Proteste eskalieren

Portland: Einhundertste Protestnacht in Folge - Demonstranten werfen Molotowcocktails

  • Daniel Dillmann
    vonDaniel Dillmann
    schließen

Die Lage in Portland bleibt angespannt. Zur einhundertsten Nacht in Folge treffen sich Demonstranten und wollen ein Polizeirevier stürmen. Erneut kommt es zu Auseinandersetzungen.

  • Black Lives Matter“-Demonstrationen in den USA* setzen sich fort.
  • Ein Mann wird am Rande einer Kundgebung in Portland (Oregon) erschossen - die Polizei erschießt den Tatverdächtigen.
  • Seit mehr als drei Monaten finden täglich Proteste in Portland statt

Update vom Sonntag, 06.09.2020, 16.50 Uhr: In der einhundertsten Nacht in Folge fanden in Portland Proteste gegen strukturellen Rassismus und Polizeigewalt statt. Erneut kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten.

Der Protestzug aus mehreren hundert Leuten bewegte sich auf ein Polizeirevier im Südosten der Stadt zu. Die Polizei blockierte den Weg und erklärte die Versammlung für illegal, nachdem drei Molotowcocktails in Richtung der Beamten flogen. Ein Demonstrant fing Feuer, wie ein Video auf Twitter zeigt. Die Polizei rückte vor und setzte nach wenigen Minuten Tränengas ein, um den Protestzug fernzuhalten.

Einige Stunden dauerten die Proteste in Portland Samstagnacht an. Das Polizeirevier konnten die Demonstranten nicht erreichen. Mehr als 50 Leute wurden verhaftet, wie „The Oregonian" berichtet - mehr als in fast jeder Nacht zuvor.

Portland (USA): Weitere Proteste angekündigt

Update vom Samstag, 05.09.2020, 15.30 Uhr: Die Erschießung eines Tatverdächtigen durch die Polizei, der in Portland einen rechten Aktivisten getötet haben sollen, hat in der Stadt erneut für Anspannung gesorgt. Am Freitagabend (04.09.2020) kam es vor einem Gebäude der Polizei wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Beamten. Mehrere Personen wurden verhaftet. Bilder auf Twitter zeigen eine Frau mit einem blutüberströmten Gesicht.

Es sollen weitere Proteste in Portland stattfinden, wie die „Washington Post“ berichtet. Am Samstag demonstrieren Anhänger der „Black Lives Matter“-Bewegung. Eine Pro-Trump-Kundgebung zu Ehren des getöteten Anhängers der rechtsextremen „Patriot Prayer“-Gruppe ist für Montag geplant. Die Gouverneurin des US-Bundesstaats Oregon, Kate Brown, zeigte sich über die Gewalt in Portland besorgt. „Es muss einen gemeinschaftlichen Versuch geben, die Gewalt zu beenden“, sagte sie in einer Pressekonferenz. Für „weiße Vorherrschaft“ oder Bürgermilizen gebe es in der Stadt keinen Platz.

Ein Toter bei Protesten in Portland: Polizei erschießt Tatverdächtigen

Update vom Freitag, 04.09.2020, 10.00 Uhr: Nach dem gewaltsamen Tod eines mutmaßlich rechten Anhängers am Rande von Demonstrationen in Portland im US-Bundesstaat Oregon ist ein Tatverdächtiger von der Polizei getötet worden. Wie US-Medien übereinstimmend unter Berufung auf Polizeiquellen berichteten, starb der 48-Jährige nach Schüssen eines gemeinsamen Einsatzkommandos der Polizei und des US Marshals Service in der Stadt Lacey im benachbarten Bundesstaat Washington.

Tödliche Schüsse in Portland: Ein Polizist riegelt den Tatort ab. Am Rand einer Kundgebung war ein Mann mit zwei Kugeln erschossen worden.

