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Sanders und andere Linke empört über desolates US-Gesundheitssystem

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Von: Johanna Soll

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US-Senator Bernie Sanders ist links und parteilos
US-Senator Bernie Sanders ist links und parteilos © Paul Sancya/dpa

Die Krankenversicherung der USA ist weitgehend privatisiert. Das hat Folgen für die Menschen – mitunter sogar tödliche. Bernie Sanders prangert die Missstände an.

Washington, D.C. – In den USA hält der Präsident jährlich eine viel beachtete Rede zur Lage der Nation. Der linke, parteilose US-Senator Bernie Sanders hat als neuer Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit, Bildung, Arbeit und Renten im Senat eine ähnliche Rede gehalten, „zur Lage der Arbeiterklasse“. Lobby-Gruppen der Gesundheitsbranche sind über Sanders’ neuen Posten beunruhigt, weil er Medicare for All, eine allgemeine staatliche Krankenversicherung, unterstützt. Außerdem will er sein neues Amt dazu nutzen, um gegen unternehmerische Gier, Gewerkschaftsfeindlichkeit und hohe Preise für verschreibungspflichtige Medikamente vorzugehen.

Insbesondere die gesundheitliche Versorgung ist in den USA mangelhaft, was sich an Preissteigerungen für Gesundheitsdienstleistungen, einer hohen Zahl an Unterversicherten beziehungsweise nicht hinreichend Krankenversicherten und sogar einer sinkenden Lebenserwartung zeigt.

USA: Menschen verzichten wegen hoher Kosten auf medizinische Behandlung

Durch den Preisanstieg für private Krankenversicherungen haben 2021 laut dem Meinungsforschungsinstitut Gallup 26 Prozent der Menschen in den USA aus Kostengründen auf medizinische Leistungen verzichtet. 2022 stieg diese Zahl um 12 Prozentpunkte auf 38 Prozent. Von denjenigen, die angaben, die Behandlung im vergangenen Jahr verschoben zu haben, gaben 27 Prozent an, dass sie oder ein Familienmitglied dies „wegen einer sehr oder einer ziemlich ernsten Erkrankung“ getan hätten, neun Prozentpunkte mehr als noch 2021.

Besonders wahrscheinlich ist die Verschiebung von medizinischen Behandlungen aufgrund zu hoher Kosten in einkommensschwachen Haushalten, bei junge Erwachsenen und Frauen. Eine andere kürzlich durchgeführte Umfrage ergab, dass nur 12 Prozent der Amerikaner:innen der Meinung sind, die Gesundheitsversorgung in ihrem Land sei „extrem“ oder „sehr“ gut geregelt. Derartige Daten zeigen, dass das System der gewinnorientierten, privaten Krankenversicherung, die bei Angestellten über den Arbeitgeber läuft, nicht beliebt ist. Dadurch sind in den USA rund 43 Millionen Menschen unzureichend krankenversichert.

Ro Khanna: „Unternehmerische Gier hat tödliche Folgen“

Wollen die Menschen in den USA solch desolate Zustände? Nein, mehrere Umfragen von Fox News aus 2020 ergaben, dass über 70 Prozent der Wähler:innen einen „Wechsel zu einer von der Regierung geführten Krankenversicherung“ befürworten. Medicare, die staatliche US-Krankenversicherung für Rentner:innen, erfreut sich großer Beliebtheit und auch jüngere Menschen wünschen sich solch eine Versicherung.

Noch vor der Veröffentlichung der Gallup-Umfrage, schrieb der progressive Abgeordnete Ro Khanna auf Twitter: „Wenn man nicht glaubt, dass unternehmerische Gier tödliche Folgen hat, sollte man sich den Rückgang der Lebenserwartung in den USA ansehen. Wir brauchen Medicare for All und wir müssen den Mindestlohn erhöhen.“ Tatsächlich sind die USA das einzige Industrieland, in dem die Lebenserwartung nicht steigt, sondern sinkt. (Johanna Soll)

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