schwiegervaters starb am 1. Juli 2020. Sein Schwiegervater musste am Tag der Beerdigung auf die Intensivstation verlegt werden. „Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schuldig ich mich fühle. Meine Schuld, dass ich ein Corona-Leugner war, mich so achtlos durch die Pandemie bewegte. Dass ich mich lustig gemacht hatte über die, die Masken trugen und Abstände einhielten“, schreibt Green.

„Ich hielt das Virus für einen Schwindel. Ich glaubte, dass die Mainstream-Medien und die Demokraten ihn benutzen, um Panik zu verbreiten, die Wirtschaft zum Absturz zu bringen und Trumps Chancen auf eine Wiederwahl zu zerstören.“ Und weiter: „Denjenigen, die die Existenz des Virus leugnen oder seine Schwere herunterspielen, möchte ich versichern: Das Coronavirus ist sehr real und extrem ansteckend. Bevor Sie überhaupt wissen, dass Sie es haben, haben Sie es an Ihre Freunde, Familie, Kollegen und Nachbarn weitergegeben.“

Immunologe Anthony Fauci: „USA haben schlimmsten Corona-Ausbruch der Welt“

Update vom Freitag, 7. August, 10:35 Uhr: In einem Interview hat US-Immunologe Anthony Fauci der Aussage zugestimmt, dass die USA am heftigsten von der Corona-Krise betroffen sind. Ein „CNN“-Reporter hatte den Virologen gefragt, ob das Land den schlimmsten Ausbruch der Welt hätte.

„Ja, wenn man es quantitativ betrachtet, ist es so. Ich meine, die Zahlen lügen nicht“, sagte Anthony Fauci dazu. Laut Daten der John-Hopkins-Universität haben die USA mehr als 22 Prozent der weltweiten Corona-Todesfälle zu verzeichnen - und mehr als 25 Prozent aller Infektionen.

Immunologe Anthony Fauci stimmt der Aussage zu, dass die USA am schlimmsten von Corona betroffen sind (Archivbild).

Unterdessen hofft Donald Trump weiter auf einen Impfstoff. „Noch vor Ende des Jahres, es könnte deutlich früher sein“, sagte Trump in einem Interview des Radiosenders WTAM. Eventuell könnte ein Impfstoff sogar schon zur Zeit der Präsidentschaftswahl am 3. November verfügbar sein, sagte Trump weiter. Experten halten diesen Zeitplan allerdings für übermäßig optimistisch.

Normalerweise dauert die Entwicklung eines neuen Impfstoffs mehrere Jahre. Trump hofft jedoch angesichts der derzeit enormen Anstrengungen und Finanzmittel für die Impfstoffforschung auf einen wesentlichen rascheren Durchbruch. Gesundheitsexperten haben sich vorsichtig optimistisch gezeigt, dass es zum Jahresende oder im ersten Halbjahr 2021 einen wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus geben könne.

USA: Mehr als 300.000 Menschen könnten bis Dezember an Corona sterben

Erstmeldung vom Freitag, 7. August, 10:29 Uhr: USA - Bis Dezember könnten nach einem weithin beachteten Modell in den USA insgesamt fast 300.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus sterben. Das wären rund 140.000 Tote mehr als derzeit. Wenn 95 Prozent der Menschen in der Öffentlichkeit stets Masken trügen, könnte die Zahl der Opfer bis 1. Dezember mit rund 228.000 deutlich geringer ausfallen, erklärten die Forscher des Instituts IHME der Universität Washington in Seattle.

Das Modell des Instituts befürchtet nun bis 1. Dezember 295.000 Tote. Vor der jüngsten starken Zunahme der Neuinfektionen in den USA hatte das Modell bis 1. November noch mit rund 230.000 Toten gerechnet.

Corona: „Erleben in den Vereinigen Staaten eine Achterbahnfahrt“

„Wir erleben in den Vereinigten Staaten eine Achterbahnfahrt“, erklärte Institutsdirektor Christopher Murray. Sobald die Infektionen in einem Gebiet dramatisch ansteigen, tragen die Menschen Masken und befolgen die nötigen Vorsichtsmaßnahmen, sobald sich die Situation entspanne, verflüchtige sich aber auch die Vorsicht wieder, wie Murray kritisierte. „Das führt natürlich zu mehr Infektionen. Und der womöglich tödliche Kreislauf beginnt wieder von vorne“, sagte er.

Bislang sind in den USA fast 160.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 gestorben, wie Daten der Universität Johns Hopkins zeigen. Landesweit gibt es inzwischen fast fünf Millionen bestätigte Corona-Infektionen. Seit Mitte Juni hat die Zahl der Neuinfektionen in den USA wieder deutlich zugenommen. Im Schnitt meldeten die Behörden zuletzt rund 60.000 Neuinfektionen pro Tag - vor allem in Bundesstaaten im Süden und Westen des Landes. (mse)

Alles zur Entwicklung der Pandemie in den vergangenen Tagen können Sie in unserem alten Corona-USA-News-Ticker nachlesen.

Rubriklistenbild: © Susan Walsh/dpa

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