Bei dem Mann soll es sich um einen Antifa-Anhänger handeln, gegen den wegen der Tötung eines Anhängers der rechten Gruppe „Patriot Prayer“ in Portland ermittelt worden sei. Am Donnerstag (03.09.2020) hatte das Portal Vice News ein Interview mit dem Mann veröffentlicht, in dem er andeutete, die tödlichen Schüsse in Portland abgefeuert zu haben. Er habe sich und einen Freund damit verteidigen wollen. „Ich hatte keine Wahl“, sagte der 48-Jährige. Die Polizei in Portland hatte daraufhin Medienberichten zufolge am selben Tag einen Haftbefehl gegen den Mann ausgestellt.

Portland: Ein Toter bei Kundgebung - Donald Trump nennt Bürgermeister „Dummkopf“

Update 31.08.2020, 07.25 Uhr: Nachdem US-Präsident Donald Trump Gewalt am Rande von Protesten zum Wahlkampfthema gemacht hat, versuchen die Demokraten um Joe Biden, die Initiative zurückzugewinnen. Biden forderte Trump auf, Gewalt aus jeglicher politischer Richtung zu verurteilen. „Wir dürfen nicht zu einem Land werden, das im Krieg mit sich selbst ist“, erklärte Biden am Sonntag. Trump warnt bisher meist vor „extremen Linken“, die in von Demokraten regierten Städten freie Hand hätten.

Gewaltsame Proteste in Portland. Ein Mitglied der rechtsextremen „Patriot Prayer“ wird erschossen.

Der vom Präsidenten zuletzt besonders häufig attackierte Bürgermeister von Portland, Ted Wheeler, ging zum Gegenangriff über. „Sie sind es, der Hass und Spaltung geschaffen hat“, sagte er bei einer Pressekonferenz an Trumps Adresse. „Was Amerika braucht, ist, dass Sie gestoppt werden.“ Trump antwortete binnen weniger Minuten und nannte Wheeler in einer Serie von Tweets unter anderem „verrückt“ und einen „Dummkopf“. „Stärke ist der einzige Weg, die Gewalt in den von Demokraten geführten Städten mit hoher Kriminalität zu stoppen.“

Update, 13:45 Uhr: Nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen von Trump-Anhängern und „Black Lives Matter“ Demonstranten in Portland hat US-Präsident Donald Trump die Entsendung der Nationalgarde angeregt. „Alles, was die Gouverneurin tun muss, ist anzurufen“, twitter Trump in Richtung von Kate Brown, Gouverneurin von Oregon und Mitglied der demokratischen Partei.

Mittlerweile wird auch zu den Schüssen mit Todesfolge am Rande der Demonstration in Portland mehr bekannt. Das Opfer soll laut Informationen der Nachrichtenagentur „Reuters" durch einen Schuss in die Brust getötet worden sein. Die Polizei hat nach eigenen Angaben mehrere Personen festgenommen, die in Zusammenhang mit den Schüssen stehen könnten.

Schüsse in Portland: Opfer war Mitglied der „Patriot Prayers“

Update, 11:15 Uhr: Bei dem Toten handelt es sich offenbar um ein Mitglied der ultrarechten Bewegung namens „Patriot Prayer“. Wie die „Washington Post" berichtet, sei auf Fotos deutlich zu erkennen, dass das Opfer eine Mütze mit dem Schriftzug der Gruppierung trägt.

Die „Patriot Prayer“ waren in Portland unter anderem durch ihren Führer Joey Gibson vertreten und konfrontierten vor Ort Mitglieder der „Black Lives Matter“ Demonstration. Die Situation eskalierte, Gibson und seine Leute flüchteten daraufhin in eine nahe gelegene Tankstelle.

Wie die Polizei in Portland mitteilte, wurden die Schüsse in den frühen Morgenstunden gemeldet. Die Einsatzkräfte und Sanitäter konnten vor Ort aber nur noch den Tod des Mannes feststellen. Zu Verdächtigen machte die Polizei bislang keine Angabe.

Patriot Prayers
gegründet:2016
Gründer:Joey Gibson
Hauptsitz:Portland, Oregon
Anzahl der Mitgliederunbekannt

Erstmeldung
Portland - Seit Wochen wird in Portland gegen rassistische Polizeigewalt demonstriert. Nun machen Anhänger von US-Präsident Donald Trump dagegen mobil. Etwa 2.500 Trump-Unterstützer sind mit einem Autokorso, bestehend aus hunderten Fahrzeugen, am Samstagabend (Ortszeit) in die größte Stadt des Bundesstaates Oregon gefahren. Dort kam es zu teilweise gewaltsamen Auseinandersetzungen mit linken Gruppierungen.

Tödliche Schüsse in Portland: Ein Polizist riegelt den Tatort ab. Am Rand einer Kundgebung war ein Mann mit zwei Kugeln erschossen worden.

Proteste in Portland: Ein Toter am Rande der Demonstration

Am Rande einer Kundgebung der Trump-Anhänger ist ein Mann gegen 20.45 Uhr (Ortszeit) erschossen worden. Laut mancher Medien soll es sich bei dem Toten um einen Unterstützer von Donald Trump gehandelt haben. Laut Angaben der US-Polizei soll das Tötungsdelikt aber nicht in Zusammenhang mit den Protesten stehen.

Kevin Escobar, ein Teilnehmer einer Gegendemonstration berichtete der US-Nachrichtenseite „Daily Beast“ über den Vorfall. Er habe eine „Auseinandersetzung vor einem Auto“ beobachtet. Kurz darauf seien zwei Schüsse gefallen. „Ich sah einen Körper auf dem Boden liegen, aber nur die Beine. Es sah nicht so aus, als ob sich der Körper noch bewegen würde“, sagte Escobar laut „Daily Beast.“ Auch andere Anwesende berichteten von mindestens zwei Schüssen, die zu hören gewesen seien.

Portland: Anhänger von Donald Trump und Gegendemonstranten prügeln sich in den Straßen

Die Polizei riegelte die Gegend rund um den Tatort weiträumig ab. Es werde wegen eines Tötungsdelikts ermittelt, teilten die Behörden mit. Derweil setzten sich die Auseinandersetzung zwischen Anhängern von Donald Trump und Gegendemonstranten in anderen Teilen der Stadt fort. Unter einer Brücke in Portland lieferten sich mehrere Männer Faustkämpfe. Auf der Brücke stellten sich Demonstranten großen Pickup-Trucks, die mit „Trump 2020“ Fahnen bestückt waren, in den Weg. Auch hier war die Stimmung mehr als angespannt.

Mehrere Personen aus beiden Lagern sind nach Angaben von US-Medien festgeommen worden. Trump-Unterstützer sollen an mehreren Stellen der Stadt mit Pfefferspray und Farbpatronen auf Gegendemonstranten geschossen haben. Als Joey Gibson, prominenter Anführer der rechtsextremen Gruppierung „Patriot Prayer“ von Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer „Black Lives Matter“ Demonstration gesichtet wurde, eskalierte die Situation. Gibson musste in eine nahegelegen Tankstelle flüchten.

Proteste gegen Rassismus in den USA: Mann richtet Handfeuerwaffe auf Demonstranten

Auch in anderen Städten der USA setzten sich die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt fort. In Tallahassee im Bundesstaat Florida attackierte ein Trump-Unterstützer einen Demonstrationszug. Nachdem er in Richtung einer Teilnehmerin schlug, soll der Mann eine Handfeuerwaffe gezogen und sie auf die Demonstranten gerichtet haben. Anwesende Polizisten überwältigten den Mann und legten ihm Handschellen an.

In Kenosha, Wisconsin, wurden vergangene Woche zwei Personen von einem Trump-Unterstützer und Mitglied einer rechten Bürgermiliz erschossen*. US-Präsident Donald Trump hatte daraufhin die Nationalgarde entsandt. Trump selbst will am Dienstag kommende Woche nach Kenosha reisen, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. (Von Daniel Dillmann) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktions-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Nathan Howard / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare